Kabarettist Jochen Malmsheimer im Kasch

Gastspiele „wegen Pannen und Andreas“

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Ruhige Ausstrahlung, skurriler Humor: Jochen Malmsheimer mit seinem Programm „Dogensuppe Herzogin – Ein Austopf mit Einlage“ im Kasch.

Achim - Als Meike Hager-Behr, Vorsitzende des Trägervereins des Kasch, am Freitagabend im voll besetzten großen Saal des Kulturhauses Alter Schützenhof (Kasch) den Kabarettisten Jochen Malmsheimer ankündigte, verband sie dies mit einer für einige überraschenden Mitteilung: Andreas Hein-Köcher, einer der Gründer der Theaterreihe „Statt ins Bett ins Kabarett“, hört nach langjähriger und erfolgreicher Arbeit auf.

Hein-Köcher, der freundschaftlich mit Malmsheimer verbunden ist, erzählte, wie der erfolgreiche Kabarettist vor Jahren das erste Mal durch eine Autopanne am Bremer Kreuz nach Achim gekommen sei und jetzt zum siebten Mal in dem Weserort gastiert. Für die Treue und Unterstützung bei 274 Veranstaltungen, sowohl beim Team als auch beim Publikum, sagte er Danke und überließ die Bühne Jochen Malmsheimer, der zunächst bestätigte, „wegen Pannen und Andreas“ öfters im Kasch gewesen zu sein.

Das Publikum dürfe ihn gerne „fotografieren oder als Ölbild malen“, nur der Einsatz von Blitzlicht würde ihn „zu sehr erhellen“. Auch eine Pause, eine „gastronomische Zwangsveranstaltung“, sei vorgesehen und man dürfe sich währenddessen auch im Außenbereich, der trotz der vielen Karussells nicht an Charme dazugewonnen hätte, aufhalten.

Long John Silver als Sitznachbar im Bus

Als er dann über eine von seiner Frau vorgeschlagene zwölfstündige Busreise nach Venedig berichtete, kam das Publikum mit dem Lachen kaum noch hinterher. Dabei beschrieb er das Äußere jedes Mitreisenden detailliert und wortreich, machte sich Gedanken über seine von Arthritis geplagten Knie und darüber, wie das, was zuvor geschlossen in den Bus hineingegangen war, mittels mitgeführter Sanitäranlage getrennt wieder hinausgehen sollte. Nach einem „Nickerchen“ sitzt statt seiner Frau plötzlich Long John Silver, der Pirat aus dem Roman „Die Schatzinsel“, neben ihm und auch aus den anderen Mitreisenden werden Figuren aus Kinderbüchern, Romanen und der Zeitgeschichte. Der anschließend von Jochen Malmsheimer beschriebene Dialog zwischen Long John Silver, einem venezianischen Dogen (wie man dort das Staatsoberhaupt bis ins 18. Jahrhundert nannte), Pipi Langstrumpf, Vasco da Gama, Odysseus, Luther, Michel aus Lönneberga und vielen anderen geriet ebenso grandios wie grotesk.

Klappmaul Werner Momsen, gespielt von Detlef Wutschik, verabschiedet Andreas Hein-Köcher (rechts), einen der Gründer der Reihe „Statt ins Bett ins Kabarett“.

Originelle Herleitung des Wortes „Lektüre“

Bildung ist für Malmsheimer offenbar ein zentrales Thema. So umschrieb er den heutigen Bildungsstand mit „Perpetuum Debile“, wobei das Gehirn doch ohne PIN zu benutzen sei. Lektüre sei eben „keine Tür, an der man lecken kann“. Am Ende forderte er sein Publikum auf, statt Fernsehen und Computer mal wieder ein Buch zu benutzen. Das würden die Helden aus Film und Literatur sicher auch gut finden.

Im Laufe des Abends überschüttete Malmsheimer die Zuhörer mit seiner Wort-, Satz- und Gedankenflut und verlangte seinen Gästen einiges ab. Seine Alltagsbeobachtungen sind exakt, die Darstellung äußerst präzise, sein Stil rasierklingenscharf. Bequem Zurücklehnen war nicht möglich, zumindest nicht, wenn man verstehen wollte, was der Kabarettist zu sagen hat.

Mit tosendem Applaus erbaten die Gäste eine Zugabe, in der Jochen Malmsheimer erneut Wortspielakrobatik demonstrierte.

Überraschend für alle betrat am Schluss Klappmaul Werner Momsen (Detlef Wutschik) die Bühne und hielt die Abschiedsrede für Andreas Hein-Köcher, die, nach Momsen-Art, gewohnt kodderig ausfiel. -

hem

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