Landvolk-Vizepräsident im Haus Hünenburg

Jedes dritte Ei kommt aus Niedersachsen

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Als Vize-Präsident des niedersächsischen Landvolkes sprach Jörn Ehlers über die landwirtschaftliche Entwicklung in Verden und Niedersachsen.

Achim - Von Ingo  Schmidt. In allen Fragen der Landwirtschaft setzt Jörn Ehlers auf Konsens: „Wir legen Wert darauf, mit allen reden zu können“, sagte der Vizepräsident des niedersächsischen Landvolks und Vorsitzender des Kreisverbands Rotenburg-Verden sowie Verdener Kreislandwirt am Dienstag beim Clubabend im Haus Hünenburg. Der Gast sprach vor rund 40 Mitgliedern über die „Entwicklung der Landwirtschaft im Landkreis Verden und in Niedersachsen“. Die Grundlage seines Vortrages bildete ein Fachgutachten, das die Verdener Kreisverwaltung in Auftrag gegeben hatte.

Die Zahlen bis zum Jahre 2015 dokumentieren die Situation der Landwirtschaft im Landkreis (LK) und setzen sie in Relation zur Entwicklung auf Landes- und Bundesebene. Danach liege die Bruttowertschöpfung der landwirtschaftlichen Betriebe im Kreis im niedersächsischen Mittel. Seit 1979 habe die landwirtschaftliche Nutzfläche um rund 5 000 Hektar abgenommen. „Das liegt an Versiegelung und Ausgleichsmaßnahmen“, erklärt der Fachmann aus Kirchlinteln. Täglich gehe heute die Fläche eines durchschnittlichen Betriebes in Deutschland verloren. Im Gegenzug bewirtschaften immer weniger Betriebe mehr Fläche: 1979 nutzten 2 597 Höfe im Landkreis rund 20 Hektar, 2013 waren es nur noch 783 Betriebe mit fast 60 Hektar im Durchschnitt.

Die aktuelle Düngeverordnung stelle Betriebe vor Probleme, weil erstmals Rückstände aus Biogasanlagen in die Rechnung einbezogen wurden. Dagegen werde bereits vieles getan: Man habe ein sehr transparentes System mit Kontrollfunktion in den vergangenen Jahren aufgebaut. Eine Minderung der Nährstofflast wolle man mit Mineraldüngerverzicht erreichen. Außerdem wirke ein Ende des Biogas-Booms positiv. Eine weitere Verschärfung bedeute eine unnötige zusätzliche Belastung, so der Agrarfachmann.

Der Anteil am Ökolandbau in der Landwirtschaft liegt in Niedersachsen bundesweit hinten. „Bis 2030 soll der Anteil 20 Prozent erreichen“, benennt Ehlers Bio-Ziele. Zurzeit betreiben 4,5 Prozent der Betriebe Ökolandbau mit 1868 Hektar Fläche. „Eine langsame Steigerung finde ich vernünftig“, erklärte der Agraringenieur, „damit die Landwirte sich nicht den eigenen Markt kaputtmachen.“ Eine Steigerung liege in Verbraucherhand: „Landwirte wirtschaften nach der Ladentheke“, weiß Ehlers, „wenn der Preis stimmt, würden sich mehr Betriebe auf Bio-Anbau einlassen.“

Auch wenn Umfragen unter Landwirten vielfach eine schlechte Zukunftsperspektive bescheinigen, blickt Jörn Ehlers positiv nach vorn: Landwirtschaft in Niedersachsen sei nach der Automobilindustrie zweitgrößter Arbeitgeber. Jede fünfte Kuh, jedes dritte Schwein und Ei, jede zweite Kartoffel und Geflügel für den deutschen Verbraucher komme aus Niedersachsen.

Die Betriebe stünden meist auf einer finanziell gesicherten Basis. Sie seien in der Lage, sich schnell auf neue Bedingungen einzustellen. „Landwirte müssen heute flexibel agieren“, so der Agrarfunktionär, „sie müssen nach rechts und links schauen und Chancen wie Bio-Nische oder Direktvermarktung nutzen.“

Auf Nachfrage äußerte sich der Experte auch zu aktuellen Themen wie der Wolfproblematik: „Wir wollen den Wolf nicht wieder vollständig entfernen“, erklärt Agrarökonom, „aber wir möchten die Population eindämmen.“

Beim Thema Trassenbau „Südlink“ fordert Ehlers eine zeitgemäße Entschädigungspraxis mit einer wiederkehrenden Zahlung, und zur Debatte um Ferkelkastration wünsche er sich eine Lokalanästhesie wie in Schweden und Dänemark, die in Deutschland bisher nicht erlaubt ist.

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