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Interview: Gitarrist Sönke Meinen über Inspiration, Kultur in Coronazeiten und Otto Waalkes

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Von: Lisa Duncan

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Gitarrist Sönke Meinen tritt am Freitag, 1. April, im Kasch auf. Es gibt noch Karten für das Konzert.
Gitarrist Sönke Meinen tritt am Freitag, 1. April, im Kasch auf. Es gibt noch Karten für das Konzert. © Dovile Sermokas

Achim – Gitarrist Sönke Meinen verbindet „virtuosen Fingerstyle mit Einflüssen aus klassischer Konzertmusik, Jazz und Weltmusik“ – und nennt seinen Stil kurz: „Modern acoustic guitar“. Damit hat er sich sogar in der internationalen Gitarrenszene einen herausragenden Ruf erspielt – und Otto Waalkes nennt den gebürtigen Ostfriesen „das größte, musikalischste, Gitarre spielende Talent unter der friesischen Sonne“. Leicht verzögert – ursprünglicher Konzerttermin war der 25. Februar – stellt der 31-Jährige am Freitag, 1. April, um 20 Uhr sein neues Album „Spark“ im Blauen Saal des Kulturhauses Alter Schützenhof (Kasch) vor. Im Interview spricht er über den Zusammenhang von Erlebnissen und Inspiration, Tonaufnahmen in Zeiten der Pandemie und die Freude, wieder vor Publikum zu spielen. Die Fragen stellte Redakteurin Lisa Duncan.

Was verbindet Sie eigentlich mit dem Kasch?

Ich bin schon seit 2009 auf Tournee, und wenn kein Corona ist, ist das ja mein Hauptberuf. Und die Tourneen haben mich schon zweimal ins Kasch geführt. Ich habe dort einmal mit Jule Malischke, einer damaligen Kommilitonin, jetzt Kollegin, auch Gitarristin, gespielt. Und einmal – das war noch vor dem Studium – mit meinen ehemaligen Professoren Thomas Fellow und Stephan Bormann. Ich habe also in verschiedenen Konstellationen im Kasch gespielt. Ich mag die Bühne im Blauen Saal sehr, das ist eine wunderbare Atmosphäre. Das habe ich in sehr guter Erinnerung gehabt, sodass ich für meine Release-Tour gleich wieder das Kasch angefragt habe. Ich freue mich, dass es jetzt klappt. Auch wenn wir es kurz verschieben mussten, weil die Inzidenzen Anfang des Jahres auch schon sehr hoch waren. Aber nun findet’s am 1. April statt. Es ist schön, mal wieder da zu sein.

Und wie ist es mit Achim? Kennen Sie die Stadt ein bisschen?

Wenig. Ich war bisher hauptsächlich zu Konzerten da. Und ich hab mir vor Urzeiten mal die Windmühle angeguckt, als ich da vorbeigekommen bin. Von daher kenne ich Achim (noch) nicht so gut. Aber am Samstag nach dem Konzert habe ich vielleicht noch ein bisschen Zeit, mich umzuschauen.

Sie gelten als hervorragender Gitarrist – allein die Liste Ihrer Auszeichnungen ist beeindruckend. Zusätzlich haben Sie 2011 das Internationale Freepsumer Gitarrenfestival begründet. Genügt Ihnen Ihre eigene Musik nicht?

(Lacht) Letztendlich war die Idee hinter dem Festival Folgende: Es gibt sehr viele Gitarrenfestivals in Deutschland, in vielen Locations und Städten. Da habe ich vor 2011 schon öfter gespielt und sehr viele coole Gitarristen kennengelernt. Und die Gitarrenszene ist sowieso wie eine kleine Familie. Man kennt sich, man spielt oft mit den gleichen Leuten. Und das macht es irgendwie auch aus, dass es so familiär ist. Ich fand das dann ganz schön in Zusammenarbeit mit dem lokalen Veranstalter in Freepsum, das ist 20 Kilometer von meinem Heimatdorf entfernt: Aufgewachsen bin ich in Ihlow, geboren in Aurich. Es war eine spontane Idee, da so etwas auch auf die Beine zu stellen. Das ist dann so gut gelaufen, dass es eine jährliche Veranstaltung wurde. Wir mussten es jetzt zweimal verschieben, aber dieses Jahr findet es zum 10. Mal statt. Es kommen sehr viele internationale Gäste. Ich mache mit Philipp Wiechert die künstlerische Leitung, einem Jazzgitarristen aus Leipzig, mit dem ich auch schon viel zusammengearbeitet habe. Das ist für uns erstens wie ein Kindergeburtstag und zweitens erfüllen wir uns selber auch Wünsche, wen wir mal live sehen möchten oder mit dem wir gerne zusammenarbeiten möchten. Und da haben wir mit dem eigenen Festival eine tolle Plattform. Ich war vor ein paar Jahren in Australien auf Tour und wurde selbst dort auf Freepsum angesprochen. In der Gitarrenszene hat sich das gut gemausert.

Wie haben Sie als Musiker die kontaktarme Zeit erlebt? Susanne Groll vom Kasch hat erzählt, dass Sie in dieser Zeit Ihr neues Album „Spark“ aufgenommen haben.

Ja, das ist Ende Januar rausgekommen. Das Konzert in Achim ist Teil der Release-Tour dazu. Ich habe die meisten Stücke zwar vor der Pandemie angefangen zu schreiben, aber es in der Pandemie mit viel Zeit fertiggestellt. In Achim wird das erste Konzert sein. Und da werde ich die Schallplatte auch dabeihaben. Das ist ganz schön, mit neuem Album wieder durchzustarten, was lange Zeit nicht möglich war.

Bands konnten sich wegen Corona zum Proben nicht treffen. War es als Solokünstler einfacher?

Ich habe ein paar Gäste dabei, aber es ist hauptsächlich eine Solo-CD. Es ist wirklich Gitarre pur und es sind Eigenkompositionen. Das lässt sich stilistisch schwer einordnen. Es ist bewusst sehr bunt gehalten. Weil, wenn man nur eine Gitarre hat, soll es irgendwie trotzdem spannend bleiben über den Zeitraum eines Konzerts. Es bewegt sich durch alle Musikrichtungen, ist aber gleichzeitig puristische, akustische Gitarre. Für mich ist es ein Antrieb, zu erforschen, was man mit einer Gitarre alles machen kann. Es ist ein Instrument, was die wenigsten Grenzen bietet, obwohl es ein jahrhundertealtes Instrument ist, lässt es sich immer wieder neu erfinden. Das ist das Spannende, was mich auch beim Komponieren reizt. Und das hört man auf dem Album und auch im Live-Programm.

Merkt man der Musik die äußeren Umstände an? Sind die Stücke, anders als zuvor, melancholischer oder optimistischer?

Das würde ich nicht sagen. Letztendlich war die Inspiration für die meisten Stücke vor der Corona-Zeit. Weil es da einfach keine Inspiration gab, denn dafür muss man etwas erleben. Die Corona-Zeit war dafür da, die Stücke fertigzuschreiben. Dadurch, dass die Inspiration davor lag, hört man es dem Album stilistisch nicht an. Im Vergleich zu den Alben davor ist es vielleicht sogar noch vielseitiger und bunter. Ich würde auf jeden Fall sagen, dass es mehr ich bin. Weil es jetzt auch nur eigene Stücke sind. Das ist auch ein Unterschied zu dem Album davor, wo es auch Bearbeitungen und Cover gab. Der große Unterschied ist die Detailverliebtheit, die sich in dem Album widerspiegelt. Es ist alles sehr festgelegt und sehr durchkomponiert. Diese Liebe zum Detail habe ich jetzt gut nutzen können.

Sie haben angesprochen, dass man in der Coronazeit nicht so viele Erlebnisse hatte. Was macht ein Bühnenmusiker ohne Publikum?

Am Anfang war’s fast ein bisschen schön, sich auf die Kunst zu besinnen und im stillen Kämmerlein dran zu arbeiten. Aber es ist natürlich ein Investieren, auch finanzieller Art. Man investiert Zeit und Arbeit, Mühe und Liebe und alles Mögliche. Sodass irgendwann der Moment kommen muss, dass man merkt, warum man das macht. Es muss dann irgendwann was zurückkommen. Und das ist jetzt wirklich an der Zeit, dass das passiert. Ich hab jetzt die ersten Konzerte wieder gespielt nach sehr langer Pause. Und man hat schon das Gefühl, man ist wieder am Leben. Man merkt jetzt, wo es Livemusik wieder gibt, auch aus Publikumssicht, was gefehlt hat. Das ist nicht zu ersetzen durch irgendwelche Livestreams, die es gab. Und aus Künstlersicht ist es wichtig, dass von außen wieder was zurückkommt, was man vorher an Energie in diese Projekte investiert hat. Und das ist jetzt glücklicherweise der Fall.

In Ihrer Presseinfo gibt es eine Zitat-Auswahl, darunter Stimmen von Otto Waalkes und Steve Lukather, Gitarrist von Toto. Saßen die beiden mal bei Ihnen im Publikum oder wie kam das zustande?

Dadurch, dass Otto und ich beide ostfriesische Gitarristen sind – im weitesten Sinne bei Otto, er spielt halt wahnsinnig gern Gitarre und ist auch sehr interessiert – dadurch kennen wir uns schon eine ganze Weile. Wobei wir uns lange nicht gesehen haben, was sicherlich ein bisschen an Corona liegt. Aber er war sowohl bei mir mehrfach im Publikum als auch ich bei ihm. Und dann haben wir uns auch öfter mal getroffen.
Der Gitarrist von Toto ist ne andere Geschichte. Das war schlicht und einfach eine Nachricht, die ich auf Facebook bekam. Obwohl ich sehr lange prüfen musste, dass das jetzt kein Fake-Profil ist. Der hat schlichtweg ein Video von mir gefunden und einen Kommentar dagelassen. Das war eine schöne Überraschung.

Schöne Geschichte! Was kann das Publikum im Kasch beim Live-Konzert am Freitag erwarten?

Im Kasch wird es ein reines Solokonzert. Das heißt, ich sitze nur mit einer Gitarre auf der Bühne, aber es wird musikalisch ein sehr vielfältiger Abend werden. Ich werde quer durch die Bank zeigen, was die Gitarre für Möglichkeiten hat. Es wird nicht nur für Gitarristen ein spannender Abend. Ich werde einige Geschichten erzählen, es wird also kein klassisches Gitarrenkonzert. Das ist auch eine gegenseitige Geschichte. Ich werde nicht mein Programm runterspulen, sondern ich freue mich einfach, Musik zu teilen mit den Leuten in Achim.

Tickets

19 Euro, ermäßigt 14 Euro

www.kasch-achim.de

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