Fachstelle startet wieder mit ihrem Gruppenangebot

Isolation durch Sucht – und Corona

Freut sich mit ihrem Team auf den Neustart der Gruppentreffen: Heike Gronewold, Leiterin der Fachstelle Sucht. Foto: Bischoff

Achim - Von Sandra Bischoff. Um satte 30 Prozent hat sich der Umsatz von Wein und klaren Spirituosen während der Corona-Krise erhöht, sagt Heike Gronewold, Leiterin der Fachstelle Sucht im Kirchenkreis Verden. Marktforscher hätten außerdem eine erhöhte Nutzung von Messengerdiensten wie Whatsapp sowie von PC-Spielen und Videos festgestellt. Der Konsum von Süßigkeiten sei seit Ausbruch der Pandemie auf ein zweistelliges Plus gewachsen, zitiert Gronewold die Statistik weiter. „Auf sich selbst zurückgeworfen zu sein in unsicheren Zeiten ist nicht leicht für Menschen. In solchen Situationen ist oft eine Erhöhung beziehungsweise Verstärkung des Konsums sichtbar“, weiß die Suchttherapeutin.

Vor allem Menschen mit einer Suchterkrankung hatten ihrer Meinung stark unter den Corona-bedingten Einschränkungen zu leiden. „Die Krankheit Sucht bedeutet, dass sich die Betroffenen isoliert haben, dass sie nicht mehr gut in Kontakt mit anderen Menschen waren. Corona hat das noch einmal verstärkt, weil das, wozu wir Therapeuten motivieren, nämlich rauszugehen und offen zu sein, die vergangenen Wochen schwierig war. Einige der Erkrankten sind sehr verunsichert in dieser Situation, in der die ganze Welt und Gesellschaft ebenfalls verunsichert ist. Sich da zurechtzufinden mit den eigenen Ängsten, ist schwierig.“

Dazu kämen noch andere Probleme, zum Beispiel, dass das enge Zusammenleben mit der Familie während der Ausgangsbeschränkungen zu Konflikten geführt habe, aber auch berufliche Zukunftsängste. „Arbeitslosigkeit ist ein sehr hoher Risikofaktor für Suchterkrankungen. Deshalb lag unser Tätigkeits- und Therapieschwerpunkt auch verstärkt darauf, den Patienten in dieser Zeit Sicherheit und Stabilität zu geben“, erklärt Gronewold. „Viele haben sich an uns gewendet, weil sie alleine nicht zurechtkamen.“

Denn die laut Gronewold im Suchtbereich gängige und wichtige Gruppenarbeit, ob mit Therapeut oder zur Selbsthilfe, war wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen viele Wochen nicht möglich. Ende März hatten Gronewold und ihr Team das Gruppenangebot eingestellt. Aber nun soll es wieder losgehen: Ab Mittwoch, 3. Juni, soll sich die Einrichtung an der Feldstraße 2 erneut mit Leben füllen.

„Alle sind froh darüber. Viele unserer Patienten haben den Austausch mit den anderen Betroffenen sehr vermisst“, sagt die Einrichtungsleiterin. Zwar hatten Gronewold und ihr Team regelmäßig telefonische Therapie- und Beratungsgespräche geführt, das sei aber nicht dasselbe. „Andere zu sehen und zu hören, sich Tipps von ebenfalls Betroffenen zu holen, das geht nur in einer Gruppe.“

Umso mehr freuen sich die Einrichtungsleiterin und ihre Kollegen nun darauf, dass sie wieder von Angesicht zu Angesicht mit den Betroffenen sprechen können. Dass das Gruppenangebot erst nach Pfingsten wieder startet, liegt Gronewold zufolge an den notwendigen Vorbereitungen. „Wir mussten ein Hygienekonzept entwickeln, Abstandsmarkierungen im Gruppenraum aufbringen sowie allgemeine Regeln aufstellen, die wir kommunizieren müssen, bevor es losgeht“, berichtet die Diplom-Sozialpädagogin. So dürften sich die Frauen und Männer im Anschluss an das Treffen nicht in Gruppen vor der Einrichtung aufhalten.

Gronewold weist außerdem daraufhin, dass die Sprechstunde donnerstags in der Einrichtung an der Feldstraße 2 in Achim zwar auch wieder stattfindet, dass dafür aber zwingend eine Anmeldung unter der Telefonnummer 04202 / 87 98 notwendig ist.

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