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Kinder bemalen Fußweg an der Steuben-Allee, um Spaziergängern eine Freude zu machen

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Von: Dennis Bartz

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Paula, Emma, Merle und Piet freuen sich über die Einladung des Achimer Kreisblatts zum Eisessen.
Paula (v.l.), Emma, Merle und Piet freuen sich über die Einladung des Achimer Kreisblatts zum Eisessen. © Bartz

Achim – Wer in den vergangenen Tagen auf dem Fußweg an der Steuben-Allee in Achim spazieren gegangen ist, der hatte danach ganz bestimmt gute Laune. Kinder hatten dort mit Kreide in großen bunten Buchstaben Glücksbotschaften hinterlassen und diese mit bunten Bildern versehen: „So wie Du bist, bist Du toll. Daran erinnere Dich immer“, stand dort und ein paar Meter weiter:

„Denk nicht daran, was Dir fehlt, sondern daran, was Du hast.“ Die jungen Künstlerinnen und Künstler, die ihr Werk mit „Emma, Merle und Piet“ unterzeichnet hatten, luden dazu ein, den „Komplimenteweg“, wie sie ihr Werk getauft hatten, zu erkunden.

Die Redaktion des Achimer Kreisblatts wollte es genauer wissen und fragte sich: Wer steckt wohl hinter dieser tollen Idee, die in Zeiten der Coronapandemie und des Ukraine-Kriegs so guttut? Redaktionsleiter Dennis Bartz, selbst Vater einer Tochter, beschloss: „Wer sich so viel Mühe gibt, um anderen Menschen eine Freude zu machen, der hat als Belohnung einen großen Eisbecher auf meine Kosten verdient.“

Wer fühlt sich dabei nicht sofort besser?
Wer fühlt sich dabei nicht sofort besser? © Bartz

Kurz nach einem Aufruf auf der Facebook-Seite des Kreisblatts, der von vielen Nutzern geteilt und gelikt wurde, meldete sich schließlich Roland Kern, der Vater von zweien der drei kreativen Komplimentemacher und bot an, den Kontakt zu den Kreativen herzustellen.

Gesagt, getan – und schon kurz darauf war es soweit: Bei strahlendem Sonnenschein saßen Merle Burchards (10 Jahre), Freundin Emma Kern (9) und ihr Bruder Piet (2) in der Eisdiele in Baden und stöberten aufgeregt in der Speisekarte. Zur Unterstützung hatten die Geschwister Paula (6) mitgebracht, die sich natürlich auch etwas aussuchen durfte: „Es ist mein erster Eisbecher dieses Jahr“, freute sich Emma, als eine Kellnerin kurze Zeit später Glasschalen und -becher voll mit den Lieblingssorten der Kinder auf den Tisch stellte.

Wir wollten die Menschen aufmuntern, damit sie sich nicht zu viele Sorgen wegen des Krieges und der Pandemie machen.

Emma, neun Jahre alt

„Na, dann erzählt mal: Wie kamt ihr auf die schöne Idee, einen Komplimenteweg zu malen?“, wollte Dennis Bartz von den Kindern wissen, und Emma klärte ihn auf: „Von einer Freundin hatte ich erfahren, dass am vergangenen Montag der ,Tag der Komplimente‘ war“, berichtete die Neunjährige. Sie, ihr Bruder Piet und Freundin Merle hätten sich daraufhin ihre bunte Straßenkreide geschnappt und losgelegt. „Wir wollten die Menschen aufmuntern, damit sie sich nicht zu viele Sorgen wegen des Krieges und der Pandemie machen“, erklärte Emma. Und das klappte sehr gut: „Viele Spaziergänger haben sich darüber gefreut und sich bei uns bedankt.“

Die beiden Freundinnen Emma und Merle besuchen derzeit zusammen die vierte Klasse der Grundschule in Uesen. Die Lieblingsfächer der beiden Mädchen sind Sport, Textil, Werken und natürlich Kunst. „Dazu aber auch noch Deutsch“, ergänzte Emma, die später Buchautorin und Schauspielerin werden möchte. Sie nimmt bereits an der „Theater auf Plattdeutsch-AG“ ihrer Schule teil und probt zusätzlich am Goethe-Theater in Bremen.

Auch die Coronapandemie beschäftigt die Kinder.
Auch die Coronapandemie beschäftigt die Kinder. © Bartz

In ihrer Schule sei der Krieg in der Ukraine derzeit ein großes Thema, berichtete Merle, die eine begeisterte Rhönrad-Turnerin ist: „Wir reden viel darüber, was dort gerade passiert, im Unterricht mit den Lehrern, aber auch in der Pause mit unseren Klassenkameraden.“

Einige ihrer Mitschüler hätten große Angst davor, dass Russland auch Berlin angreifen könnte. Sie selbst glaube aber nicht daran, dass das passiert: „Wir sprechen viel mit unseren Eltern über die Situation, und die haben uns beruhigt“, erklärte Emma. Trotzdem beschäftige sie die Situation, auch weil eine Klassenkameradin aus Moldawien komme: „Sie weint häufig, weil ihr Heimatland nahe am Kriegsgebiet ist.“

Die Kinder erzählten, sie hätten von den Geld- und Sachgüter-Sammlungen für die Ukraine gehört, die gerade vielfach liefen. Ihnen sei es wichtig, selbst auch zu helfen. Merle berichtete beispielsweise, sie habe einen Teil ihrer Stofftiere aussortiert, um sie an die Deutsch-Polnische Gesellschaft zu spenden. „Es ist mir schon schwergefallen, meinen Eisbären, mein Pferd und mein Einhorn herzugeben, weil ich die mein ganzes Leben hatte. Aber nun bekommen sie andere Kinder, die sonst keine Kuscheltiere hätten – und das ist wichtig“, betonte sie.

Während die Kinder den Rest ihres in der Frühlingssonne geschmolzenen Eises auslöffelten, hatte Emma noch eine Bitte an den Redakteur am Tisch. Sie wünsche sich wieder mehr positive Nachrichten in der Zeitung, sagte sie: „Zum Beispiel über Projekte von Schülern, dann lesen bestimmt auch wieder mehr Kinder Zeitung.“ – Wird gemacht, Emma.

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