Damenabteilung der Achimer Schützen besteht seit 50 Jahren / Schwerer Start

Kampf um gleiche Rechte im Verein

25. Jubiläum 1995: Erika Mindermann, Gisela Braun, Helga Vahl und Gretel Sieber.
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25. Jubiläum 1995: Erika Mindermann, Gisela Braun, Helga Vahl und Gretel Sieber.

Achim – Eine Grillfahrt auf der Weser und das Mitmarschieren beim großen Schützenumzug in Hannover waren geplant. Doch die Corona-Pandemie durchkreuzte beides. Notgedrungen muss die Damenabteilung des Schützenvereins Achim die Feier ihres 50. Jubiläums verschieben. „Wir wollen die Vorhaben im kommenden Jahr in Angriff nehmen“, sagt Pressewartin Ute Delion.

Seit 46 Jahren gehört die Bremerin dem Achimer Verein an. Sie wagt hier einen Blick zurück – in eine Zeit, in der Frauen bei den traditionsbewussten Uniformträgern eher nicht mit offenen Armen empfangen wurden:

Auf der Generalversammlung 1970 stellte der Schützenbrüder Walter Sieber den Antrag, eine Damenabteilung zu gründen. Für die meisten Schützen war es ein Einbruch in ihre Domäne, denn immerhin stellte der Schützenverein mehr als 100 Jahre lang eine reine Männerwirtschaft dar. Dem Antrag wurde zögerlich stattgegeben.

Am 1. Juli 1970 war es so weit: Gisela Braun, Helga Vahl, die beide heute noch dabei sind, Renate Küttner, Erika Mindermann und Margarete Sieber hoben die Damenabteilung aus der Taufe. Als erste Uniformen trugen sie einen grünen Rock, eine grüne Weste, weiße Bluse und weiße Schuhe. Eine mitgeführte Handtasche hatte ebenfalls weiß zu sein.

Die ersten Jahre waren geprägt von Anstrengungen zur Gleichberechtigung innerhalb des Vereins. Statt einer „Königin“ gab es nur den Titel „Damenbeste“, den bei der Premiere 1971 Renate Küttner errang. Aber die Frauen kämpften. 76 schossen sie erstmals eine Damenkönigin aus. An den Sitzungen des Vereinsvorstands darf die weibliche Majestät erst seit 1987 teilnehmen.

Unter der Regie der ersten Damenleiterin „Gretel“ Sieber kamen das Sportliche und das Gesellige nicht zu kurz. Seit 1975 veranstaltet die Abteilung für die Senioren ab 60 Jahre und für die Witwen und Witwer der verstorbenen Mitglieder einen Kaffeenachmittag in der Adventszeit. Von 1976 an luden die Frauen ihre Männer zum „Er&Sie-Schießen“ ein.

Die Schützendamen feierten gemeinsam Geburtstage, organisierten Grillabende und unternahmen Radtouren, aber auch Tagesfahrten und Kurzurlaube. 1980 führte eine Drei-Tage-Reise nach Ürzig an die Mosel. „Das Wochenende bleibt unvergessen. Die Abende im Weinkeller des Hotels hat so manches Herz weich werden lassen“, erinnert sich Delion.

Von 1983 bis 1995 betrieben die Uniformträgerinnen einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt. „Wir hatten den besten und billigsten Glühwein.“ Vom Verkaufserlös schaffte die Abteilung einen Glücksautomaten an und finanzierte einen Großteil der neuen Königinkette.

Auch sportlich machten Achimer Schützinnen Furore. Mit Gewehr oder Pistole trafen sie bei Landestitelkämpfen und Deutschen Meisterschaften ins Schwarze, etwa Gretel Sieber, Sandra Gerken, Ute Delion und Käthe Semela. Aktuell ist Heike Wimmer-Bonin besonders erfolgreich. Als erste Achimerin, noch in der Juniorenklasse, fuhr Evelin Wehage sogar zur Europameisterschaft.

Die Abteilung wuchs. 1995 zählte sie schon 68 Mitglieder. Als Sieber den Führungsposten Mitte der 80er-Jahre abgab, übernahmen in der Folge unter anderem Edeltraut Hahn, Ute Delion, Christel Osmers, Ulrike Köter und Sandra Gerken das Amt.

2002 überredete der damalige Vorsitzende Heiner Evers den Schützen Hans-Joachim Busch, die Geschicke der Damen in die Hand zu nehmen. Er hatte schnell den Namen „Frau Busch“ weg. Die Nachfolge trat Gisela Braun an. Nach dreijähriger Vakanz an der Spitze der Abteilung wagte Christa Murken 2016 den Sprung ins kalte Führungswasser und ist seitdem mit viel Elan bei der Sache.

Die Damen treffen sich immer am zweiten Freitag im Monat um 18 Uhr im Schützenhaus, Am Freibad, zum Stammtisch. „Der Sport ist in den letzten Jahren etwas auf der Strecke geblieben“, räumt Ute Delion ein. „Das kommt aber auch daher, dass wir immer älter werden und der Nachwuchs fehlt.“

Erstbeste: Renate Küttner.
Damenleiterin Christa Murken, Schatzmeisterin Elke Delion.

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