Keramik, Kleidung und Kulinarisches

Neueröffnungen in Achim - Stadtverwaltung hofft Leerstände zu überwinden

Der „Starke Bäcker“ an der Obernstraße 77 punkte durch seine langen Öffnungszeiten, erzählt Filialleiterin Renate Pohl.

Achim - Heike Asendorf arbeitet gern kreativ mit den eigenen Händen. „Ich mache jedes Mal gerne den Ofen auf“, strahlt die 47-jährige Existenzgründerin. Ihre Geschäftsidee: Kunden gestalten Rohkeramik – von der Tasse bis zum Milchkännchen – nach eigenen künstlerischen Ideen. Seit dem 1. April ist der Laden an der Obernstraße 133 in Achim eröffnet. Für Stefanie Schleef, Wirtschaftsförderung der Stadt Achim, und Anneke Luig, Stadtmarketing, ein Vorzeigeprojekt. Gestern stellten die beiden Verwaltungsfachkräfte bei einem Rundgang Neueröffnungen der vergangenen Monate vor: „Fräulein Pottery“, „Incorio“ Lederdesign, „Zuschnitt“, den „Starke Bäcker“ und den „Efem-Imbiss“.

„Wir wollen speziell die Innenstadt stärken“, sagt Stefanie Schleef. Aktuell überwiege dort das „Neue“: „Es gibt zurzeit mehr Neueröffnungen als Schließungen in Achim.“ Wichtig sei, sich von den umliegenden Riesenkaufhäusern durch besondere Angebote abzuheben.

Asendorf hat sich als gebürtige Achimerin bewusst für den Weserort entschieden, ihre Idee jedoch aus Süddeutschland exportiert. Das Vorhaben reifte schon eine Weile, doch erst als sie ein ähnliches Geschäft in Bremen entdeckte, machte sie Nägel mit Köpfen: „Wenn jetzt jemand so etwas in Oyten aufmacht, kann ich es vergessen“, habe sie gedacht. Ihr Schwerpunkt liegt nicht im Verkauf, sondern im kreativen Gestalten. Deshalb hat sie zwar eine Internetseite, aber keinen Bestellshop im Netz. „Mit den Komponenten Farbe, Motiv und Keramik bieten sich viele Variationsmöglichkeiten“, sagt sie. Ihre jüngste „Kundin“, eine Zweijährige in Erwachsenenbegleitung, verzierte etwa eine Tasse mit Fingerabdrücken.

„Fräulein Pottery“ heißt das Geschäft von Heike Asendorf an der Obernstraße 133. - Fotos: Duncan

Haptische Erlebnisse sind auch das Metier von Melanie Schwarzkopf. „Selber Nähen ist im Trend“, sagt die Achimerin, die seit September 2016 unter dem Titel „Zuschnitt“ einen Laden für Stoffe und Kurzwaren an der Obernstraße 22 betreibt. Der Clou: Sie bietet im ersten Stock über dem Ladengeschäft auch Nähkurse für Erwachsene an. Die Idee dafür übernahm sie vom „Unicum“ im „Hufeisen“ in Uesen. Während ihrer Elternzeit hatte die gelernte Rechtsanwalts- und Notarsgehilfin bereits dort ausgeholfen. Weil ihre Freundin den Laden verkauft und der Hauseigentümer Eigenbedarf angemeldet hatte, führte sie das Geschäftskonzept an anderer Stelle weiter. Das werde zwar gut angenommen, sagt Schwarzkopf, räumt aber ein: „Der Standort in Uesen war besser.“

Liegt es vielleicht an anderen Leerständen ringsum? Beispielsweise für das ehemalige „Bollywood“ und den einstigen Brautladen im Nientkewitz-Haus habe man noch keine Interessenten gefunden, auch wenn es schon Anfragen gegeben habe, merkt Schleef an: „Das tut schon weh.“ Denkbar sei auch, die Räume im Eckhaus zu unterteilen und kleinteiliger zu vermieten.

Nicht nur Leerstände müssten gefüllt, auch Bedarfe befriedigt werden, sagt Anneke Luig. So fehle in der Fußgängerzone ein Schuhgeschäft, ein Bekleidungsgeschäft mit junger Mode oder eine „Lounge“, in der sich Jugendliche zu einem Kaffee oder Cocktail treffen könnten. „Wir brauchen einen Mix aus offline und online. Wer erst mal im Internet gucken kann, betritt vielleicht das Angebot seiner Wahl“, glaubt Luig. Ein nächster Schritt sei das geplante kostenfreie W-Lan. „Wir müssen jetzt unsere virtuelle Stadt gestalten.“

Melanie Schwarzkopf verkauft Stoffe für Kinder und Erwachsene und bietet Nähkurse über ihrem Laden an der Obernstraße 22.

„Incorio Lederdesign“, heißt das Geschäft von Uwe Rohde an der Obernstraße 29. Selbstständig ist der Achimer schon lange, wollte dies aber mit einem eigenen Ladengeschäft „auf eine andere Ebene“ heben. Dort bietet Rohde selbst entworfene Ledertaschen und Gürtel an. Kunden können zudem mit eigenen Ideen in den Laden kommen. Hergestellt werden die Unikate aus feinem Rindsleder jeglicher Couleur. „Alles europäische Ware“, verspricht der gelernte Raumausstatter und Polsterer und betont, seit der Eröffnung am 10. Juni schon eine sehr gute Resonanz festgestellt zu haben.

Über zu wenige Kunden kann Renate Pohl, Erstverkäuferin beim Starke Bäcker, auch nicht klagen: „Wer einmal hier war, kommt wieder.“ Bereits um 6 Uhr öffnet der Laden morgens, insbesondere das Frühstück und die Snackbar mit belegten Brötchen würden sehr gut angenommen, sagt die 55-Jährige. Nach etwa vier Monaten Umbauzeit eröffnete die Bäckerei-Kette im März in Achim ihre 29. Filiale. Zuvor beherbergte das Haus an der Obernstraße 77 ein asiatisches Restaurant, das nach einem Besitzerwechsel mehr schlecht als recht lief.

Ganz frisch eröffnet hat Kenan Celik seinen „Efem-Imbiss“ an der Ecke Obernstraße/Langenstraße. Dort befand sich ehemals das italienische Bistro „Pasta Basta“. Der 57-jährige mit türkischen Wurzeln kommt aus Landau an der Isar. Bereits als Schüler entwickelte er eine Leidenschaft für die Gastronomie, arbeitete aber lange beim Autobauer BMW. Mit Döner-Pita, Lahmacun und Pommes frites bietet er das klassische Programm eines türkischen Imbisslokals. - ldu

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