Ulrich Napp aus St.-Matthias-Gemeinde teilt Ansichten eines katholischen Priesters und Autors

„Kirche muss sich grundlegend ändern“

Ulrich Napp ist angetan von Burkhard Hoses Buch „Warum wir aufhören sollten, die Kirche zu retten“.
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Ulrich Napp ist angetan von Burkhard Hoses Buch „Warum wir aufhören sollten, die Kirche zu retten“.

Achim – „Spätestens seit dem Missbrauchsskandal ist die Kirche in der jetzigen Form gestorben.“ Sagt Burkhard Hose, Studentenpfarrer der katholischen Hochschulgemeinde Würzburg und Buchautor. Ulrich Napp, Lektor, Kommunionhelfer und Mitglied der Pfarrbrief-Redaktion in der Achimer St.-Matthias-Gemeinde, sieht das genauso. Wie Hose fordert auch er, die katholische Kirche aber nicht bloß zu reformieren, „sondern grundlegend zu verändern“. Eine „neue Vision von Christsein“ sei notwendig. So lautet ein Kernsatz in Hoses Buch mit dem Titel „Warum wir aufhören sollten, die Kirche zu retten“.

Napp hat den schmalen Band mit 158 Seiten begeistert gelesen und erläutert im Gespräch mit dieser Zeitung, was sich alles beim Katholizismus ändern müsse. Dem Autor bescheinigt er zunächst mal Mut. „Die Aussage ist ja reizvoll, dass ein Priester, der im Kirchendienst ist, sagt, diese Kirche hat keine Zukunft mehr“, stellt Ulrich Napp einleitend fest, bevor er auf die Thesen von Hose zu sprechen kommt.

Dieser schlage vor, höhere Ämter wie das eines Bischofs oder Kardinals nur auf Zeit zu vergeben. Denn es könne sich herausstellen, dass jemand mit dem verantwortungsvollen Posten überfordert sei. Hierarchien halte der Studentenpfarrer überhaupt für problematisch. „Priester, insbesondere höhere Amtsträger, stehen auf einem unheimlich hohen Sockel. Was unter anderem Missbrauch erleichtert, weil die Opfer sich nicht trauen, zu reden“, erklärt Napp.

Für den 69-jährigen Achimer, bis 2014 Konrektor an der Realschule, ist klar: „Kirche steckt strukturell in der Krise.“ Die Gläubigen glaubten gar nicht mehr, beobachte Kardinal Reinhard Marx.

Kirche müsse aus ihrer Macht- und Kontrollposition rausgehen, klinge bei Autor Hose immer wieder durch. Der Seelsorger sage: „Hört doch mal, was die Anliegen der Menschen sind.“

Burkhard Hose verlange außerdem, mit den Sakramenten großzügiger umzugehen. „Wer eine Messe mitfeiert, sollte zur Kommunion gehen dürfen“, nennt Napp ein Beispiel. Denn auch Jesus habe mit Sündern, sogar Verbrechern, gegessen und getrunken. Napp zitiert in diesem Zusammenhang einen bekannten Satz aus der Bibel: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“

Hose hinterfrage auch die Position der Frau bei den Katholiken. „Die Amtskirche hat über Jahrhunderte vieles festgeschrieben, was im Neuen Testament so gar nicht zu finden ist“, schildert Napp. Wie Hose fordert er: „Frauen müssen gleichberechtigt in der Kirche sein.“

Der Papst und nachrangige Würdenträger sollten des Weiteren „nicht auf dem absoluten Wahrheitsanspruch der katholischen Kirche beharren“. Napp ist sich mit Hose einig: „Es sollte mehr zugehört und weniger verkündet werden.“ Zielführender wäre es ihrer Meinung nach, Menschen zu fragen: „Wo brauchst du Hilfe?“

Ulrich Napp verweist auf ein Zitat von Jacques Gaillot. Der französische Bischof habe es auf den Punkt gebracht: „Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.“

Von Michael Mix

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