Klappmaulkomiker Werner Momsen nimmt Festrituale gekonnt auf die Schippe

Weihnachten erklärt sich am besten mit Pfingsten

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Detlef Wutschik mit seiner Kreation Werner Momsen, der jede Minute seiner „Weihnachtsshow“ im Kasch dazu nutzte, um das Publikum über seine durch Lebenserfahrung erkannten Wahrheiten aufzuklären – und zu berichten wie man im Hause Momsen bevorzugt das Fest begeht.

Achim - Von Bernd Hägermann. Sogar einen wie Werner Momsen, dessen von Puppenspieler Detlef Wutschik geführtes Plappermaul gewöhnlich nie still steht, überkommen am Jahresende wahrscheinlich Gefühle von innerer Einkehr und Besinnlichkeit. Bedeutet das für die Aushängepuppe gediegener Herrenmode und messerscharfer Alltags-Analysen weniger zu schnacken? Überhaupt nicht.

Denn Momsen ist eine Rampensau und als solche nicht bereit, seine Weisheiten und Erfahrungen für sich zu behalten. Da mögen um ihn herum noch so viele Kerzen leuchten, Christbaumkugeln und Kinderaugen schimmern oder Hektoliter Glühwein fließen – Momsen verstellt derlei nicht den Blick auf das Wesentliche. Das trägt in dieser Zeit den Titel „Werner Momsen ihm seine Weihnachtsshow“. Für das Publikum im ausverkauften großen Saal des Kulturhauses Alter Schützenhof (Kasch) gab es davon am Dienstagabend eine zuckersüße Dosierung. Dabei klangen nicht Glöcklein, sondern Ohren, und die Zwerchfelle hatten Zusatzschichten zu bewältigen.

Es gibt zu Momsen nichts Vergleichbares. Allerdings geraten einige vertraute Weihnachtsbilder, die sich in Jahrzehnten verfestigt haben und als unverrückbar galten, bisweilen in Schieflage, wenn die Alpha-Puppe der Unterhaltungsbranche aus dem Nähkästchen plaudert.

Weihnachten erklärt sich am besten mit Pfingsten. Passiert auch jedes Jahr, hat aber viel weniger Erinnerungskraft. Wer weiß schon um die Bedeutung von Pfingsten? Weihnachten hingegen ist klar – Jesuskind, schon wieder (wie doch die Zeit vergeht), alter Mann mit Bart und Geschenken. Und dazu viel Gedöns. Zum Beispiel: Familienzusammenkünfte, bei denen „Stille Nacht“ wörtlich zu nehmen ist, weil niemand mehr weiss, worüber noch zu reden ist, nachdem Koch- und Backrezepte ausgetauscht sind und das Für und Wider elektrischer Kerzen diskutiert wurde.

Zu Weihnachten, weiß Momsen, ist Familie ohnehin ein zweischneidiges Schwert. Jeder denkt dasselbe: „Alle haben einen an der Waffel, nur ich nicht.“ Im Fernsehen läuft „Der kleine Lord“ mit Alec Guinness, und zwar nur mit ihm, sonst gibt‘s Ärger, und

Wurst mit Kartoffelsalat – statt Erlebnispaketen

geschenkt wird Klosterfrau Melissengeist. Der geht immer. Zumindest für Tante Gerda. Melissengeist hat Alkohol und nachgewiesenermaßen eine therapeutische Wirkung, weiß Hobby-Pharmazeut Momsen.

Lisbeth, Momsens bessere Hälfte, wird es bei diesem Fest aus den Socken von der letzten Bescherung hauen. Ihr Werner hat gebastelt. Seit September schon, als es im Discounter die ersten Lebkuchenherzen gab. Und völlig unbeeindruckt von Absichtserklärungen wie „In diesem Jahr schenken wir uns aber nichts“. Nichts befördert Ehekrisen schneller, als die Frau in solchen Momenten beim Wort zu nehmen. Lisbeth, weghören jetzt! Auf dem Gabentisch oder unterm Christbaum wird ein Mini-Momsen stehen. Er soll über Vakanzen hinwegtrösten: „Ich bin ja so häufig unterwegs“, sagt Momsen und überlegt nur ganz kurz, ob er selbst von Strapsen und knapper Unterwäsche an Lisbeth nicht mehr haben würde. Vermutlich nicht, denn: „Wir sind 45 Jahre verheiratet.“

Anders als bei Frischverliebten sind bei Werner und Lisbeth nach so langer Zeit alle Herausforderungen der Zweisamkeit bestanden oder ignoriert. Zu Weihnachten kommen bei den Momsens keine Erlebnispakete auf den Tisch, sondern Kartoffelsalat und Würstchen. Das war immer so, das wird so bleiben. Genauso wie die innige Verbundenheit der Momsen-Fans, die im Wechsel kräftig applaudierten und herzerfrischend lachten, zu ihrem liebsten Puppenkasper.

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