Landgericht lehnt sie für einen Achimer ab

Keine Einweisung in die Psychiatrie

Achim/Verden - In dem Sicherungsverfahren gegen einen 46 Jahre alten Beschuldigten aus Achim hat die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Verden den Antrag auf Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus abgelehnt. Der Beschuldigte hatte im Juli 2015 im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses in Achim eine Nachbarin bedroht. Er sei bei diesem und anderen Vorfällen psychotisch gewesen, hatte der Beschuldigte erklärt. Wir berichteten bereits.

Der Vorfall im Juli 2015 hatte zwar zu dem Sicherungsverfahren geführt, allerdings gab es noch weitere Vorkommnisse, die bei der Frage, ob von dem Mann eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, zu berücksichtigen waren. Dabei ging es um Kinder, die ihn provoziert hatten und denen er hinterhergelaufen sein soll. Dass er einen Jungen geschlagen hat, konnte das Gericht nicht feststellen. Der bei dem Vorfall zwölf, heute 14 Jahre alte Junge konnte dies auch nicht bestätigen.

Einig waren sich alle Verfahrensbeteiligten, dass der Mann, als er die Nachbarin bedroht hat, im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt hat. Er konnte auf Grund seiner psychischen Erkrankung das Unrecht nicht einsehen. Zwar habe er dabei ein Obstmesser in der Hand gehalten, erläuterte der Vorsitzende Richter Jürgen Seiffert. Dass er der damals sehr dicht vor ihm stehenden Frau angedroht hat, sie damit verletzen zu wollen, habe man nicht feststellen können.

Die Frau hatte den Mann beruhigen können und er war zurück in seine Wohnung gegangen. Selbst hatte er ausgesagt, dass er zuvor Lärm aus dem Keller gehört und aus Angst zu dem Messer gegriffen habe.

„Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren vollkommen zu Recht geführt“, betonte der Vorsitzende. So konnten die Vorkommnisse aufgearbeitet und von einem psychiatrischen Sachverständigen die Frage einer möglichen Gefährlichkeit des Beschuldigten beurteilt werden.

Der Sachverständige sprach sich am Ende zwar dafür aus, die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus anzuordnen, allerdings solle diese zugleich zur Bewährung ausgesetzt werden. Das beantragten dann auch übereinstimmend Oberstaatsanwalt Thomas Löding und Verteidiger Lüder Göttsche.

Das Gericht hält aber nicht einmal die Unterbringung auf Bewährung für erforderlich. Dafür brauche es einen Grad hoher Wahrscheinlichkeit für erheblich rechtswidrige Taten, und dies sei nicht der Fall, so die Begründung. Der 46-Jährige, der sehr ruhig wirkte, hatte sich nach dem Vorfall mit der Nachbarin in eine Klinik begeben und lebt mittlerweile wieder in seiner Wohnung.

Zum Tatzeitpunkt hatte er seine Medikamente eigenmächtig abgesetzt und Drogen konsumiert.

Mittlerweile ist er krankheitseinsichtig und in Behandlung, hat sich auch darüber hinaus Hilfe gesucht und will sich zudem noch um einen Betreuer bemühen, wie zu erfahren war. - wb

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