Junger CDU-Mann ohne Wohnsitz in Achim

Kandidatenliste wegen Unkorrektheit geändert

Claudia von Kiedrowski (vorne links) musste den Achimer Wahlausschuss zu einer Sondersitzung einberufen. - Foto: Brodt

Achim - „Es besteht ein begründeter Anlass, die Beschlüsse über die Zulassung der Wahlvorschläge aus der Sitzung vom 26.07.2016 abzuändern“. Mit dieser mysteriösen Formulierung hatte Achims stellvertretende Wahlleiterin Claudia von Kiedrowksi am Freitag den Achimer Wahlausschuss zu einer Sondersitzung am Montagmorgen eingeladen.

Und tatsächlich: Bei zwei Bewerbern gibt es Ungereimtheiten beim angegebenen Wohnsitz. Beim ersten Kandidaten, dem 20-jährigen Kevin Gießel aus Ruschbaden, ist die Sache relativ klar. Der junge Mann, der ein Freiwilliges soziales Jahr absolviert, ist schon vor Einreichung des CDU-Wahlvorschlags nach Blankenburg weggezogen und damit keinesfalls mehr ein Achimer. 

Christine Dürr und Katharina Dierk, Vertrauenspersonen von der CDU, versicherten, sie hätten von diesem Wohnortwechsel nichts gewusst. Es sei nun mal ein junger Mann. Einstimmig strich ihn der Wahlausschuss deshalb von Platz 7 der Wahlliste der CDU in Achim-Ost. Die nachfolgenden Kandidaten und Kandidatinnen rücken einen Platz vor.

Am Hauptwohnsitz ist auch bei Paula Kramann gezweifelt worden, und zwar in Form eines anonymen Schreibens an die Stadtverwaltung. Der Anonymus hat der Stadt mitgeteilt, die junge Sozialdemokratin und Mutter von Zwillingen lebe in Wirklichkeit in Bremen. Die Stadtverwaltung ging dem Hinweis nach und erfuhr von der 28-jährigen Paula Kramann, dass sie tatsächlich eine Nebenwohnung in Bremen habe. 

Ihr Hauptwohnsitz und ihr Lebensmittelpunkt liege allerdings nach wie vor in Achim, versicherte sie auch eidesstattlich. Allerdings hätte der Nebenwohnsitz in Bremen, wenn er gemeldet gewesen wäre, auch dem Achimer Einwohnermeldeamt bekannt sein müssen. Möglicherweise drohen da in Bremen noch Folgen. Aber darum geht es nicht bei der Stadtratswahl am 11. September.

Die Achimer Stadtverwaltung hat bis jetzt keinen Anlass, an der eidesstattlichen Versicherung zu zweifeln, und auch die SPD-Vertreter Petra Geißler und Gerd Lepczynski meinten, der eidesstattlichen Versicherung sollte man mehr vertrauen als dem anonymen Hinweis. Das tat dann auch der Wahlausschuss einstimmig, und so bleibt Paula Kramann auf Platz 3 der SPD-Liste in Achim-West.

Die Meldebehörde der Stadt wird allerdings möglicherweise weiter Nachforschungen zum Lebensmittelpunkt der Kandidatin anstellen. Käme das Rathaus bis zur Feststellung des Wahlergebnisses zu dem Schluss, dass der nicht in Achim liegt, würden die persönlichen Stimmen für die Sozialdemokratin, die bereits dem jetzigen Achimer Stadtrat angehört, der Partei zufallen. - mb

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