Interview über Sprache, Musik, Heimat und Vielfalt

Yared Dibaba: „Nich dran fummeln, wenn’t löppt“

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Von Hip-Hop über Soul bis hin zum klassischen Shanty: Yared Dibaba und die Schlickrutscher gastieren am Freitag, 2. Februar, in der Aula des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums.

Achim - Yared Dibaba, seit vielen Jahren in der Region bekannt als Moderator der Verdener „Sport & Schau“, zeigt in Achim nun seine musikalische Seite. Der Botschafter der plattdeutschen Sprache präsentiert am 2. Februar mit Yared Dibaba und die Schlickrutscher sein Album „Land in Sicht“ (2016). Los geht es um 20 Uhr in der Aula des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums. Vorab sprach Redakteurin Lisa Duncan mit dem Moderator, Schauspieler, Sänger und Autor über sprachliche und musikalische Wurzeln, Heimat und kulturelle Vielfalt.

Sie singen über St. Pauli, wohnen in Hamburg-Altona und sind in Falkenburg bei Ganderkesee aufgewachsen. Sehen Sie sich selbst eher als Stadtmensch oder Landei?

Yared Dibaba: Ich bin im Herzen ein Landei, dann aber doch, eher beruflich bedingt, in die Stadt gezogen. Ottensen bietet mir aber als Wohnort quasi Dorfcharakter in der Stadt. Man hat so seine Punkte, wo man hingeht, zum Beispiel den Fahrradladen oder den Bäcker nebenan. Mir ist es wichtig, dort, wo ich lebe, einen Bezug zu den Menschen zu haben. Ich bin kein Freund davon, meine Sachen im Internetversandhandel zu bestellen. Das ist mir zu unpersönlich.

„Für mich gibt es keinen schöneren Jahresanfang als den in Verden“, sagten Sie mal über Ihre Moderation bei „Sport & Schau“. Wie steht es um Ihre Beziehung zu Achim?

Y.D.: Ich habe insofern einen Bezug zu Achim, dass ich hier viele Leute kenne und Freundschaften geschlossen habe. Dagmar Janßen aus Achim zum Beispiel, die bis vor kurzem im Orga-Team der „Sport & Schau“ und somit meine Ansprechpartnerin war. Ein sehr guter Freund von mir ist auch „Mr. Piano“ Dennis Volk. Mit Dennis habe ich in Achim öfter für ein Konzert in Verden geprobt. Man kann also sagen: Achim war für mich wie ein Sprungbrett zu Verden (lacht).

Und was bekommt das Publikum am 2. Februar in Achim geboten?

Y.D.: Es wird ein buntes Programm geben, neben der Musik auch eine Menge zum Lachen. Wobei ich das Publikum mit einbinden werde, tatsächlich wird es ein wichtiger Bestandteil dieses Programms sein. Ich sehe mich ja selbst als Botschafter des Platt. Wer also noch keins kann, der soll in meiner Show auch den Mut finden, plattdeutsch zu sprechen. Da kann man sich an Kindern ein Beispiel nehmen, die haben weniger Scheu vor einer unbekannten Sprache. Kinder lernen die Wörter einfach, weil sie mit anderen Kindern spielen wollen.

Wo sehen sie selbst ihre musikalische Heimat – von mir aus auch im Plural?

Y.D.: Das geht schon in die richtige Richtung. Musik muss einen berühren – egal ob Schlager, Rap, Metal, Funk, Soul, Jazz oder Klassik. Unser Programm reicht von Bossa über Soul, Reggae, Hip-Hop bis hin zu klassischen Shantys. Folklore hat in vielen Kulturen ihren Platz und wird dort ganz selbstverständlich vor Publikum aufgeführt. Das muss nicht zwangsläufig altbacken oder angestaubt sein. Ich selbst bin ja in der äthiopischen Region Oromia geboren und da lebt man auch die Folklore in der Musik.

Derzeit liegt Musik, die folkloristische und moderne Elemente mischt, im Trend, zum Beispiel rappen De Fofftig Penns auf Platt oder Meute aus Hamburg machen Techno mit Blasinstrumenten. Wäre das mit Ihrer Herangehensweise vergleichbar?

Y.D.: Ja, absolut. Diese Elemente finden sich in vielen musikalischen Stilen wieder und ich finde, das widerspricht sich nicht.

Mit ihren Büchern, TV- und Showauftritten sind Sie ein Botschafter des Plattdeutschen. Warum ist Ihnen diese Sprache so wichtig?

Y.D.: Plattdeutsch gehört in den Norden wie das Watt und die Schiffe, deshalb darf es nicht aussterben. Ich finde, dass es gerade in Zeiten der Globalisierung wichtig ist, einen solchen Anker zu haben. Die Sprache hat hier ihren Ursprung und ihre Bedeutung und sagt etwas über die Region aus, in der die Menschen leben. Gerade in der heutigen Welt ist es wichtig, sich diese Wurzeln zu bewahren.

Andererseit positionieren sie sich öffentlich gegen Diskriminierung, unter anderem in der Hamburgischen Regenbogenstiftung. Wie wichtig ist dieses Engagement vor dem Hintergrund des politischen Rechtsrucks in Deutschland?

Y.D.: Ich finde, da besteht kein Widerspruch zwischen einer weltoffenen Einstellung und der Tatsache, dass man seine Heimat kennt. Ich kenne Menschen, die sich in Heimatvereinen engagieren und eine sehr offene Einstellung haben. Ich nehme es mit dem christlichen Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Die Frage, die sich jeder stellen muss: Nimmt man das an oder lehnt man es ab? Ich sehe Vielfalt als eine Bereicherung für unsere Gesellschaft und deshalb setze ich mich auch öffentlich dafür ein. Dabei geht es nicht nur um kulturelle Vielfalt, sondern auch um Menschen mit und ohne Behinderung, unterschiedliche Geschlechter oder sexuelle Orientierung.

Sie sind als Kind mit ihren Eltern von Äthiopien nach Deutschland gekommen. Haben Sie selbst hier Diskriminierung erlebt?

Y.D.: Natürlich gab es diese Situationen: auf der Schule, bei der Wohnungssuche oder auf der Straße. Das geht bei manchen so weit, dass sie, nur weil sie anders aussehen, bedroht oder tätlich angegriffen werden.

Um eine Frage zu „recyceln“, die Ihnen vor Jahren schonmal Markus Lanz in seiner Talkshow gestellt hat: Welches ist Ihr Lieblingswort auf Platt und warum?

Y.D.: (überlegt kurz) Vielleicht würde ich sagen „Nützt ja nix“, das ist eine schöne norddeutsche Einstellung, da „mutt wi dör“ (müssen wir durch), egal, ob es was Gutes oder Schlechtes ist. Noch besser finde ich aber den Satz „Nich dran fummeln wenn’t löppt“ – „nichts verschlimmbessern“ würde man auf Hochdeutsch wohl sagen. Dazu haben wir mit den Schlickrutschern übrigens auch einen Song gemacht, den wir in Achim bestimmt auch spielen werden.

Karten für das Konzert gibt es in allen Geschäftsstellen der Mediengruppe Kreiszeitung, zum Beispiel beim Achimer Kreisblatt, Obernstraße 54, oder im Internet.

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