Wegen Corona-Beschränkungen kein wirtschaftlicher Betrieb möglich / Schwierige Finanzlage

Kasch kippt Veranstaltungen bis Ende August

Die Achimer Vorzeigeinstitution an der Bergstraße bietet derzeit lediglich eine „Büro- und Verkaufszeit“ an. Fotos: mix
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Die Achimer Vorzeigeinstitution an der Bergstraße bietet derzeit lediglich eine „Büro- und Verkaufszeit“ an. 

Achim - Das Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) bleibt mindestens bis zum Ende der Sommerferien am 26. August für Veranstaltungen aller Art und damit auch für das Kommunale Kino geschlossen. Das haben die Geschäftsführung und der Trägerverein der Achimer Institution an der Bergstraße 2 in einer gemeinsamen Sitzung am Montag beschlossen. „Alle waren sich über diesen notwendigen Schritt völlig einig“, teilte Geschäftsführerin Silke Thomas auf Nachfrage mit.

Nach einer Verordnung des Landes Niedersachsen müssen Kulturhäuser wegen der Corona-Pandemie erstmal bis zum 25. Mai ihre Türen dicht halten. „Aber Abstandsregelungen und andere Beschränkungen des öffentlichen Lebens werden ja noch weit über dieses Datum hinaus gelten“, sagte Thomas. „Unter diesen Umständen ist kein wirtschaftlicher Betrieb im Kasch möglich.“

Wegen des vorgeschriebenen Mindestabstands von 1,50 Metern zwischen zwei fremden Personen müssten die meisten Sitze beim Kabarett, Kino, bei Konzerten oder Kinderkultur leer bleiben. „Im Blauen Saal hätten wir dann noch Platz für 44 Leute und im großen Saal vielleicht für 80“, erläutert die Kasch-Mitarbeiterin. Für manche Veranstaltungen, merkt sie an, seien vor Monaten jedoch schon 140 Karten verkauft worden. „Wen sollten wir dann reinlassen und wen nicht?“ Unter dem Strich, stellt Thomas fest, rechne es sich einfach nicht. Bei der beschränkten Platzzahl könnten die Gagen der Künstler nicht bezahlt werden.

Das Kasch bietet aber nicht nur Raum für Kultur in beachtlicher Bandbreite, sondern ist auch ein Treffpunkt für Gruppen und für Freizeitaktivitäten. Ab sofort ist dort immerhin wieder Musikunterricht für Einzelne erlaubt. „Dafür werden wir unter anderem das Klavier im Clubraum desinfizieren“, berichtet Thomas. Auch die Schwangerschaftskonfliktberatung des Landkreises könne nach Terminabsprache wieder im Hause erfolgen.

Stars, Talente und ihr Publikum bleiben zwar derzeit außen vor, dennoch wartet das Kasch dienstags bis samstags von 10 bis 13 Uhr mit einer „Büro- und Verkaufszeit“ auf. „Wer möchte, kann dann Karten zurückgeben oder für später kaufen oder auch Räume reservieren“, informiert Silke Thomas. Außerdem weist sie auf den Außer-Haus-Verkauf von in der Kasch-Küche gekochten „leckeren“ Suppen hin. Jederzeit sei das Kulturhaus natürlich per E-Mail erreichbar: info@kasch-achim.de.

Kasch-Geschäftsführerin Silke Thomas zeigt auf die Durchreiche, über die auch Suppen zu bekommen sind.

Wenn für die Zeit nach dem 25. Mai wieder Versammlungen und Freizeitaktivitäten in größerem Umfang im Kasch genehmigt werden sollten, werden Thomas und ihre Mitstreiter eine Besucherschleuse einrichten. „Abstandsregelungen und Kontaktbeschränkungen gilt es selbstverständlich einzuhalten.“

Das seit Mitte März geschlossene Kulturhaus Alter Schützenhof kann jeden Euro, der in die Kasse kommt, gut gebrauchen. Denn infolge der Seuche sind so gut wie alle Einnahmen weggebrochen. „Wir verdienen Geld durch Veranstaltungen, das Vermieten von Räumen und den Gastronomiebetrieb“, benennt Thomas die bedrohlich ins Kippeln geratenen drei Standbeine.

Die Finanzlage des Kasch sei „schwierig“. Der übliche jährliche Zuschuss der Stadt in Höhe von 220 000 Euro dürfte im Krisenjahr 2020 nicht ausreichen. Dieser Betrag decke etwa 60 Prozent der Betriebs- und Personalkosten. Die restlichen 40 Prozent erwirtschaftet das Kulturzentrum laut Thomas normalerweise selbst. Kurzarbeitergeld helfe zumindest ihr und den Kolleginnen und Kollegen über die Runden. „Im Gegensatz zu Künstlern geht es uns noch gut.“

Die Stadtverwaltung wisse von den finanziellen Problemen des Hauses, deshalb plane der Kämmerer für einen etwaigen Nachtragshaushalt 2020 zusätzliche Mittel für das Kasch ein. Darüber hinaus hat die Geschäftsführung 35 000 Euro aus dem vom Bund aufgelegten Sonderprogramm „Neustart“ beantragt. „Dabei muss man aber schnell sein, denn die Vergabe der Gelder erfolgt nach dem Windhundprinzip“, erläutert Thomas.

Eine private Initiative stimmt sie hoffnungsvoll. „Till Simon und andere Musiker wollen das Kasch unterstützen und Pfingsten ein Livestream-Konzert mit einem Aufruf zu Spenden veranstalten“, erzählt Silke Thomas begeistert.

Die Vorzeigeinstitution der Stadt kann also auf Unterstützung bauen – und steht dennoch vor einer ungewissen Zukunft. Dafür gibt das Coronavirus auch dem Kulturbetrieb zu viele Rätsel auf. „Wie es im September weitergeht“, sagt Geschäftsführerin Thomas, „ist noch offen“.

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