Ausstellung zu Ess-Störungen in Achim

„Junge Menschen schauen in eigene Geschichten“

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Dank einer Spende vom Rotary-Club Achim, hier Präsident Henry Och und Pastpräsident Michael Schöttl (v.l.), und der Achimer Kinder- und Jugendärztin Dr. Petra Gölz (ganz rechts), konnten die Vertreter der Koordinierungsgruppe (Friederike Geißler, Frauenberatung Verden, Nina Spiedt, Fachstelle für Sucht und Suchtprävention Achim, Petra Ehlers, Praxis Dr. Gölz, Angelika Bittner-Lohmann, Jugendamt des Landkreises Verden, und Musiktherapeutin Stephanie Lahusen, v.l.) eine Schulung für Multiplikatoren anbieten, die im Februar Jugendliche durch die Ausstellung führen sollen.

Achim - Eine Mauer scheint ein äußeres Hindernis zu sein – etwas, das sich grundsätzlich mit Körperkraft überwinden lässt. Für David sieht das anders aus: In der Vorstellung des Jugendlichen besteht sein Kopf selbst aus Steinen.

Er lässt seine Gedanken nicht nach außen dringen, wo er wegen seiner Ess-Störung vielleicht Hilfe bekommen könnte. Stattdessen bleibt er gefangen in der Grübelei. „Kerkerkopf“ hat er sein Graffiti-Kunstwerk getauft. Der dreimal drei Meter große Aufsteller ist nur eines von vielen Exponaten, die auf der Schau „Der Klang meines Körpers“ bald in Achim zu sehen sein werden. Die Wanderausstellung gastiert ab 6. Februar zwei Wochen lang am Cato Bontjes van Beek-Gymnasium – und damit zum ersten Mal in Niedersachsen.

Seit rund einem Jahr besteht zum Thema Ess-Störungen eine Koordinierungsgruppe im Landkreis Verden. Die Gruppe schulte nun in einer Fortbildung Multiplikatoren, die später durch die Ausstellung führen sollen – und auch darüber hinaus Ansprechpartner für die Jugendlichen bleiben sollen. Das unterstützten der Rotary Club Achim sowie Kinder- und Jugendärztin Dr. Petra Gölz mit einer Spende von je 500 Euro.

Initiatorin und Projektleiterin ist die Düsseldorfer Musiktherapeutin Stephanie Lahusen. „Es ist immer noch ein sehr stilles Thema“, stellt Lahusen fest. „Dieser selbstzerstörerische Kampf, der aus dem Anspruch entsteht, leistungsstark und perfekt zu sein.“ Gerade bei dieser Suchterkrankung sei es schwierig, einen Zugang zu finden, das Schweigen zu durchbrechen. Lahusen: „Essstörungen stören nicht.“ So erkenne das Umfeld oft zu spät, wenn junge Leute von dieser schweren psychosomatischen Erkrankung betroffen sind.

Die Beiträge, die in der Ausstellung gezeigt werden, stammen ausschließlich von Betroffenen. „Dadurch gibt es die Möglichkeit, in diese Innenwelten zu schauen“, fährt Lahusen fort. „Wir haben versucht, über die Sinne zu gehen, um eine Verbindung zum Herzen zu schaffen. Junge Menschen schauen quasi in ihre eigenen Geschichten.“

Zuvor war die Schau mit großem Erfolg an einer Schule in Bamberg zu sehen. Nach demselben Konzept sollen Multiplikatoren nun auch Jugendlichen im Cato-Gymnasium in drei Stunden das Thema nahe bringen.

Auf der Themenliste der Wanderausstellung stehen verschiedene Formen der Ess-Störung, etwa Magersucht, Ess-Brechsucht und Binge-Eating-Störung (Ess-Sucht). Daran erkranken nicht nur junge Frauen, sondern zunehmend auch heranwachsende Männer. So tritt die Biggerexie ausschließlich bei Jungen auf. Sie äußert sich in krankhaftem Trainieren mit dem Ziel eines perfekten Körpers. „Die stellen sich aber nicht zur Schau, wie Bodybuilder, sondern bleiben in der Regel für sich“, erklärt Lahusen.

Dr. Petra Gölz, die den Kontakt zum Rotary Club herstellte, kennt Ess-Störungen aus ihrer Praxisarbeit: „Das ist für mich auch ein Stück weit entlastend, wenn hier Aufklärungsarbeit geleistet wird.“ Besonders fatal findet Gölz an der Krankheit, dass sie sich oftmals in einem Alter verfestige, in dem eigentlich Aufbruch und Zukunftspläne das Leben bestimmen sollten.

ldu

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