Informationsmobil des Bundestages

Wie kann man Krieg beenden?

Abgeordnete Christina Jantz-Herrmann (SPD) stellt unterstützt durch Dolmetscher Samir Huran den Bundestag vor.

Achim - Der Deutsche Bundestag ist noch bis einschließlich Mittwoch auf dem Achimer Bibliotheksplatz vertreten, allerdings nur in Form seines durchaus eindrucksvollen Infomobils. Schon gestern zum Start hatte das rollende Informationszentrum des deutschen Parlaments regen Zulauf von Bürgern und Schulklassen.

CDU-Kollege Andreas Mattfeldt spricht mit Bärbel Müller und Gebärdendolmetscherin Bianca Kaspers (re.). im Infomobil des Deutschen Bundestages.

Beispielsweise waren eine Sprachlernklasse der Liesel-Anspacher-Schule und eine Klasse des Cato-Gymnasiums gekommen, um in dem gut geheizten Mobil Informatinen aus erster Hand von der hiesigen SPD-Bundestagsabgeordneten Christina Jantz-Herrmann zu bekommen. Sie stellte den Schülern nicht nur den Plenarsaal für die 632 Abgeordneten mit Telefonen in der ersten Reihe, Sitzpult in den vorderen Reihen und nur Stühlen in den hinteren Reihen vor, sondern plauderte auch aus dem so genannten Nähkästchen. Für die zwei Berlin-Wochen im Monat hat sie beispielsweise einen recht festen Stundenplan fast wie in der Schule, in dem die Sitzungen der Ausschüsse und der Fraktion festgelegt sind. Öfter tagen ihre Ausschüsse für Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Tierschutz parallel, so dass sie von einem zum anderen Ausschuss pendeln muss. Über ihr Smartphone erhält sie dann Signale, schnell mal in den anderen Ausschuss zu kommen. Hier vollzieht sich die eigentliche Arbeit und nicht in dem meist recht leeren Plenum.

Die SPD-Fraktion, die wie auch die CDU/CSU dienstags tagt, ist weiter in Flügel oder Gruppen geteilt, in die „Linken, die Netzwerker und die Seeheimer“. Christina Jantz-Herrmann gehört zu den Netzwerkern, weil sie die Seeheimer zu starr konservativ findet und im Unterschied zum linken Flügel nicht nur über eine rot-rote-grüne Koalition nachdenkt, sondern undogmatisch auch über eine mit der FDP. Als eine Sprecherin der Netzwerker versucht sie dann regelmäßig, mit den Sprechern der anderen Flügel auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

An den zwei Wahlkreiswochen pro Monat fühlt sich die Abgeordnete manchmal „wie eine Vertreterin“, die von Termin zu Termin fährt, zuhört und wirbt, auch abends und an Wochenenden.

„Ist der Beruf denn mit einer Familie zu vereinbaren“, will ein Schüler wissen, und die Abgeordnete bestätigt, dass er nicht familienfreundlich ist und viele Ehen der Parlamentarier in die Brüche gehen. Sie als Mutter eines zehnmonatigen Kindes hat Glück, dass sie mit einem verständnisvollen Partner verheiratet ist, der jetzt auch Elternzeit nimmt.

Auch Christina Jantz-Herrmann kann nicht auf alles eine beriedigende Antwort geben. So fragten die jungen Flüchtlinge mit Dolmetscher und manchmal auch auf Deutsch zum Beispiel: Wie bekomme ich einen deutschen Pass? Wie kann ich meine Eltern hierher holen? Wie kann man den Krieg beenden?

Bereits vor der SPD-Abgeordneten war gestern Morgen der direkt gewählte Wahlkreisabgeordnete Andreas Mattfeldt (CDU) im Infomobil, um zu erfahren, wo Bürger der Schuh drückt. Der Strauß der Themen, der von Bürgern angesprochen wurde, reichte von der Frage, wo man einen Behindertenausweis beantragen kann, über Berufsgenossenschaften bis zu direkten Auswirkungen von Änderungen in der Gesetzgebung auf Betroffene.

Eine Sprachlernklasse der Liesel-Anspacher-Schule zu Besuch. Weitere Klassen können sich noch anmelden. - Fotos: Brodt

Besonders gut hingehört hat der Bundestagsabgeordnete, als es um das Anliegen von Bärbel Müller ging. Die hörbehinderte Frau war gemeinsam mit ihrer Gebärdendolmetscherin Bianca Kaspers zum Infomobil gekommen. Sie beklagte, dass Hörbehinderte nur sehr ungenügend Parlamentsdebatten im Fernsehen verfolgen könnten, weil diese nicht mit Gebärdendolmetschern übersetzt würden. Das sei in einigen südamerikanischen Ländern deutlich besser geregelt.

Darüber hinaus beklagte Bärbel Müller, wie schwierig es für sie im Alltag sei, einen solchen Dolmetscher finanziert zu bekommen. Den benötige sie nicht durchgehend, aber wenn es bei ihrer beruflichen Tätigkeit Neuerungen im Unternehmen gebe, sei sie auf diese besondere Hilfe angewiesen. Andreas Mattfeldt zeigte sich sehr betroffen und bot seine Unterstützung an.

Mattfeldt: „Gerade diese Informationen waren für mich besonders wichtig, weil ich über andere Behinderungen zwar gut informiert bin, die Thematik der Hörbehinderten für mich aber neu ist.“

Der Abgeordnete aus Langwedel hofft, dass auch der Besuch des Infomobils mehr Menschen veranlasst, sich für die parlamentarische Demokratie zu engagieren.

„Wir brauchen dringend gute Mitstreiter in den Gemeinde- und Stadträten, in den Parteien und Verbänden. Von hier kommen viele wichtige Informationen und Anregungen – auch für meine Arbeit im Bundestag in Berlin“, sagt er. Mattfeldt wird auch heute von 14 bis 16 Uhr im Infomobil anzutreffen sein.

Nicht nur Gesoräche mit Abgeordenten auch Broschüren, Filme, Internetdarstellungen, ein Quiz mit Gewinnchance zum Bundestag sowie Gespräche mit Mitarbeitern des Parlaments bietet dieser Informationswagen allen Bürgern bis Mittwochnachmittag in Achim. dann beendet er seine diesjährige Tournee in Bad Zwischenahn, um eine Winterpause einzulegen. 

mb

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