Ratsausschuss informiert sich über Achimer Kläranlage

In den Innereien der Umweltfabrik

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Blick vom hohen Faulturm auf die an der Weser bei Clüverswerder gelegene Achimer Kläranlage.

Achim - Von Manfred Brodt. Es gibt sicher schönere Arbeitsplätze, aber nicht unbedingt wichtigere. Der Achimer Ratsausschuss für Abwasserbeseitigung ließ sich jetzt von Betriebsleiter Uwe Schmoecker durch die Innereien der Achimer Kläranlage in Clüverswerder führen, die schon eine imposante Umweltfabrik ist.

In drei mechanischen, biologischen und chemischen Reinigungsstufen werden hier bis zu 1,85 Millionen Kubikmeter recht unappetitlicher Brühe im Jahr gereinigt und entsorgt, die von privaten Haushalten, öffentlichen Einrichtungen und Firmen in Achim, Etelsen und Cluvenhagen über die Abwasserkanäle angeschwemmt werden.

In der mechanischen Reinigungsstufe werden sperrige, überhaupt nicht in den Abfluss gehörende Gegenstände bis zum Schlüsselbund und Ehering, Speisereste, Hygieneartikel, Plastik und anderes mit der Rechenanlage aufgehalten, entfernt und gereinigt. Im belüfteten Sandfang werden anorganische und mineralische Stoffe sedimentiert, entnommen, abgesaugt und der Aufbereitungsanlage zugeführt. „Das Material wird zum Beispiel für den Straßenbau genutzt“, berichtet der Betriebsleiter.

Blick vom hohen Faulturm auf die an der Weser bei Clüverswerder gelegene Achimer Kläranlage.

Durch die Belüftung schwimmen die Schwebestoffe wie Fette und Öle an der Oberfläche und werden direkt in den Faulturm geschickt.

Mikroorganismen, Bakterien und Kleinstlebewesen verbrauchen den in der biologischen Reinigungsstufe zugeführten Sauerstoff, lassen getrennt vom Wasser wertvollen Schlamm entstehen, der weiter die biologischen Prozesse anfeuert beziehungsweise in den Faulturm geht. Mit Sauerstoffzufuhr wird auch der Stickstoff eliminiert. „Das verursacht die höchsten Energiekosten“, sagt Schmoecker.

Chemie spült Phosphor aus dem Abwasser

In der chemischen Reinigungsstufe wird Phosphor aus dem Abwasser gefällt. Bei Stickstoff und Phosphor handelt es sich um Nährstoffe, die für die Landwirtschaft einen hohen Nutzen haben. Diese Stoffe würden sonst zur Überdüngung und Algenpest von Flüssen und Seen beitragen, sie umkippen und Fische sterben lassen. Stattdessen fließt nun recht klares Wasser in die nahe Weser.

Es bleibt der behandelte Schlamm im Faulturm. 30.000 Kubikmeter im Jahr sind das, die bei 37 Grad, also Körpertemperatur, ganzjährig gehalten, mit Sauerstoff belebt und zu Faulschlamm und Faulgas entwickelt werden. Das Faulgas dient der Beheizung der Anlage und dem betriebenen Blockheizkraftwerk, das benötigten Strom erzeugt.

Keine Kohlehalde, sondern entwässerter Klärschlamm.

Der entwässerte Klärschlamm, immerhin 10.000 Kubikmeter oder 550 Tonnen im Jahr, muss thermisch verwertet, also teuer in Verbrennungsanlagen in Bremen vernichtet werden. Wegen seines hohen Kupfergehaltes darf er nicht auf die Felder gebracht werden, obwohl Kupfer und Phosphor in gewisser Dosierung durchaus auch Düngemittel sind.

Online und täglich per eigener Laboranalyse des 19-köpfigen Teams der Achimer Abwasserbeseitigung wird stets gemessen, ob sich alle Werte im Normalbereich befinden.

Abwassergebühren finanzieren Investitionen

„Mit den Sanierungen und Modernisierungen ist in Achim bereits das dritte Klärwerk entstanden“, berichtet der Abwasserchef. Die Millioneninvestitionen fürs Klärwerk und die ständig zu sanierenden Leitungen und Pumpen auf den langen Strecken werden über die Abwassergebühren finanziert.

Eine weitere Investition steht nun an. Das Zulaufpumpwerk, das je nach Witterung 5000 bis 10.000 Kubikmeter Wasser am Tag auffängt, muss 2018 erneuert werden. Es befindet sich noch auf dem Stand von vor 50 Jahren und hat eine nennenswerte Umrüstung zuletzt vor 20 Jahren gehabt.

Prüfender Blick des Ausschusses in eins der Klärbecken.

Auf Vorschlag der Planer und der Klärwerksleitung sieht man jedoch von einem um 200 000 Euro teureren Neubau ab und ersetzt das Anlagenteil durch eine in der Schweiz entwickelte Technik mit Nassaufstellung und Ansaugtechnik, die die unerwünschten Teilchen gleich zu den Pumpen bringt, wenig Wartung und Personal benötigt. Immerhin sind runde 700.000 Euro dafür auf den Tisch zu legen beziehungsweise in den Haushalt zu stellen.

Erschwerend kommt hinzu, dass bei der Beschichtung der Altanlage mit den giftigen und gesundheitsgefährdenden Stoffen, Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und polychlorierten Biphenylen (PCB), gearbeitet worden ist und dass sie nun teuer entfernt werden müssen.

Der Umweltschutz in Deutschlands Kläranlagen wird damit noch lange nicht am Ende angelangt sein, wie Schmoecker erklärte. In Zukunft sollen auch Medikamentenrückstände und die von Zahnpasta bis Kosmetik und Nahrung überall vorhanden Mikroplastikteilchen rausgefischt werden, die heute in die Flüsse, Meere, Fische und unsere Nahrungskette gelangen, zu Krankheiten und Tod führen können.

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