Kita Bierden wirkt an Projekt der Uni Bremen mit / „Probleme frühzeitig angehen“

„Emotionale Erziehung“ soll Verhaltensstörungen stoppen

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Freude? Trauer? Zorn? Angst? Welche Emotionen zeigen die auf dem Kalender abgebildeten Kinder? Das wollen Dr. Julia Merkt (links) und Edith Rehling hier von Hannes (5) wissen.

Achim - Von Michael Mix. „Wir stellen immer mehr psychisch-soziale Auffälligkeiten bei Kindern fest“, sagt Edith Rehling, stellvertretende Leiterin der LebenshilfeKindertagesstätte in Achim-Bierden. Früh auftretende Probleme, etwa aggressives Verhalten, gingen leider nicht selten mit einer langfristig ungünstigen Entwicklungsprognose daher. Um die „emotionale Erziehung“ der Kinder zu verbessern, arbeitet die Kita jetzt bei einem Projekt der Universität Bremen mit.

Genauer gesagt, handelt es sich dabei um das Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Hochschule unter der Leitung von Professor Dr. Franz Petermann. Der Wissenschaftler und sein Team haben eine Methode entwickelt, mit dem es möglich ist, „emotionale Kompetenzen im Vorschulalter“ zu erfassen und voranzubringen.

Denn Kinder, die auf diesem Feld hinterher hinkten, liefen Gefahr, von Gleichaltrigen abgelehnt zu werden, später in der Schule Schwierigkeiten zu haben und am Ende womöglich ganz auf die schiefe Bahn zu geraten, erläutert Rehling beim Pressegespräch. Für sie ist es daher „von zentraler Bedeutung, Ressourcen und Stärken eines Kindes zu identifizieren und zu fördern, um Risikoentwicklungen entgegen zu wirken“. Emotionale Kompetenzen ermöglichten ein angemessenes Verhalten in sozialen Beziehungen und spielten beim Erwerb von Fähigkeiten und Wissen eine wichtige Rolle.

Die Erzieherinnen an der Kita hätten etliche Fortbildungen auf diesem Feld besucht, „um Basiswissen an die Kinder vermitteln zu können“, berichtet Rehling. Das geschehe zum Beispiel in Form von Verhaltenstraining. Auch sei in der Kita in Kooperation mit der Uni ein Entwicklungstest eingeführt worden.

„Was kann das Durchschnittskind?“ Unter dieser Fragestellung beteilige sich die Bierdener Tagesstätte an einer deutschlandweiten Erhebung mit repräsentativem Charakter unter Federführung der Universität Bremen, informiert Julia Merkt, Psychologin am Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation. Dabei würden 640 Mädchen und Jungen im Kindergartenalter mit verschiedenen Aufgaben konfrontiert. In einem zweiten Schritt seien „individuelle Feststellungen“ und gezielte Fördermaßnahmen geplant.

Edith Rehling hebt in diesem Zusammenhang die „hohe Bereitschaft der Eltern, an dem Projekt mitzuwirken“ hervor. 45 von 50 angeschriebenen Müttern und Vätern hätten einen Fragebogen zum Thema „emotionale Kompetenzen“ beantwortet.

„Uns ist wichtig, dass die Theorie auch in der Praxis ankommt“, unterstreicht die Diplom-Sozialpädagogin. „Umgekehrt profitieren wir von den praktischen Erfahrungen, die in der Kita gesammelt werden“, erwidert Merkt, die immer wieder mal in der Tagesstätte zu Gast ist. „Emotionen benennen, Emotionen erkennen“, lautet eine ihrer zentralen Aussagen.

Merkts Arbeit zielt nach eigenen Angaben darauf ab, das „prosoziale Verhalten“, das Einfühlungsvermögen und auch die Selbstregulation bei den Kindern zu fördern. Hinter dem letzten Punkt verberge sich insbesondere der „Belohnungsaufschub“, erklärt sie. „Ein Kind bekommt ein Geschenk, muss aber mit dem Auspacken warten.“

Die Kita Bierden gehe bei dem Projekt „mit einem guten Beispiel voran“, lobt die Projektkoordinatorin Dr. Nicole Gust von der Uni Bremen. Bei der Entwicklung von neuen Verfahren seien deren Autoren auf die Hilfe von pädagogischen Fachkräften der interessierten Kindertagesstätten angewiesen und da zeigten die Erzieherinnen um Edith Rehling „hohes Engagement“; zudem hätten Kita-Leiterin Elisabeth Hennies und ihre Stellvertreterin von der Elterninformation bis hin zu den Testungen der Kinder „alles perfekt organisiert“.

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