1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Achim

Klimakrise, Corona und jetzt auch noch Krieg

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michael Mix

Kommentare

Pastor Christoph Maaß sieht die Menschheit vor großen Herausforderungen. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Laurentius zeigt Flagge für die Ukraine.
Pastor Christoph Maaß sieht die Menschheit vor großen Herausforderungen. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Laurentius zeigt Flagge für die Ukraine. © Mix

Achim – Klimakrise, Corona und jetzt auch noch Krieg in Europa – können Christinnen und Christen angesichts dieser Bedrohungen wirklich „frohe Ostern“ feiern? Oder bleibt das nur ein frommer Wunsch?

„Herausforderungen in der Weltgeschichte gab es schon immer“, antwortet Christoph Maaß im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Laurentius erinnert an Hungerkatastrophen und hohe Kindersterblichkeit, und Seuchen und Kriege bedeuteten für Menschen seit Jahrtausenden ein Ringen um Leben und Tod.

Bewaffnete Konflikte habe es auch in Europa noch lange nach 1945, dem Ende des jüngsten großen Weltenbrands, gegeben, etwa in Nordirland oder Jugoslawien. Hierzulande, wo die Bevölkerung seit 77 Jahren in Frieden leben könne, sei das Gegenteil davon für jüngere Leute in aller Regel weit weg. Bei der älteren Generation allerdings kämen mit Putins Überfall auf die Ukraine die Schrecken von damals wieder hoch. „Meine Mutter, die 84 ist, erinnert sich noch an die Bombennächte im Zweiten Weltkrieg“, erzählt Maaß.

Hilft der christliche Glaube? Kann er Orientierung in schwieriger Zeit bieten? Ostern, das Fest an dem Gläubige die Auferstehung Jesu Christi nach dem Tod am Kreuz feiern, sei auch „die Geburtsstunde der Freiheit und die Zeit des Lebens“, stellt der Pastor fest. Aber angesichts der furchtbaren Bilder aus der Ukraine und des vielfachen Leids dort gebe es keine einfachen Antworten.

„Ich möchte als Pastor nicht dazu aufrufen, zur Waffe zu greifen“, sagt Christoph Maaß. „Ich kann aber als Mensch jeden verstehen, der sich verteidigen will.“

Die allermeisten in Achim und anderswo wollten den gebeutelten Ukrainerinnen und Ukrainern helfen, viele spendeten Geld und Güter. Tief im Inneren beschleiche jedoch nicht nur ihn das Gefühl: „Man tut nicht genug.“

Der Kirchenvorstand von St. Laurentius wolle dazu beitragen, dass dem Krieg Entkommene zumindest ein Dach über dem Kopf haben. „Wenn eine Anfrage der Behörden käme, würden wir den ersten Stock des Gemeindehauses für Flüchtlinge zur Verfügung stellen.“

„Schwerter zu Pflugscharen“, die an ein Bibelzitat angelehnte Forderung der Friedensbewegung, bezeichnet Maaß als einen Traum, der schon oft nicht in Erfüllung gegangen sei. „Die Vision des Friedens sollte aber bleiben.“.

Aber nicht nur der ist nun auch für Deutschland und Europa ungewiss geworden. Um die Erde auch für künftige Generationen lebenswert zu erhalten, müsse jeder und jede Einzelne die Essgewohnheiten, das Konsum-, Urlaubs- und Mobilitätsverhalten auf den Prüfstand stellen, fordert Maaß. Er selbst verzichte seit Jahren auf Flugreisen und fahre viel weniger mit dem Auto als früher. Für den 58-Jährigen steht außer Frage: „So unangenehm es ist: Scharfe Schnitte bei unserer Art zu leben, sind nötig.“

Auch Corona – „bis zum Beginn des Ukraine-Krieges Spielverderber Nr. 1 in den letzten beiden Jahren“ – habe alte Überzeugungen zerstört. Dabei hätten Wissenschaftler immer vor einer Pandemie gewarnt. Es werde nicht die letzte gewesen sein, merkt Maaß an.

Aber jede Krise biete auch Chancen. Schon lange stecke die westliche Gesellschaft in einer tiefen Sinnkrise, bekämpften viele innere Leere mit Konsum und Kommerz. „Dabei zeigen Ergebnisse der Glücksforschung, dass viel Geld und Besitz nicht glücklicher machen“, gibt der Geistliche zu bedenken. Tiefen Lebenssinn beziehe der Mensch nicht aus materiellem Wohlstand, „sondern daraus, dass man seine eigene Tätigkeit als sinnhaft empfindet, Gemeinschaft erlebt, sich für andere einsetzt“.

Immer noch auf Wirtschaftswachstum zu setzen, ist für Maaß der falsche Weg. „Wenn man die Ergebnisse der Glücksforschung ernst nimmt, müsste man eine andere Politik machen.“

An Ostern, dem höchsten Fest der Christenheit, feierten Protestanten wie Katholiken den Sieg des Lebens über den Tod. Aber das müsse und werde künftig anders sein, sagt Pastor Christoph Maaß. „Die kuscheligen Zeiten sind vorbei.“

Auch interessant

Kommentare