Anwohner sieht Guerilla-Aktion

400 geschützte Bäume gefällt: Kahlschlag an Bahntrasse

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400 geschützte Bäume fallen zurzeit an der Bahnstrecke.

Achim - Von Sandra Bischoff. Von einem Kahlschlag nach Art einer Guerilla-Aktion spricht Tobias Tschierse, wenn er die Baumfällungen entlang der Bahnstrecke zwischen Achim und Verden beschreibt. „Da wird nicht gekleckert, sondern richtig geklotzt. Diese Vorgehensweise entspricht nicht den Zielen der Baumschutzsatzung“, sagt er.

Der Eindruck des Anwohners täuscht nicht. Etwa 400 geschützte Bäume, darunter vor allem Ahornbäume und Akazien, fallen der Rodung auf der Strecke zwischen dem Achimer Bahnhof und der Brücke hinter der Firma Desma zum Opfer, erläutert Daniel von Salzen, bei der Stadtverwaltung zuständig für den Bereich Bauen und Stadtentwicklung, auf Nachfrage. Hinzu kommt ihm zufolge ein ungeschützter Bestand, den er zahlenmäßig nicht benennen kann.

„Ich habe den Eindruck, dass die Baumschutzsatzung immer dann ausgehebelt wird, wenn es um große Mengen geht“, sagt Tschierse, der auch kritisiert, dass die Bürger über die Aktion im Vorfeld nicht informiert wurden. Zudem glaubt er nicht, dass es Nachpflanzungen geben wird, so wie es die Satzung vorschreibt. Auf die warte man nach der Rodung auf einem anderen Teilstück vor zwei Jahren heute noch. Weil er sich außerdem um eine Krähenkolonie sorgt, hat er die Untere Naturschutzbehörde, also den Landkreis eingeschaltet. „Die Vögel haben ihren ganz eigenen Schutzstatus.“

Die Bahn hat einen Antrag gestellt

Die Rodung ist laut Daniel von Salzen eine Aktion der Deutschen Bahn Netz AG, die Eigentümerin der Grundstücke entlang der Trasse ist. „Die Bahn hat einen Antrag gestellt, um die unter Schutz stehenden Bäume fällen zu dürfen“, erklärt er. Zudem habe sie ein Konzept für die Nachpflanzungen vorgelegt. Die Baumschutzsatzung sei mitnichten ausgehebelt, vielmehr verpflichte das Eisenbahngesetz zur Verkehrssicherheit der Strecke und habe damit eine höhere Priorität als der Schutz der Vegetation. „Die Satzung greift trotzdem, nämlich indem Ersatz geschaffen werden muss, und diesen Punkt setzen wir auch durch. Die Stadt verlangt Nachpflanzungen.“ Diese fordere sie ebenfalls noch für die Fällungen im Jahr 2016. Aufgrund von Personalwechsel bei der Bahn sei das Vorhaben auf der Strecke geblieben, so von Salzen.

Dass entlang der Trasse derzeit „nahezu Kahlschlag in der Böschung“ entstehe, sei mit der veralteten Grünanlage zu erklären, die über die Zeit nicht richtig oder gar nicht gepflegt worden sei, sagt der Mitarbeiter der Stadtverwaltung. „Teilweise stehen die Bäume schräg, und viele sind auch Wildausläufer, die über die Jahre stehen geblieben sind.“

„Vegetationsmanagement“ angepasst

Bei einer Baumschau habe er sich ein Bild von dem Vorhaben der Bahn gemacht. „Das gehört immer dazu“, erklärt von Salzen. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, gesunde Bäume zur Fällung freigegeben zu haben. „Es gibt immer wieder Bäume, die auf den ersten Blick intakt aussehen, gegen die aber zahlreiche Fakten sprechen.“ So sei es beispielsweise bei dem sogenannten Wildwuchs. Solche Gruppen am Hang seien oft sehr schlecht verwurzelt und dadurch nicht sonderlich standsicher.

Er sei überzeugt von dem Konzept der Nachpflanzung, das die Bahn vorgelegt habe. Es werte die Natur auf, sei nachhaltig und eine „vernünftige Kompensation im städtischen Bereich.“ Die Bahn wolle die Fläche anders als zuvor bepflanzen. „Es ist ja sinnvoll, einen Baumbestand zu wählen, der dauerhaft steht“, sagt von Salzen. So sieht der Plan vor, neben den Gleisen einen Grün- und Blühstreifen anzulegen, auf den Sträucher und Bäume folgen. Den Abschluss soll eine Hecke bilden.

Die Deutsche Bahn äußert sich zu der Rodung recht allgemein:  „Immer häufiger verursachten schwere Stürme millionenhohe Schäden an Gleisen und Anlagen sowie Zugausfälle oder Verspätungen“, erklärte eine Bahnsprecherin auf Anfrage. Aus diesem Grund habe das Unternehmen sein „Vegetationsmanagement“ angepasst und deutlich erweitert. Dass die Deutsche Bahn dabei durchaus rigoros vorgeht, ist nicht nur für die Anwohner deutlich zu sehen.

Welche Bäume zurückgeschnitten oder entfernt werden müssen, hätten Forstexperten vor Ort ermittelt und dokumentiert, so die Sprecherin. Maßnahmen müssten immer im Einklang mit geltenden Naturschutz- und Artenschutzgesetzen erfolgen sowie in Abstimmung mit den Behörden und weiteren Beteiligten. Die Inspektion der Vegetation an den Bahngleisen finde jährlich statt.

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