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Inga Rumpf im Interview: „Das ist ein (Über)-Lebensmittel“

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Von: Lisa Duncan

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Endlich wieder live: Inga Rumpf spielt am Freitag, 6. Mai, um 20 Uhr im Kasch.
Endlich wieder live: Inga Rumpf spielt am Freitag, 6. Mai, um 20 Uhr im Kasch. © Jim Rakete

Im Interview spricht Inga Rumpf über Musik als Therapie, die Rolling Stones und Udo Lindenberg.

Achim – Als Sängerin der „City Preachers“ sorgte sie Ende der 60er Jahre erstmals für Furore. Die beiden Bands „Frumpy“ und „Atlantis“ wurden durch Inga Rumpf zu deutschen Rocklegenden. Sie ging mit Aerosmith, Udo Lindenberg und Lionel Ritchie auf Tournee, komponierte für Tina Turner, jammte mit Keith Richards und Ron Wood. Die Rede ist von Inga Rumpf, die als Sängerin in vielen Musikstilen – von Soul über Blues und Gospel bis hin zu Rock – zu Hause ist und mit ihren 75 Jahren auf eine jahrzehntelange Musikkarriere zurückblickt. Darüber, und über ihr Konzert im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) am Freitag, 6. Mai, um 20 Uhr, spricht sie im Interview mit dem Achimer Kreisblatt. Die Fragen stellte Lisa Duncan.

Was verbindet Sie mit der Stadt Achim oder dem Kasch?

Das ist eine tolle Geschichte, weil unser Auftritt mit dem Trio fast genau zwei Jahre nach unserem letzten Konzert am 7. März 2020 stattfindet. Damals haben wir tatsächlich das letzte Konzert für eine lange, lange Zeit gespielt, weil dann Corona kam. Und das war praktisch schon in dieser eigenartigen Stimmung, als wir in Achim waren. Da fing es schon an, dass man sich schützte und alles ganz ungewohnt war. Und deswegen habe ich ganz starke Erinnerungen an diesen Auftritt.

Was kann das Publikum beim Konzert nächste Woche hier erwarten?

Wir haben eine kleinere Band dabei. Das ist mein Trio: Ich singe und spiele Gitarre, Joe Dinkelbach spielt Piano und Thomas Biller Kontrabass. Wir werden einen Teil mit meinen Klassiker spielen und einen Teil mit ganz neuen Songs, die ich letztes Jahr veröffentlicht habe zu meinem 75. Geburtstag.

Dazu haben Sie ja ein Doppelalbum herausgebracht.

Ja, genau. Das heißt „Universe of Dreams“. Wir werden auch eine Auswahl von diesen Songs spielen.

Zeitgleich haben Sie eine Autobiografie veröffentlicht mit dem schönen Titel „Darf ich was vorsingen?“. Was bedeutet das denn für sie, das Vorsingen oder Singen?

Naja, das ist mein Leben. Das hätte ich auch nie gedacht, dass ich noch mit 75 auf der Bühne stehen kann. Ich dachte: Ja, mit 30, dann ist alles vorbei. Dann muss ich mir irgendwas anderes überlegen. Kreativ zu sein ist nicht nur ein Lebensmittel, das kein Verfallsdatum hat, sondern das ist ein (Über-)Lebensmittel. Für viele Künstler bedeutet das so eine Art Therapie, zu singen oder zu schreiben.

Und das ist bei Ihnen definitiv auch so?

Im Nachhinein ja. Zuerst hat man natürlich großes Musikinteresse und findet seinen Weg und seine Stilistik. Aber im Nachhinein habe ich schon oft überlegt, dass es mich viele Male gerettet hat aus einem psychischen oder seelischen Tief, dass man sich alles von der Seele schreiben kann, was einen bedrückt. Denn ich habe ja auch meine ganzen Texte und Kompositionen geschrieben. Und das ist schon hilfreich.

Was sind denn besondere Momente, an die sie sich erinnern aus Ihrer sehr langen Showkarriere?

Das ist natürlich immer die Begegnung mit dem Publikum. Wenn die gute Stimmung auf der Bühne zwischen den Musikern aufs Publikum überspringt. Daraus entsteht dann eine große Gemeinschaft. Das verbindet einen, prägt und macht vielleicht sogar ein bisschen süchtig. Dass man das immer wieder erleben kann, diesen wunderbaren Zusammenklang dieser Gemeinschaft. Das macht Spaß.

Sie haben im Laufe dieser langen Zeit unter anderem Aufnahmen mit Rolling-Stones-Mitgliedern gemacht. Wie kam das und warum wurden die jetzt erst veröffentlicht?

So kommt halt zusammen, was zusammengehört. Ich habe diese Archivaufnahmen lange in meinem Schrank gehabt und jetzt dachte ich, es wäre die Zeit, das jetzt zu veröffentlichen. Ich habe eine Produktion mit den drei Stones-Gitarristen gemacht, das war 1987/88. Die wurden aber nie veröffentlicht, weil die Produktion nicht so ganz rund war und mich musikalisch nicht weitergebracht hätte. Und deswegen habe ich sie erst mal weggelegt. Aber als ich meine Autobiografie schrieb und nach Inhalten gesucht habe, da fielen mir auch diese Kassetten von damals in die Hände. Und ich habe sie dann gehört und gedacht: „Wow, das ist ja toll. Das habe ich ganz vergessen, dass das so gut klingt.“ Ich habe die dann neben anderen unveröffentlichten Archivaufnahmen gehört. Dabei dachte ich: „Das ist eine runde Sache, wenn ich die jetzt mit ganz neuen Stücken zusammen mit meiner Autobiografie veröffentliche.“ Dann habe ich noch einen Titel, den Tina Turner mal von mir gecovert hat: „I Wrote a Letter“. Das hat sie genauso gesungen wie ich, nur vier Töne höher. Und ich dachte, das eignet sich dazu, eine neue Interpretation zu kreieren. Und das ist jetzt eine schöne bluesige Ballade geworden. Und die spielen wir auch in Achim.

Sehr schön. Ein anderer Weggefährte von Ihnen war Udo Lindenberg, sowohl als Musiker als auch Mitbewohner. Was sind denn Ihre prägnantesten Erinnerungen aus der Zeit?

Das Prägnanteste war, dass wir ganz viel diskutiert haben. Wir haben eine Englandtour mit Atlantis gemacht und das war in der Zeit, als er praktisch schon sein deutsches Ding im Kopf hatte. Auf der Tour ergaben sich so ein paar Querelen und Streitigkeiten dadurch, dass so keine Promotion für Atlantis gemacht wurde, sondern eher für Udo. Aber man kann im Nachhinein stolz darauf sein, dass man was zusammen gemacht hat und eine Strecke des Wegs gegangen ist.

Sie waren ja auch Vorbild. Sie haben ein neues Frauenbild verkörpert, mit Lederhose und Gitarre, das gab’s damals in Deutschland noch gar nicht. War das manchmal schwer?

Nein. Ich habe immer das gemacht, wonach mir der Sinn stand und was ich für mich als richtig empfunden habe. Und insofern war ich für einige Frauen vielleicht ein Role Model. Aber ich habe mir da keine großen Gedanken gemacht. Ich dachte, was die Männer können, das können wir auch. Man muss ja nur Mut haben und das Risiko auch eingehen, das lange durchzuhalten und mehr als 100 Prozent zu leisten. So kam mir das manchmal jedenfalls vor, dass wir Frauen mehr geleistet haben – oder ich jedenfalls – als meine Kollegen. Und deswegen bleibt man dann auch dabei und entwickelt auch sein Selbstbewusstsein damit.

Heutzutage wäre das so kein Thema mehr, oder?

Nein, man darf sich das nicht zu leicht machen, wenn man denkt, die Frauen können das auch. Aber es ist manchmal auch nicht so einfach. Man muss wirklich dranbleiben und das tapfer durchstehen und sich mit den Sachen beschäftigen, die man vorhat. Man muss das umsetzen können.

Und als Frau der bessere Mann sein?

Der bessere Mann? Weiß ich gar nicht. Ich fühle mich in meiner Frauenrolle okay. Ich habe zwar nie in Geschlechterrollen gedacht. Aber ich habe von den Männern auch viel gelernt, also viel abgeguckt. Das ging mit meinem Vater los. Der war handwerklich super. Und dem habe ich als Kind schon geholfen. So ging das dann weiter in den ersten Bands mit Frumpy und Atlantis. Ich habe mir abgeguckt, wie man eine Musikanlage aufbaut und verkabelt und wie man im Studio mixt. Ich habe dann auch selber ein Studio gehabt. Und dann später gelernt, wie man mit dem Computer umgeht. Da war ich unheimlich neugierig. Für mich war das immer wie ein Spielzeug für Erwachsene.

Es hat sich ja viel geändert in der Musikindustrie, seit Leute massenhaft Songs über das Internet herunterladen können.

Ja, da stehen wir ziemlich im Regen. Man investiert in seine Produktion, aber was dann letztlich unterm Strich steht, sind diese ganzen Download-Portale, die man pauschal bezahlt. Außerdem ist die Verteilung total ungerecht. Also, ich sehe da ganz schwarz für die Künstler.

Wechseln wir zu den positiven Aspekten des Lebens. Was wünschen Sie sich und dem Publikum für den kommenden Konzertabend?

Ich wünsche mir ein Publikum, das mit Freude zu uns kommt und gut gelaunt ist. Und wir werden dazu beitragen, dass es eine tolle Stimmung gibt und die Leute mit einem fröhlichen Lächeln und einer berührten Seele nach Hause gehen.

Kartenvorverkauf

www.kasch-achim.de oder direkt im Kasch

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