Urteil: Körperverletzung und Nötigung

Kein versuchter Totschlag durch Ex-Ehemann

Verden/Achim - Von Wiebke Bruns. Es war kein versuchter Totschlag, sondern eine vorsätzliche Körperverletzung mit versuchter Nötigung. Das hat am Montagnachmittag die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Verden in dem Prozess gegen einen 45 Jahre alten Angeklagten aus Bremen entschieden.

Dem Mann war vorgeworfen worden, seine drei Jahre jüngere Frau bei einem Streit im April 2015 in Achim in Tötungsabsicht gewürgt zu haben. Verurteilt wurde der 45-Jährige zu 60 Tagessätzen á 25 Euro.

Bei den mittlerweile geschiedenen Eheleuten stand Aussage gegen Aussage. Die 42-Jährige, deren Angst vor dem Mann unübersehbar war, hatte daran festgehalten, dass ihr Ex-Mann sie habe töten wollen. Doch die Kammer konnte keinen Tötungsvorsatz und keine gefährliche Körperverletzung feststellen. Es sei in dem damals von der vierköpfigen Familie bewohnten Reihenhaus zu einem Gerangel zwischen den Eheleuten gekommen, als der eifersüchtige Ehemann an das Handy seiner Frau kommen wollte. Dabei will der 45-Jährige die Frau mit beiden Armen umfasst haben, weil er an ihre Hosentasche mit dem Handy gelangen wollte, so seine Darstellung. Die 42-Jährige sei dann nach unten weggeglitten und dabei seien seine Arme vom Rumpf zum Hals gerutscht.

„Sie hat nur schlecht über ihren Mann erzählt“

Am Montag wurde auch der zur Tat 16 Jahre alte Sohn als Zeuge gehört. Zwar sagte er aus, dass er seine „volle Kraft“ aufbringen musste, um den Vater von der Mutter wegzukriegen. Aber ein gezieltes Würgen seiner Mutter konnte er nicht bestätigen.

Das Gericht sah bei der Frau deutlichen Belastungseifer. „Sie hat nur schlecht über ihren Mann erzählt“, stellte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk fest. Einzig sein handwerkliches Geschick und die Zubereitung russischer Eier seien positiv gewesen. „Die Aussagen sind nicht geeignet, einen Tötungsvorsatz zu bejahen“, sagte er.

Die Frau hatte nach Eintreffen der von einer Nachbarin alarmierten Polizei nichts von einem Würgen berichtet. Anders als in der Anklage dargestellt, hatte der Angeklagte auch nicht erst von seiner Frau abgelassen, als die Beamten vor der Tür standen. Laut einer Nachbarin, bei der die kleine Tochter Hilfe holen wollte, stand die Geschädigte bei ihr vor der Tür, während sie die Polizei noch am Telefon hatte. Nach jeder Vernehmung der Geschädigten hat sich die Belastung gesteigert, so Stronczyk, und verglich es mit einer Schublade, in der nach jedem Öffnen mehr hineingepackt wird.

Geht es nach dem Angeklagten, bleibt die Schublade geschlossen. Er hat bereits Rechtsmittelverzicht erklärt. Der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft entschied sich noch nicht.. An einem Tötungsvorsatz hatte aber auch er am Ende nicht mehr festgehalten und mit 125 Tagessätzen eine „knackige Geldstrafe“ beantragt.

Die braucht es zur Überzeugung der Kammer nicht, denn der Angeklagte hat keine Vorstrafen.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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