Hamburger an Hehlerei in Achim beteiligt

„Kleiner Fisch“ lässt Gefängnis hinter sich

Achim - Von Lisa Duncan. Aus dem Gefängnis direkt vor das Achimer Schöffengericht: Ganze sechs Straftaten soll ein 45-jähriger Montenegriner im Januar dieses Jahres in Achim verübt haben – und das wenige Tage nach seiner illegalen Wiedereinreise in die Bundesrepublik Deutschland. Unter anderem soll er im Auftrag anderer versucht haben, in Achim-Uphusen ein gestohlenes Auto an den Mann zu bringen. Zuvor hatte ihn die Ausländerbehörde bereits zweimal abgeschoben.

Der Angeklagte kam mit Hand- und Fußfesseln aus der Justizvollzugsanstalt Bremervörde, wo er die vergangenen sechs Monate in Haft gesessen hatte. Seinen Angaben zufolge hatte er vor seiner Abschiebung rund 27 Jahre lang mit seiner Familie in Hamburg gelebt.

Am 23. Januar dieses Jahres soll er mit einem BMW 435d in den Uphuser Gewerbepark gefahren sein, um ihn dort an Privatleute zu verkaufen. Dabei besaß er keinen gültigen Führerschein und stand unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln. Er zeigte den Kaufinteressenten eine gefälschte Zulassungsbescheinigung und einen gefälschten Personalausweis vor. Die Kennzeichen gehörten zu einem anderen Fahrzeug. Für 34 000 Euro wollte er die Edelkarosse, angeblich für seinen Bruder, veräußern. Tatsächlich handelte er im Auftrag von Hintermännern, die der Polizei bisher allerdings nicht bekannt sind. Für seine „Dienste“ sollte er mit 600 Euro entlohnt werden. Doch es kam nie dazu: Die angehenden Autokäufer wurden misstrauisch und verständigten die Polizei, die den Angeklagten nur einen Tag später verhaftete.

Die Vorwürfe: Hehlerei in Tateinheit mit Beihilfe zum versuchten Betrug, dazu zweimal Fahren ohne Fahrerlaubnis und dreimal Urkundenfälschung. Seine Schuld gab der Mann ohne Zögern zu. Auf Nachfrage von Richter Andreas Minge sagte er aus, seit 35 Jahren Cannabis zu rauchen. Ein Langzeitdrogenkonsum, der zur Enthemmung beigetragen haben könnte, fand Minge. Ein „kleiner Fisch“ sozusagen, die Planung der Abläufe hätten indes Hintermänner übernommen, sagte er. Sogar einen Anzug samt Schuhen habe man ihm für das „Verkaufsgespräch“ gegeben.

Bereits 14 Vorstrafen gehen auf das Konto des 45-jährigen Angeklagten, darunter Beihilfe zum Diebstahl, Bandendiebstahl und Fahren ohne Fahrerlaubnis.

Auf Antrag des Staatsanwalts stellte das Gericht den letzten Anklagepunkt vorläufig ein, denn die gestohlenen Kennzeichen gehörten zum (ebenfalls gestohlenen) Auto.

Vier Jahre Bewährungszeit

Richter Andreas Minge verurteilte den Mann zu einem Jahr Haft auf Bewährung (für die verbliebenen fünf Anklagepunkte: sieben Monate, je 16 Monate und je vier Monate). Der Staatsanwalt, der keine positive Sozialprognose sah, hatte Gefängnis ohne Bewährung gefordert. Richter und Schöffen entschieden sich für eine Bewährungszeit von vier Jahren. Zur Frage der Sozialprognose meinte Minge: „Er ist mehr oder weniger in die Angelegenheit reingerutscht, er hat sich nicht darum bemüht.“ Man könne nicht pauschal annehmen, dass er die Bewährung nicht durchhalten würde.

Mit der Bewährung verlässt der Angeklagte den Gerichtssaal als freier Mann, hat aber Auflagen zu befolgen: Falls er wieder Asyl beantragen will, ist er seinem Bewährungshelfer in Hamburg unterstellt und muss den Behörden jeden Wohnungswechsel den mitteilen. Sollte er eine Straftat begehen oder versuchen, in Deutschland oder anderswo „abzutauchen“, muss er zurück ins Gefängnis.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Amri-Ausschuss in NRW nimmt Rolle von V-Mann ins Visier

Amri-Ausschuss in NRW nimmt Rolle von V-Mann ins Visier

Fahrgeschäfte, Buden, Zelte: Das gefällt den Besuchern am besten 

Fahrgeschäfte, Buden, Zelte: Das gefällt den Besuchern am besten 

Das sind die zehn reichsten Menschen der Welt

Das sind die zehn reichsten Menschen der Welt

Werder-Ankunft in Köln

Werder-Ankunft in Köln

Meistgelesene Artikel

Seit 50 Jahren bieten Landfrauen Posthausen Spendetermine an

Seit 50 Jahren bieten Landfrauen Posthausen Spendetermine an

CDU-Schulexperte legt sich beim Wahlkampf-Finale ins Zeug

CDU-Schulexperte legt sich beim Wahlkampf-Finale ins Zeug

Achimer Imkerverein besucht eine der letzten Korbimkereien

Achimer Imkerverein besucht eine der letzten Korbimkereien

Marktpassage ist beim Besuch der ffn-Morningshow prall gefüllt

Marktpassage ist beim Besuch der ffn-Morningshow prall gefüllt

Kommentare