Politik und Verwaltung loten Möglichkeiten aus  

Ein Kindergarten in Clüverswerder?

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Die Etagenbetten zeugen davon, dass in dem Gebäude bis vor kurzem Flüchtlinge untergebracht waren.

Achim - Händeringend sucht die Stadt nach Räumen, um neue Kitagruppen einrichten zu können. Jetzt gibt es eine Option in Form der ehemaligen Jugendfreizeitstätte Clüverswerder. Am Montagabend besichtigte der Sozialausschuss des Stadtrats das Anwesen, das zurzeit noch dem Landkreis gehört. Dieser würde der Stadt das Gebäude samt Grundstück überlassen. Seit den 1980er-Jahren hatte das Deutsche Rote Kreuz dort eine Jugendfreizeitstätte betrieben, seit 2016 diente der ehemalige Landsitz als Flüchtlingsunterkunft.

„Der Landkreis möchte die Stadt ermuntern, hier eine Kita einzurichten. Es muss keine super teure Sanierung sein, aber mit vertretbarem Aufwand bekommt man hier sicherlich eine Betriebsgenehmigung“, erläuterte der Kreiskämmerer Holger Piplat bei der Begehung. Die Politiker indes zeigten sich bei der anschließenden Diskussion im Ratssaal skeptisch.

Grund dafür war der Kostenplan, den die Verwaltung aufgestellt hatte: Um in Clüverswerder drei Kindergartengruppen oder aber zwei Kita- und eine Krippengruppe für knapp 50 Mädchen und Jungen einzurichten, müssten nicht nur teilweise Fenster und Tüten ausgetauscht werden, sondern es müsste eine neue Heizung her, eine Rettungstreppe, ein Aufzug und mehr. Insgesamt veranschlagt die Verwaltung dafür Kosten in Höhe von mindestens 2,5 Millionen Euro plus 170 000 Euro für die Erstausstattung der Einrichtung.

Ortstermin für den Sozialausschuss: Die Politiker sahen sich am Dienstagabend vor ihrer Sitzung in Clüverswerder um.

Zudem überwiegen für Achims Sozialfachbereichsleiterin Wiltrud Ysker und ihr Team noch weitere Nachteile, so zum Beispiel die Lage außerhalb von Wohngebiet und die damit verbundene schlechte Erreichbarkeit. So fragte Ysker die Ausschussmitglieder schließlich auch: „Ist es sinnvoll, die Immobilie vom Landkreis zu übernehmen, um dort eine Kita einzurichten?“

Alternativ sei es möglich, einen Waldkindergarten anzusiedeln, aber dieser dürfe lediglich fünf Stunden am Tag mit maximal 15 Kindern betrieben werden. Ysker bat die Politiker zu berücksichtigen, dass sich die Fertigstellung anderer geplanter Einrichtungen wie etwa Baden und Bierden verzögerten, würde sich die Politik für Clüverswerder aussprechen.

Sozialdemokrat Bernd Junker waren die Ausführungen der Verwaltung zu wenig. „Ich möchte erst einmal wissen: Wie sieht die Situation aus? Wie viele Rechtsansprüche auf Kindergartenplätze können wir nicht befriedigen?“ Genaue Zahlen präsentiere die Verwaltung in der nächsten Sozialausschusssitzung am 16. September, erklärte Ysker. „Das ist absolut unprofessionell“, beschwerte sich Junker. „Wenn wir entscheiden wollen, brauchen wir Zahlen, Daten, Fakten.“ Er habe das Gefühl, dass die Stadt den Standort nicht wolle. „Man kann es ja auch mit anderen Augen betrachten und die Vorteile sehen. Ich glaube, dass da was hochgerechnet wurde, weil man das alles nicht möchte.“

Es habe vor der regulären Sitzung noch diese außerordentliche Ortsbegehung gegeben, damit sich die Politik ein Bild machen könne, erklärte ein nicht minder aufgebrachter Bürgermeister. „Die richtigen Fakten kommen noch und am 26. September kann der Rat entscheiden, die Frist des Landkreises läuft Ende September ab“, so Rainer Ditzfeld.

Ausschussvorsitzende Silke Thomas (Grüne) versuchte zu beschwichtigen: „Wir müssen heute keine Entscheidung treffen“, sagte sie, plädierte aber auch dafür, einen „Haken an die Sache zu machen“, denn allein wegen der Kosten sei es keine Option, das Vorhaben noch weiter zu prüfen.

Michael Pahl (SPD) sprang seinem Parteikollegen Junker zu Seite, indem er auf den Handlungsdruck verwies, Kitaplätze zu schaffen. „Ich habe einen relativ positiven Eindruck vor Ort gewonnen. Wir sollten weiter prüfen.“ Mit knapper Mehrheit nickte der Ausschuss schließlich den Antrag der SPD ab, die Verwaltung möge einen Zeitplan aufstellen und prüfen, welche Kostenpunkte bei der Sanierung verzichtbar seien. Einstimmig sprach sich das Gremium für den Antrag des CDU-Ratsherrn Karl-Heinz Lichter aus, zur nächsten Sozialausschusssitzung auch den Ausschuss für Finanzen dazu zu holen.

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