Hans Hermann Hille kümmert sich um Gefangene

Rap mit jungen Straftätern

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Hans Hermann Hille arbeitet nicht nur mit Strafgefangenen, sondern betreut auch Flüchtlinge und Pflegebedürftige.

Achim - Hans Hermann Hille ist ein Mann des Wortes – und einer des theatralischen Spiels. Achimern ist er bekannt als Gründer und Regisseur des Kabarett-Ensembles „Die Schlitzohren“. In regelmäßigen Abständen nehmen die Kabarettisten örtliche und weltpolitische Geschehnisse aufs Korn und verhehlen dabei nicht ihren eigenen politischen Standpunkt.

Der unterscheidet sich zumeist grundlegend von dem politischer Wirrköpfe, die imstande sind, das Leben auf der Erde auszulöschen. Doch das Kabarett ist nur eine künstlerische Facette im ehrenamtlichen Engagement Hilles.

Seit vier Jahren ist der heute 77-Jährige, der in Ostpreußen geboren wurde und nach der Flucht 1944 mit der Familie zunächst eine Bleibe in Hildesheim fand, in der Justizvollzugsanstalt Bremen-Oslebshausen tätig. Dort eröffnet er Jugendlichen, die ihre Haftstrafe verbüßen, Wege, sich im Dialog mit Wort, Text und Mimik auszudrücken. Eine dieser Ausdrucksformen ist der Rap. Der kann fantasievoll sein und kreativ, aber zugleich verbal aggressiv. Das ist im besten Fall Kunst und in Ordnung. Körperliche Gewalt ist es nicht.

„Früher war ich Boxer“

In viel früheren Jahren hatte Hille schon vergleichbare Erfahrungen im Jugendstrafvollzug gesammelt. Es war in der Nähe von Göttingen. In der Universitätsstadt studierte er zu dieser Zeit die Fächer Deutsch, Geschichte und Theaterwissenschaften. Unter Berührungsängsten litt er schon damals nicht. Das ist so geblieben.

„Früher war ich Boxer. Und ich kann immer noch ganz gut mit Quertreibern umgehen“, sagt der Pädagoge, der 2005 in Pension ging und zuvor unter anderem am „experimentellen Gymnasium Bremen-Huckelriede“ unterrichtet hatte. An die bisweilen „brutale Kommunikationsform“ im Gefängnis will er sich bis heute nicht gewöhnen.

Die Arbeit mit jugendlichen Strafgefangenen, einmal wöchentlich anderthalb Stunden, findet Hille zwar „exotisch“, sieht aber vor allem den konkreten Nutzen. Hille ist mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit imstande, den Gefängnisalltag zu durchbrechen und Begabungen zu fördern. Für die einsitzenden Jugendlichen kann die Arbeit mit Hille überdies strafmindernd wirken und ihre Haftzeit verkürzen.

Das ist für einige Gefangene genügend Motivation. „Der begabteste Häftling, mit dem ich zusammengearbeitet habe“, sagt Hille, „hat ein Menschenleben auf dem Gewissen.“ Dafür muss er acht Jahre in den Knast. Bei Hille hatten vor allem seine Texte Kraft.

Hans Hermann Hille kam vor 20 Jahren nach Achim und lebt hier gerne. Den Ehrenpreis der Stadt hat er mit Freude entgegengenommen. „Es ist gut, dass meine Arbeit wahrgenommen wird.“ 

häg

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