Start-Stiftung unterstützt „motivierte“ Achimerin 

Junge Kurdin erhält Schülerstipendium

Lilav Koro flüchtete aus Syrien.

Achim - Für Lilav Koro aus Achim war gestern ein großer Tag. Zusammen mit 18 weiteren „motivierten“ Jugendlichen aus Niedersachsen, die in den vergangenen Jahren zuwanderten, hat die 17-jährige Kurdin bei einer feierlichen Aufnahmezeremonie in Frankfurt am Main ein Schülerstipendium der Start-Stiftung überreicht bekommen.

Koro, die aus Syrien stammt, gehört laut Pressemitteilung deutschlandweit zu 275 jungen Menschen, die von der hierzulande „größten Bildungsinitiative für Jugendliche mit Migrationshintergrund“ unterstützt werden. Mit „Start“, in Niedersachsen ein Projekt der gemeinnützigen Hertie-Stiftung und neun weiteren Partnern, erhalten die 14- bis 21-Jährigen seit Beginn des Schuljahres „eine finanzielle und ideelle Förderung über zwei Jahre, die beim Erlangen eines Schulabschlusses helfen soll“.

Lilav Koro besucht die elfte Klasse des gymnasialen Zweigs der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Verden und hat den Schwerpunkt Technik gewählt. Nach dem Abitur wolle sie Ingenieurin oder Managerin werden, war von ihrer älteren Schwester Rokan auf Nachfrage zu erfahren. Die 20-Jährige, die sehr gut Deutsch spricht und an den BBS ein Fachabitur in Wirtschaft anstrebt, gab über den Weg von Lilav, die für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, und der übrigen muslimischen Familie gerne Auskunft.

Ihre Mutter Nora Isso sei im August 2012 mit ihren fünf Kindern aus der Heimat in Nordsyrien wegen des Krieges geflüchtet. „Unser Vater war bereits 2004 eines natürlichen Todes gestorben.“ Über die Türkei und Italien seien sie in Achim gelandet. „Wir haben zuerst an der Friedrichstraße gewohnt.“ Zusammen mit Lilav besuchte sie zunächst die Sprachlernklasse in der Hauptschule. Später wechselten beide auf die Realschule.

2014 zog die Familie, zu der auch Rokans und Lilavs Brüder Falamaz (23) und Masoud (12) sowie Schwester Simav (15) gehören, in eine Wohnung an der Meislahnstraße. Während der Älteste in einem Achimer Friseursalon jobbt, gehen die beiden Jüngeren auf die Realschule.

Alle haben recht schnell die für sie fremde Sprache gelernt. Die Töchter der alleinerziehenden Mutter engagierten sich dann auch bald selbst in der Flüchtlingshilfe. In den Sprachcafés im Magdeburger Viertel und in der von Zuwanderern belegten Uphuser Sporthalle machten sich Lilav und ihre Schwestern als Übersetzerinnen nützlich. „Dass, was wir von Deutschen an Hilfe bekommen haben, wollten wir gerne an andere Flüchtlinge zurückgeben“, sagt Rokan Koro.

Damit liegen die jungen Kurdinnen auf einer Linie mit dem Anliegen der Start-Stiftung. „Durch die aktuellen Zuwanderungen stellen sich neue gesellschaftliche Herausforderungen, vor allem bei der langfristigen Integration der Neuankömmlinge vor Ort...“, heißt es in der Pressemitteilung. Mit Beginn dieses Schuljahrs richte sich das Stipendienprogramm daher an junge Zuwanderer und Geflüchtete, „die seit maximal fünf Jahren in Deutschland und in finanziell schwierigen Verhältnissen leben“.

„Das Start-Stipendium wird Sie dabei unterstützen, eine erfolgreiche Schullaufbahn in ihrer neuen Heimat einzuschlagen“, erklärte die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt in der Feierstunde. Die geförderten jungen Menschen seien nun „Vorbilder für viele weitere Jugendliche, die nach Deutschland zuwandern, und daher auch Botschafterinnen und Botschafter für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen“. - mm

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