Johann Meier hält 1559 erste evangelische Predigt in Achim

Plattdeutsche Lieder zur Kirche

Pastor Maaß referierte in der Kapelle über historische Persönlichkeiten, die die Reformation in der Region prägten. Wichtige Schlüsselfigur: Der Mönch Heinrich von Züphten. - Foto: Duncan

achim - Martin Luther, Vater der Reformation und damit Begründer der protestantischen Kirche, war zwar nie persönlich in Achim. Jedoch gab es stets Geistliche, die Luthers Ideen vor Ort predigten und ihnen damit nach und nach zum Siegeszug verhalfen. In Achim war das Johann Meier. Am 22. März 1559, rund 42 Jahre nachdem Luther seine Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg schlug, hielt er die erste evangelische Predigt in der St. Laurentiuskirche. Ebendort referierte vor vielen Zuhörern Pastor Christoph Maaß anlässlich des Lutherjahres über die Reformation in Achim.

Meier kam 1547 als Zehnjähriger von Minden nach Verden, um Latein zu lernen und sich zu bilden. Den Scholar, wie man fahrende Schüler oder Studenten nannte, zog es zudem nach Hannover, wo er Dialektik, die Kunst der gewandten Gesprächsführung, studierte. 1558 hielt er seine Probepredigt in Achim. Laut Pastor Maaß kein zufälliges Datum: Im selben Jahr starb Erzbischof Christoph von Bremen, der bis dahin das Vordringen der Reformation in der Region erfolgreich verhindert hatte. Denn dem Landesherrrn, dem auch das Bistum Verden unterstellt war, oblag das Recht, die Pfarrstelle in Achim zu besetzen.

Eine prägende Figur der Reformation in Bremen war der Mönch Heinrich von Züphten. Um die Lektüre und Verbreitung von Luthers Schriften zu verbieten, erließ Karl V. 1521 das Wormser Edikt. Im Zuge dessen drohte auch von Züphten die Auslieferung nach Rom. Doch dessen Sympathien in der Bevölkerung waren groß, den „altgläubigen“ Geistlichen zum Trotz. Auf dem Reichstag zu Speyer 1526 wurde die Umsetzung des Edikts den Ständen so überlassen, wie sie es vor Gott und dem Kaiser verantworten könnten. Das verschaffte der Reformation Luft: Mehrere lutherische Landesherren gründeten daraufhin Landeskirchen.

In Bremen waren es „zwei niederländische Flüchtlinge“, die Luthers Lehre predigten: Jakob Probst und Johann Tiemann. Auch Johann Bornemacher war „Märtyrer in Luthers Sinne“: Weil er den Gottesdienst im Verdener Dom mit Zwischenrufen gestört hatte, landete er auf dem Scheiterhaufen. Heute erinnert ein Gedenkstein am Verdener Burgberg an ihn.

Eine Plastik von Martin Luther scheint auf die Marienkirche und den Fernsehturm in Berlin zu blicken. Im Jahr, in der die Reformation ihren 500. Geburtstag feiert, steht auch der Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg im Zeichen des Reformators. - Foto: dpa

Doch zurück zu Achim: Nach dem Tod von Erzbischof Christoph, dem entschiedenen Reformationsgegner, erhielt ein gewisser Johann von Ahlden die Pfarrstelle in Achim. Der überließ die Aufgabe, gegen Bezahlung, Johann Meier. Die genauen Umstände sind unklar. „Von Ahlden muss Sympathien für die evangelische Sache gehabt haben, vielleicht bestanden sogar verwandtschaftliche Beziehungen“, spekuliert Maaß und folgt so einer Hypothese des Verdener Superintendenten Walter Schäfer. Johann Meier übernahm damit eines der größten Kirchspiele zwischen Wümme und Weser. Es umfasste beispielsweise auch Bassen und Thedinghausen.

Kirche hatte Funktion einer dörflichen Bank

Ganz im Sinne der Abschaffung des Zölibats für Geistliche bekam der neue Pastor mit seiner Ehefrau Anna Martfeldt elf Kinder. Meier predigte auf deutsch, teilweise sogar mit plattdeutschen Liedern, und zelebrierte das Abendmahl mit Kelch für die Gemeinde. „In der Kirche spielte sich das gesellschaftliche Leben ab, dort wurden auch weltliche Nachrichten ausgetauscht“, so Maaß.

Überliefert ist ein plattdeutsches Lied zur Melodie des Weihnachtsliedes „Ihr lieben Christen, freut euch“. Zudem ist die Pfingstpredigt von 1592, in der Meier sich „der wahren Buße und Abkehr von der falschen Lehre“ widmet, erhalten. Auch die Gründe für den Ausschluss vom Abendmahl – etwa schlechter Kirchenbesuch, Diebstahl oder öffentlicher Ehebruch – lassen sich heute noch im Kirchenarchiv nachvollziehen. Viele Schriften wurden allerdings bei einem Brand im Jahr 1573 vernichtet.

1575 starb Meiers Frau und eine seiner Töchter übernahm die Haushaltsführung. Die Gemeinde zahlte Abgaben, sogenannte Stolgebühren, zum Beispiel für das Abendmahl zu Ostern oder Weihnachten. Der Pastor verfügte über Land, das er bewirtschaften ließ. „Und die Kirchengemeinde übernahm sogar die Funktion einer dörflichen Bank“, ergänzt Maaß. Spendeneinnahmen wurden an Landwirte verliehen. Für die Rückzahlung nahm die Kirche auch Zinsen. An größeren Ausgaben fielen in Meiers über 50-jähriger Amtszeit die Erneuerung der Kanzel (1583), der Kapelle (1584) und der Orgel (1596) an. Das ermöglichten Spenden der Clüver-Familie und anderer vermögender Achimer. Bildung als Anliegen der Reformation lässt sich hier ebenfalls erkennen: Das erste Schulgebäude Achims entstand auf dem St.-Laurentius-Kirchhof.

Nachfolger von Johann Meier wurde Bernhard Textorius, der für seine Dienste zehn Reichstaler und eine tägliche Mahlzeit erhielt. 1610 starb Johann Meier. Eine Steinsäule auf dem Kirchfriedhof mit den Namen der ersten Achimer Pastoren erinnert heute an ihn. - ldu

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