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Keine neuen Wohnklötze in Achim-Baden

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Von: Michael Mix

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Weil gewerbliche Nutzungen aufgegeben werden, schlägt die Stadtverwaltung vor, aus dem „Mischgebiet“ ein „allgemeines Wohngebiet“ zu machen.
Weil gewerbliche Nutzungen aufgegeben werden, schlägt die Stadtverwaltung vor, aus dem „Mischgebiet“ ein „allgemeines Wohngebiet“ zu machen. © -

Achim – Die in Achim zunehmende Anzahl von Neubauten, die dicht an die Grundstücksgrenzen heranreichen und benachbarte Häuser überragen, sind vielen ein Dorn im Auge. Die Stadt will diesen sogenannten Wohnklötzen nun nach und nach einen Riegel vorschieben, zunächst mal in Baden. Der Ratsausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Klimaschutz befasst sich am Dienstag, 1. März, um 17 Uhr in öffentlicher Sitzung im Ratssaal und per Videokonferenz mit Bebauungsplänen für einen Teil der Straße Am Schraderberg und für das Gebiet Am Finbusch / Im Horen. Dort sollen „die planungsrechtlichen Festsetzungen zur Art und zum Maß der baulichen Nutzung an die Bestandssituation angepasst und eine angemessene, städtebaulich verträgliche Nachverdichtung ermöglicht werden“, wie es die Verwaltung in der Beschlussvorlage formuliert.

Handlungsbedarf scheint gegeben. Denn für viele Wohnviertel in Achim bestehen nach Angaben von Stadtplanerin Christa Meiering alte Bebauungspläne, die meist sehr großzügige Rahmen bieten, sodass dort zweigeschossige Mehrfamilienhäuser entstehen könnten. Frühere Bauherren hätten diesen Spielraum allerdings kaum ausgenutzt und sich überwiegend auf den Bau von eingeschossigen Einfamilienhäusern beschränkt. Im Zuge des „derzeitigen Generationswechsels“ bei den Eigentümern komme es jedoch immer häufiger zu einer überdimensionierten Neubebauung.

Dieses Risiko bestehe auch für die Straße Am Schraderberg. Denn dort sind Meiering zufolge „großzügige bauliche Ausnutzungsmöglichkeiten“ vorgegeben: „maximal zwei Vollgeschosse“, und auch die Grundflächenzahl von 0,4 sowie die Geschossflächenzahl von 0,5 beziehungsweise 0,8 erlaubten wuchtige Bauten.

Meiering erinnert darüber hinaus an die Engpässe auf dem Wohnungsmarkt, und die Stadt Achim sei bekanntlich Zuzugsgebiet. Deshalb könne es hier „schätzungsweise zu einer vier- bis sechsfachen Anzahl an Wohnungen kommen, die zu einer ursprünglich nicht beabsichtigten Wohnungsdichte führt“. Neubebauungen mit Mehrfamilienhäusern hätten außerdem zur Folge, dass die bisherigen Grünflächen und Gartenbereiche durch Stellplätze und Garagen fast vollständig versiegelt werden. „Insgesamt besteht daher die Gefahr einer nicht maßstabsgerechten, konfliktträchtigen Nachverdichtung, die sowohl die öffentliche Verkehrs- und Infrastruktur als auch das Ortsbild und die Wohnumfeldqualität nachhaltig beeinträchtigt“, stellt Planerin Meiering fest.

Als weiteren Grund für eine Änderung des Bebauungsplans für die Straße Am Schraderberg führt die Verwaltungsmitarbeiterin ins Feld, dass lange dort vorhandene gewerbliche Nutzung inzwischen aufgegeben worden sei und deshalb statt dem „Mischgebiet“ ein „allgemeines Wohngebiet“ planerisch ausgewiesen werden sollte.

Solch einen Wandel hält Meiering für das weiter südlich entlang der Bahnhofstraße liegende Mischgebiet für nicht sinnvoll. Auch wenn „aus Vermarktungsgründen“ der Antrag gestellt worden sei, dort ein allgemeines Wohngebiet festzusetzen. Dabei wurde laut Meiering erst vor etwa zwei Jahren der B-Plan geändert, um im Badener Ortskern ein Mischgebiet zu entwickeln „und die gewerblichen Einrichtungen in zentraler Lage an den Hauptverkehrsachsen zu bündeln“. Diese städtebauliche Zielsetzung bleibe weiterhin gültig.

Schließlich weist die Planerin noch auf zwei Punkte hin: Der westliche und nördliche Rand der Bebauung befinde sich teilweise im Landschaftsschutzgebiet, das den Schraderberg und das Dünengelände unter Schutz stelle und dort Abschnitte des Achimer Stadtwaldes überlagere. „Für die betreffenden Grundstücke ist daher eine über die Bestandsnutzung hinausgehende bauliche Entwicklung auszuschließen und die engen Baugrenzen sind beizubehalten.“ Das sollte nach ihrer Ansicht auch für die östlich angrenzenden Flächen gelten.

Als zweiten Punkt nennt Meiering, dass die öffentlich gewidmete Straße Am Schraderberg „nur zum Teil erstmalig auf Grundlage der Erschließungsbeitragssatzung der Stadt Achim hergestellt“ worden sei. Der Sackgassenabschnitt, der zum Stadtwald und auch zur dort eingerichteten Waldkindergartengruppe hinführt, verfüge bisher nur über eine „Feldwegbefestigung“ mit Staubproblemen und Schlaglöchern, was einen hohen Unterhaltungsaufwand seitens der Stadt erfordere. Nach einer Änderung des B-Plans seien dort zusätzliche Bauten und damit auch Verkehre zu erwarten, weshalb die Strecke ausgebaut werden sollte. „Dies umfasst die Oberflächenentwässerung, die Beleuchtung und Herstellung einer geeigneten Straßenbefestigung.“

Um unliebsame Entwicklungen an der Bromberger und Brandenburger Straße auszuschließen, erwägt die Stadt, ein noch schärferes Schwert herauszuholen als lediglich den dort geltenden B-Plan „Am Finbusch / Im Horen“ anzufassen. „Zur Sicherung der Planung und zur Wahrung des Siedlungscharakters wird die Veränderungssperre zum geänderten Bebauungsplan beschlossen“, lautet der Beschlussvorschlag der Verwaltung für den Stadtentwicklungsausschuss.

Überdimensionierte Bauten, die sich nicht in die Umgebung einfügen und kaum Grünfläche aufweisen, sind vielen ein Dorn im Auge.
Überdimensionierte Bauten, die sich nicht in die Umgebung einfügen und kaum Grünfläche aufweisen, sind vielen ein Dorn im Auge. © -

Denn zwischenzeitlich sei ein Bauantrag für ein zweigeschossiges Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten auf einem Grundstück an der Bromberger Straße eingegangen, erläutert Meiering. Die vorhandene Bebauung in diesem Siedlungsabschnitt stelle sich im Wesentlichen als eingeschossig mit ein bis zwei Wohneinheiten dar. „Im Einzelfall sind bereits durch neuere Entwicklungen auf größeren Grundstücken auch Gebäude mit bis zu vier Wohneinheiten zu finden.“ Insgesamt bleibe jedoch die Bestandssituation deutlich hinter den festgesetzten Höchstgrenzen – maximal zwei Vollgeschosse, Grundflächenzahl von 0,4 – zurück.

Die zum Stadtwald und Waldkindergarten führende unbefestigte Sackgasse der Straße Am Schraderberg soll ausgebaut werden.
Die zum Stadtwald und Waldkindergarten führende unbefestigte Sackgasse der Straße Am Schraderberg soll ausgebaut werden. © mix

„Das Vorhaben erscheint im Verhältnis zur umliegenden Bebauung aufgrund der Anzahl der Wohneinheiten, der Größe des Baukörpers und der geplanten Versiegelung auf dem etwa 800 Quadratmeter großen Grundstück als überdimensioniert und geht deutlich über das Maß einer verträglichen Nachverdichtung im Sinne der ursprünglich zugrundeliegenden Plankonzeption hinaus“, betont die Stadtplanerin. Deshalb empfiehlt sie, parallel zur Einleitung des Bauleitplanverfahrens für den Bereich entlang der Bromberger Straße eine Veränderungssperre zu erlassen.

Solch ein „zusätzliches Sicherungselement“ halte sie für notwendig, erklärte Christa Meiering auf Nachfrage. „Denn ein Bauantrag kann höchstens bis zu zwölf Monate zurückgestellt werden, das Bauleitplanverfahren allerdings längere Zeit in Anspruch nehmen.“ Eine Veränderungssperre greife für zwei Jahre und könne bei Bedarf zwei Mal um je ein Jahr verlängert werden.

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