Miete eigenmächtig gekürzt

Streit vor Gericht: „Das ist keine Bruchbude“

Achim - Von Lisa Duncan. Eine kaputte Klingelanlage, Pfützen auf der Terrasse und gefährliche Stromkabel: Dies ist nur ein Teil einer umfangreichen Mängelliste. Die zog ein Achimer Ehepaar als Begründung heran, um auf eigene Faust ihre Miete zu mindern.

Wegen rückständiger Zahlungen geklagt hatte daraufhin die Vermieterin, deren Immobilienfirma im Landkreis Verden und dem Bremer Raum vermietet. Ihr Vorwurf: Das Paar, welches die Erdgeschosswohnung mit Terrasse ab Dezember 2017 gemietet hatte, habe von Februar bis Juli 2018 jeweils 100 bis 200 Euro vom Mietpreis einbehalten. In einer Güteverhandlung beim Achimer Amtsgericht begegneten sich Montag Klägerin und Beklagte.

Vor Gericht zählte das Paar viele weitere Mängel auf: Dunstabzugshaube und Rasenmäher funktionierten nicht, man werde vom Nachbarhaus überschattet, der vereinbarte Heckenschnitt sei ausgeblieben und die Wohnfläche mit 116 Quadratmetern als zu groß angegeben. Mit Abzug der Kellerfläche, die nicht zur Wohnfläche zähle, sei die Vier-Zimmer-Wohnung nur 86,4 Quadratmeter groß.

Nicht alles konnte Richterin Maren Noller-Schröder nachvollziehen: „Man kann auch ohne Dunstabzugshaube kochen. Und Rasenmäher werden üblicherweise nicht mitvermietet.“ Zudem habe die Klägerin die meisten Mängel zügig beseitigt.

Die Mieter hatten in der Zwischenzeit ihre Rückstände ausgeglichen. Das Mietverhältnis ist aber nun so belastet, dass die Vermieterin es beenden möchte. „Sie halten meine Mandantin seit einem Jahr auf Dauertrab“, sagte der Verteidiger. Der Schriftverkehr umfasse mittlerweile zwei Aktenordner.

Die Mieter wollen bleiben. Sie erklärten, dass sie längst aufgehört hätten, sich zu beschweren, wenn die Vermieterin aktiv geworden wäre.

So sei die gesamte Elektroinstallation im Haus fehlerhaft. Riskant sei, dass der Strom durch drei Kabel, inklusive Erdungskabel, fließe. „Ich habe mehrfach Stromschläge erhalten“, sagte der Mieter. Im Auftrag der Vermieterin war eine Elektrofirma dem nachgegangen. Angeblich stellten die Kabel keine Gefahr dar und müssten nicht ausgetauscht werden.

Die Mieter nannten weitere Schäden: Bei Regen bildeten sich Pfützen auf der unebenen Terrasse und die Garage stehe zur Hälfte unter Wasser, das aus dem Boden austrete. Von der Familie, die vorher dort gewohnt hatte, wisse sie von einem Wasserschaden an einer Garagenwand, sagte die Vermieterin. Die Feuchtigkeit rühre aber vom Nachbarhaus her. 2016, als die Wohnung komplett renoviert wurde, sei die Wand gestrichen worden. „Das ist keine Bruchbude, sondern eine wunderschöne Wohnung“, so die Klägerin.

Während die Mieter Schadenersatz fordern, will die Vermieterseite keinen Cent zahlen. Eine gütliche Einigung komme wohl derzeit nicht in Betracht, sagte Richterin Noller-Schröder. Es gehe nun darum, eine möglichst lange Frist zur Beendigung des Mietverhältnisses festzulegen. Das soll am 8. April verkündet werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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