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Interview: DLRG-Vorsitzender Malte Arndt über Schwimmkurse, Ausbildungsstau und Jugendarbeit

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Von: Lisa Duncan

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Malte Arndt ist seit knapp einem Jahr Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Achim.
Malte Arndt ist seit knapp einem Jahr Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Achim. © Duncan

Achim – Nach Corona sind die Schwimmkurse in den Achimer Bädern überlaufen. Das gilt vor allem für die Anfängerkurse. Der Ausbildungsstau, der durch die Pandemie und den damit verbundenen Lockdown entstanden ist, betrifft auch die Ortsgruppe Achim der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) mit aktuell 162 Mitgliedern. Denn die Schwimmfähigkeit in der Bevölkerung ist ihr Kapital. Über Schwimmkurse, Nachwuchsarbeit und Zukunftsplanung sprach das Achimer Kreisblatt mit Malte Arndt, der seit knapp einem Jahr Vorsitzender der DLRG Achim und seit 2010 Schultrainer für den Schwimmunterricht ist. Die Fragen stellte Redakteurin Lisa Duncan.

Die Schwimmkurse sind im Moment überlaufen. Wie viele sind da aktuell auf der Warteliste?

So um die 380 sind das im Moment. Bei der Jahreshauptversammlung war der Stand noch 311, aber mittlerweile sind doch noch einige dazugekommen.

Womit hängt das zusammen?

Ich denke, die Anfragen kommen stetig mittlerweile. Im Lockdown hatten wir zum Teil gar keine Anfragen. Aber ansonsten haben wir regelmäßig Anfragen für Schwimmkursplätze. Und die laufen halt jetzt weiter. Dann gab’s ja auch die Meldung in der Zeitung, dass wir Kurse anbieten und eine Warteliste haben. Das sorgte bei den Eltern für Aufmerksamkeit. Dann ist Frühling, die Sommersaison steht bevor, sodass ein paar Eltern denken: Mein Kind sollte langsam mal schwimmen lernen. Und wenn Kinder auf die weiterführenden Schulen kommen, wollen die Eltern einen Schwimmplatz für ihr Kind haben.

Wie viele Kurse können Sie jetzt anbieten?

Aktuell bieten wir drei an. Dazu muss man sagen, dass zwei in Kooperation mit dem Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium sind, sodass der eine nur Donnerstagmittag stattfinden kann – zu den Schulschwimmzeiten.

Wie viele Kinder sind in den Kursen?

Wir haben unsere Kurse auf zehn Kinder begrenzt, damit wir mit denen gut arbeiten können. Gerade im Anfängerbereich sind die Unterschiede doch sehr gravierend manchmal: Einige können relativ gut schwimmen und andere trauen sich noch nicht so richtig ins Wasser. Durch die Begrenzung haben wir einen besseren Ausbilder-Kinder-Schlüssel. Wir können zwei zu eins betreuen, manchmal sogar mehr, sodass wir drei bis vier Betreuer haben. Außer es ist ein reiner Fortgeschrittenenkurs. Die Kinder kennen wir schon, die haben Seepferdchen und wollen jetzt einfach nur ihren Freischwimmer machen.

Wie ist das bei den höherwertigen Schwimmscheinen, etwa Rettungsschwimmer?

Wenn wir Rettimgsschwimmkurse anbieten, kann jeder teilnehmen. Es war auch wieder für Anfang des Jahres einer geplant. Jetzt hat sich das alles etwas verzögert, also weiß ich nicht, wann wir wieder einen anbieten können. Sollte aber eigentlich zeitnah starten. Das Schwierige ist, dass wir ein Wochenende dafür brauchen – allein für den Theorieunterricht. Und die Wochenenden sind bei uns allen doch recht voll. Und dafür Freiwillige zu finden, ist recht schwierig.

Ist das nur ein zeitlicher Faktor oder spielt da noch was anderes mit rein?

Tendenziell ist das vor allem ein zeitlicher Faktor. Wir haben in dem Fall auch gut Übungsleiter, die das betreuen können, zumindest den Theorieunterricht. Der praktische Teil ist dann auch wieder ein bisschen schwierig. Wann gehen wir in die Praxis rein? Das liegt oft montags zeitlich zusammen mit dem normalen Schwimmtraining. Und dann muss halt einer, der sonst schwimmt, am Beckenrand stehen als Rettungsschwimmlehrer und die anderen schwimmen lassen. Da fehlen uns tendenziell auch ein paar Leute.

Wie hat sich die Pandemie auf Ihre Nachwuchsarbeit ausgewirkt?

Tendenziell haben nicht nur wir, sondern alle ehrenamtlichen Vereine, das Problem, dass sich in den letzten Jahren immer weniger bereiterklärt haben, sich zu engagieren und dafür Freizeit zu investieren. Sodass es nicht erst jetzt das Problem gibt, dass keine Neuen mehr dazu kommen. Wirklich viele, die über 18 sind, hier wohnen und sagen „komm, ich engagiere mich“ haben wir sowieso eher weniger. Die meisten haben halt Kinder und sagen: Wir möchten, dass sie ihr „Silber“- oder „Gold“-Abzeichen machen. Problematisch war eher, dass die fortführenden Ausbildungen, die nicht bei uns in der Ortsgruppe stattfinden – zum Beispiel Ausbildungsassisenten-Lehrschein – auch alle nicht stattfanden. Das heißt, wir haben jetzt viele Jugendliche, die in das Alter kommen, zu denen wir gesagt haben: Ihr könnt euch weiterqualifizieren. Und da fehlte einfach die Ausbildung in den letzten Jahren, sodass wir da jetzt ein bisschen Stau haben. Wir hoffen, dass das in diesem Jahr wieder starten kann und die Kurse auf Bezirksebene wieder angeboten werden. Aber wir sind nicht die einzige Ortsgruppe mit Ausbildungsstau.

Badeunfälle - weniger Ertrunkene bundesweit im Jahr 2021

In Deutschland sind im vergangenen Jahr so wenige Menschen bei Badeunfällen ertrunken wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Mindestens 299 Menschen ertranken – rund 20 Prozent weniger als 2020, teilt die DLRG mit. Anders als erwartet, sei demnach die Zahl der Ertrunkenen im dritten Jahr in Folge gesunken. Sorge bereitet der DLRG aber, dass immer wieder Kinder und junge Menschen betroffen seien: 17 Kinder im Alter bis zehn Jahre ertranken 2021, sechs weniger als 2020. Unter den 11- bis 20-Jährigen gab es einen Anstieg von 26 auf 30 Todesfälle. Die DLRG fordert mehr Schwimmbäder und mehr ausgebildetes Personal an den Schulen. Denn bundesweit könnten nur 40 Prozent der Zehnjährigen sicher schwimmen. Quelle: dpa

Eine Idee ist ja, dass die DLRG-Ortsgruppe jetzt Bundesfreiwilligendienstler annimmt für die Jugendarbeit und die Schwimmkurse.

Genau. In der Schwimmausbildung sollte sie oder er mit aktiv sein. Bei der Kooperation mit der Schule ist es für Berufstätige ein bisschen schwierig, sich donnerstagmittags in die Schwimmhalle zu stellen. Da ist es einfacher, wenn da jemand ist, der Vollzeit für die DLRG arbeitet und diese Kurse mit betreuen kann. Es kommt auch auf den Bewerber an, ob die sagen: Ich interessiere mich für die Schwimmausbildung. Dann können sie darin mit unterstützen. Wenn eine Bewerberin sagt, schwimmen muss nicht sein, ich bin aber in der Jugendarbeit gerne dabei, dann wäre sie natürlich eher dort aktiv. Da geht es vor allem um Organisationsarbeit: Ausschreibungen schreiben, Veranstaltungen mit betreuen, einkaufen gehen, wenn wir Familienübernachtung haben. Das würde uns Arbeit abnehmen, sodass wir die freie Zeit in andere Dinge investieren könnten.

Beobachten Sie bei den Kindern in den Schwimmkursen Probleme durch die Pandemie?

Da Kinder sowieso ziemlich individuell sind – es gibt aktivere und weniger aktive Kinder – konnte ich keinen Zusammenhang zwischen Pandemie und der Aktivität oder Lernbereitschaft der Kinder feststellen. Es ist natürlich immer die Frage, was ist mit der normalen Entwicklung der Gesellschaft? Was wir auch schon davor festgestellt haben, ist, dass die Kinder weniger privat schwimmen gehen mit den Eltern. Meine Mutter war früher regelmäßig mit mir schwimmen und so habe ich dann auch viel im Privaten gelernt. Wenn die Kinder teilweise gar nicht im privaten Bereich schwimmen gehen, ist da die Frage: Hat sich das über die Pandemie verstärkt. weil die Schwimmbäder teilweise geschlossen hatten oder nur begrenzte Besucherzahlen zugelassen haben? Oder ist es eine normale gesellschaftliche Entwicklung, weil der Fokus woanders liegt?

Welche Auswirkungen hätte es auf die Schwimmfähigkeit in der Bevölkerung, wenn die Bäder weiterhin schließen müssten?

Zum einen wäre da die Unsicherheit bei den Schwimmerinnen und Schwimmern, die gerade anfangen, dass sie kein Abzeichen erlangen oder nicht schwimmen lernen können. Dementsprechend würden sie potenzielle Badeunfälle darstellen. Genauso aber auch bei denen, die regelmäßig Schwimmtraining bei uns machen. Weil wir ja auch viel um das Schwimmen herum vermitteln: Gefahren am Wasser, wie verhält man sich bei einem Bade- oder Eisunfall? Also, die klassischen Theorie-Inhalte. die würden dann auch wegfallen. Das heißt, die Kinder, die wir bei uns im Verein schon haben und die eigentlich gut schwimmen können, kriegen diese Theorie nicht mit. Und wenn sie dann im Sommer baden gehen, vergessen sie vielleicht, dass auch im Wasser Steine liegen können, wenn es ein öffentliches Gewässer ist. Oder sie überschätzen ihre Kräfte und schwimmen in den See hinaus. Was dann entweder fehlendes Wissen ist oder fehlendes Training. Wenn die Kinder schwimmen können, heißt es ja nicht, dass sie sehr gut und lange schwimmen können. Dann ist die Frage: Schaffen sie es zurück an den Beckenrand oder ans Ufer oder nicht? Da wäre auch eine Verschärfung der Unfälle sicherlich zu verzeichnen gewesen. Um den Bereich Schwimmen mal an die Seite zu rücken: Wir haben auch eine starke Jugend, der Zusammenhalt ist bei uns in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Die Kinder kommen nicht nur fürs Schwimmen, sondern auch, um Freunde zu treffen. Auch bei unseren Veranstaltungen sind teilweise 30 oder mehr Kinder, die dann regelmäßig kommen, weil ihnen das Spaß macht. Und das würde dann auch wegfallen.

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