Ausschuss stimmt gegen Energieagentur

Klimaziele ziehen nicht als Argument

Achim - Von Lisa Duncan. „Die bestehenden Strukturen werden dankbar sein“, meinte Michael Pelzl, selbstständiger Energieberater, der die Achimer Politik und Stadtverwaltung im Auftrag des Landkreises Verden über die Gründung einer kreisweit operierenden Energieagentur informierte. Trotz vieler vorgebrachter Argumente blieb der Finanzausschuss am Mittwochabend den Plänen gegenüber kritisch. Ob es zur Gründung – auch ohne Achim – kommt, bleibt aber weiterhin offen.

Eine Beteiligung würde die Stadt 12 000 Euro pro Jahr kosten und sie würde sich für sechs Jahre binden. Ziel der Energieagentur sei ein interkommunales Klimaschutz-Management. Mit Schwerpunkt auf Informationen über Fördermittel würde die Agentur auch beratende Dienstleistungen anbieten, allerdings ohne mit bisherigen Strukturen zu konkurrieren, führte Pelzl aus. Details zu rechtlichen Rahmenbedingungen stehen allerdings noch aus und sollen zwischen dem Landkreis Verden und den Kommunen, die mitmachen, gemeinsam festgelegt werden.

Die Stadt Achim, rechnete Pelzl vor, komme auf jährliche Energiekosten von 1,4 Millionen Euro. Er sieht im Weserort ein Einsparpotenzial von 10 bis 20 Prozent jährlich, in Zahlen: 28 000 Euro. Die Klimaschutzziele seien in Achim lange nicht erreicht: Derzeit liege die Sanierungsrate bei Privathäusern bei 0,5 Prozent. Die Kommune täte gut daran mit gutem Beispiel voranzugehen, so Pelzl. Viele Gemeinden im Landkreis hätten sich bereits hinter den Plan gestellt, eine Klimaschutz- und Energieagentur zu gründen. Von den „Wackelkandidaten“ Kirchlinteln und Dörverden habe er die Gemeinde Dörverden kürzlich mit ins Boot geholt, berichtete der Diplom-Wirtschaftsingenieur.

CDU-Fraktionschefin Isabel Gottschewsky kritisierte, dass mit einer Energieagentur im Landkreis Doppelstrukturen geschaffen würden. Die Stadt sei bei den Klimaschutzzielen auf einem guten Weg, wie das Beispiel Freibadsanierung zeige. Sie warnte, dass die Stadt sich finanziell beteiligen, aber später keinen Vorteil davon spüren würde. Wichtiger als Beratung sei beim Klimaschutz die Umsetzung – und dafür sei kein Geld vorhanden.

Auch Hans Jakob Baum (FDP) wies auf die Gefahr von Redundanzen hin und fand, dass das Geld mit Schnellladestationen für E-Mobilität besser investiert sei.

Pelzl entgegnete, dass die jährlichen Einsparungen, die er mit seinen Kompetenzen erwirken würde, die Investitionen übersteigen könnten. Eine Förderung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sei nur eine von vielen Möglichkeiten. Zudem brachte er eine Finanzierung über „Contracting“ mit Unternehmen ins Spiel. Konzerne würden investieren, unter der Bedingung, dass sie dafür einen Anteil des durch die Einsparungen erwirtschafteten Geldes erhalten.

Gestern noch einmal nicht-öffentlich beraten

Jürgen Kenning (Grüne) fand, dass 12 000 Euro jährlich nicht zu viel seien und sagte Unterstützung zu.

WGA-Chef Wolfgang Heckel gab zu, dass er sich noch schwer tue, zuzustimmen. Der konkrete Nutzen dieser kreisweiten Institution sei ihm nicht ganz klar.

Da war Bernd Junker (SPD) anderer Ansicht: „Ich sehe in der Gründung eine Chance und eine solche Struktur wie diese ist mir hier bisher nicht bekannt.“

Es sei wichtig, dass sich alle Kommunen beteiligten, appellierte Bürgermeister Rainer Ditzfeld unmittelbar vor der Abstimmung. Das nützte wenig: Letztlich lehnte das Gremium den Beschluss mit fünf Gegenstimmen und vier Befürwortern ab.

Doch damit ist nicht das letzte Wort gesprochen. Gestern stand das Thema wieder auf der Agenda des nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschusses. Ein Kreistagsbeschluss zur Energieagentur wird für Ende September angestrebt, heißt es in einem Schreiben von Landrat Peter Bohlmann.

Rubriklistenbild: © dpa

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