Erfolgsgeschichte von Friseurmeister Seman Papazoglu

„Junge Leute geduldig bei der Hand nehmen“

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Friseurmeister Seman Papazoglu. 

Achim - Von Manfred Brodt. Was für eine Erfolgsgeschichte! Der heute 50-jährige Friseurmeister Seman Papazoglu, der in seinem Friseursalon an der Achimer Brückenstraße 14 Mitarbeiterinnen beschäftigt, kam 1978 als türkischer Junge aus dem Grenzgebiet zu Syrien nach Achim. Vater Yusuf hatte ihn nachgeholt, denn der war schon 1969 von der ehemaligen großen Achimer Textilfabrik Runken als Gastarbeiter geholt und als Schneider eingestellt worden.

Der junge Seman besuchte damals zwei Jahre lang eine Integrationsschule in Posthausen, die Gastarbeiterkindern aus der ganzen Verdener und Rotenburger Region Deutschunterricht gab. Das sollte auch ein Modell für heute sein, meint er, da die erforderliche Integration von Migranten ganz andere Ausmaße angenommen hat.

Auch an die Orientierungsstufe am Markt und die Achimer Hauptschule hat er überwiegend gute Erinnerungen. Als Fußballmeister hatte es Seman Papazoglu zu einer gewissen Bekanntheit gebracht und erhielt als solcher dann den guten Tipp, doch eine Friserlehre zu beginnen. Diese Berufskarriere schlug er erfolgreich ein mit der Lehre in Bremen, zweijähriger Gesellentätigkeit in Bremen und Achim bis zur Meisterprüfung und Selbstständigkeit als Figaro im November 1990. Der neue Friseursalon Papazoglu startete an der Herbergstraße und ist dann an die Achimer Brückenstraße umgezogen, wo auch Sohn Jozef mit Schere und Schneidemaschine unterwegs ist.

Eigene Geschichte inspiriert ihn

Seman Papazoglu hat es also als einfacher Hauptschüler und als ein aus der Türkei nach Deutschland gekommener Junge, der an der problematischen Magdeburger Straße wohnte, geschafft.

Das inspiriert ihn bis heute. Die jungen Menschen, die sich oft perspektivlos fühlten und abgeschrieben würden, müssten viel mehr gefördert werden und vielleicht auch sich selbst mehr fordern, meint er. So hat der Chef des Friseursalons etliche Hauptschüler und auch von der Agentur „Arbeit im Landkreis Verden“ vermittelte junge Arbeitslose ohne Schulabschluss als Lehrlinge eingestellt, und sie haben oft die besten Abschlüsse gemacht, freut er sich.

„Die jungen Leute muss man an die Hand nehmen, und man braucht viel Geduld“, weiß er. Dafür würde er sich gerne zum Beispiel im Sozial- und Jugendausschuss engagieren. Zu Achim („Meine Stadt, die ich liebe“) fällt ihm viel ein. Für die oft recht trostlose Innenstadt lautet für ihn nicht die Frage: Geschäfte, Büros, Bank oder Verbrauchermarkt? Entscheidend sei, dass Menschen überhaupt nach Achim kommen.

Nicht nur, weil im Friseursalon sowieso von den Kunden viel politisiert wird, ist Seman Papazoglu schon lange ein politischer Mensch, der als orthodoxer Christ mit einer Kirche in Achim-Nord schon lange seine Heimat bei der CDU gefunden hat. „Alle wissen alles besser“, hat er erfahren. Er will nicht nur reden, sondern es machen.

Hat er Vorbilder? – Keine Prominenten, aber Vater Yusuf und den „Häuptling“. Der Häuptling ist sein Opa Simon, der ihn in der Türkei großgezogen hat.

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