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Klamottenraum auf Desma-Gelände sucht weiter Helferinnen

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Von: Lisa Duncan

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Ein Teil der ehrenamtlichen Helferinnen im Klamottenraum für die Ukraine bei Desma: Leonie Böse, Iska Uferkamp-Karbe, Jennifer Grigow, Tanja Ulrich und Anuschka Hause (v.l.).
Ein Teil der ehrenamtlichen Helferinnen im Klamottenraum für die Ukraine bei Desma: Leonie Böse, Iska Uferkamp-Karbe, Jennifer Grigow, Tanja Ulrich und Anuschka Hause (v.l.). © Duncan

Achim – Die gelb-blaue Flagge am Fenster des weißen Flachbaus weist auch ortsunkundigen Besuchern schnell den Weg: Im Klamottenraum auf dem Desma-Gelände können sich Geflüchtete aus der Ukraine kostenlos mit Kleidung und anderen Dingen des täglichen Lebens versorgen.

Während der Öffnungszeiten montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr kommen täglich 10 bis 15 ukrainische Familien, meist Frauen und Kinder, sagt die ehrenamtliche Helferin und Mitbegründerin Iska Uferkamp-Karbe. Angeschoben hatte die Kleiderbörse im März der Achimer IT-Unternehmer Knuth Rüffer über die Facebook-Gruppe „Flüchtlingshilfe Ukraine Achim, Verden, Bremen und umzu“.

„Der Klamottenraum wurde von Anfang an gut angenommen. Der Bedarf ist weiterhin hoch – deshalb sind wir letzte Woche in neue Räume umgezogen“, erzählt Uferkamp-Karbe. „Ich gehe davon aus, dass unsere Hilfe weiter und über längere Zeit gebraucht wird.“ Darum und auch angesichts der nahenden Urlaubszeit seien weitere Unterstützerinnen gerne gesehen. Auch Sachspenden würden laufend benötigt.

Über die Hilfe für Geflüchtete hinaus ist der Klamottenraum bei Desma Sammelstelle für regelmäßige Hilfskonvois in die Ukraine. In Kooperation mit einer Kirche im ukrainischen Luzk bringt Pawel Matura, der in Achim beim Autoverwerter Behnke arbeitet, eigenständig Hilfsgüter ins Kriegsgebiet (wir berichteten).

Dieser Tage meisterte die Klamottenraum-Gruppe in einer dreistündigen Hau-Ruck-Aktion nach Feierabend den Umzug. „Wir mussten ja am nächsten Tag öffnen“, so Uferkamp-Karbe. Sonst hätten die Bedürftigen, die aus einem großen Einzugsgebiet kommen, unter anderem aus Bruchhausen-Vilsen und Riede, vor verschlossenen Türen gestanden. Statt eines Raums verfügen die Ehrenamtlichen in dem frisch bezogenen Gebäude über 300 Quadratmeter Fläche: drei Räume für die Kleiderausgabe sowie weitere zum Lagern und Sortieren.

 „Unser Ziel ist es, dass die Menschen, die herkommen, sich hier wohlfühlen.“

Iska Uferkamp-Karbe

Im Hauptraum befindet sich neben gut sortierter Kleidung und Schuhen auch ein Sofa – zum Warten oder Ausruhen für ältere Menschen, die nicht so lange stehen können. Kindersachen haben in einem Extra-Raum Platz – das umfasst neben Kleidung auch Kinderwagen, Spielzeug und Bilderbücher. „Die Kuscheltiere haben wir unten auf den Tisch gelegt, damit die Kinder gleich zugreifen können“, erklärt Iska Uferkamp-Karbe, und ergänzt: „Unser Ziel ist es, dass die Menschen, die herkommen, sich hier wohlfühlen.“ Seit Kurzem gibt es im Klamottenraum auch Küchenutensilien. „Das wird super genutzt“, so Iska Uferkamp-Karbe. Von den Ukrainerinnen und Ukrainern, die zuvor bei Gastfamilien oder in Sammelunterkünften lebten, würden die ersten nun in eigene Wohnungen umziehen.

Was wird gebraucht?

Als Hilfsgüter werden gebraucht: haltbare Lebensmittel, Babynahrung, Medikamente, medizinische Hilfsmittel, Verbandszeug, Hygieneartikel und Tiernahrung. Zudem benötigt der Klamottenraum vor allem Haushaltssachen, Geschirr und andere Küchenutensilien.

21 Ehrenamtliche engagieren sich zurzeit im und für den Klamottenraum. Dass es durchweg Frauen sind, sei hier ausnahmsweise nicht nur dem – zumeist weiblichen – Helfersyndrom geschuldet. „Das hier geht nicht mit Männern“, erklärt Uferkamp-Karbe. Die Frauen, die möglicherweise Schlimmes während der Kriegs- und Fluchterfahrung durchgemacht haben, sollten sich unbehelligt von männlichen Blicken umkleiden können.

Täglich sind zwei freiwillige Helferinnen anwesend. Iska Uferkamp-Karbe erstellt den Einsatzplan – „Iska macht hier schon viel“, sagt Tanja Ulrich, die selbst zuvor schon einen Kleidercontainer an der Steubenallee mitbetreut hatte. Die Arbeitszeit im Klamottenraum variiere stark – nicht nur, weil neu abgegebene Spenden sortiert werden müssen. Sondern weil es um Menschen geht. Darum helfen einige Ehrenamtliche bei der Suche nach Sprachkursen oder beim Überwinden bürokratischer Hürden. „Viele hätten gerne schneller einen Sprachkurs. Sie wollen arbeiten und Geld verdienen“, schildert Uferkamp-Karbe. Jennifer Grigow hilft nicht nur im Klamottenraum, sie beherbergt auch eine ukrainische Familie. Daher weiß sie, wie schwer es ist, an einen Platz in einem Deutschkurs heranzukommen. Verständigen könnten sich die Ehrenamtlichen mit den Ukrainern derzeit nur auf Englisch oder mithilfe des Google-Übersetzers.

Grigow will angesichts der Not der Menschen im Kriegsgebiet etwas tun: „Es gibt nicht viele Möglichkeiten, von hier aus zu helfen“, sagt sie. Zurück komme oft große Dankbarkeit: „Viele, die hier waren, sagen: ,Ich komme gerne wieder’. Man weiß, man tut etwas Gutes, wenn die Menschen mit einem Lächeln gehen“, fügt Leonie Böse hinzu. Jede könne selbst bestimmen, wie viel sie sich einbringe – auch spontane Hilfe sei manchmal gefragt, ergänzt Anuschka Hause.

Wer mithelfen möchte, schreibt Iska Uferkamp-Karbe per E-Mail an iskakarbe@aol.com oder über die Facebook-Gruppe „Flüchtlingshilfe Ukraine Achim, Verden, Bremen und umzu“.

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