DRK-Helfer schlagen Alarm: Die Bereitschaft ist auch in Achim rückläufig

Immer weniger Blutspenderkarrieren

Rückläufige Zahlen alarmieren die ehrenamtlichen DRK-Helfer und drängen zum Handeln. Unterstützung erhält die Achimer DRK-Blutspende-Koordinatorin Susanne Stadtlander unter anderem von Sohn Tom. Foto: Schmidt

Achim - Von Ingo Schmidt. Die Helfer des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK), die in Achim regelmäßig zu Blutspendeaktionen einladen, beklagen einen Rückgang „zapfwilliger“ Besucher. Diesen Eindruck unterstreicht eine Prognose der Universitätsklinik Leipzig: Danach sinke die Spenderzahl in den kommenden Jahren wegen des demografischen Wandels um 15 Prozent – ausgerechnet bei steigendem Bedarf durch erweiterte Anwendungsgebiete: Für Deutschlands Patienten müssen täglich 18 000 Blutspenden verfügbar sein.

Auch Susanne Stadtlander, Blutspende-Koordinatorin der DRK-Ortsgruppe Achim, bestätigt diese Tendenz: „Insbesondere in der Gruppe der 20- bis 40-Jährigen sinkt die Bereitschaft zur Blutspende.“ Aber auch insgesamt kämen deutlich weniger Menschen zu den regelmäßigen Freitagsterminen in die Achimer Realschule. Lag der Durchschnitt dort lange bei etwa 180 Personen, so sank die Zahl jetzt auf rund 140. Der Rückgang führe zu Engpässen, insbesondere während der Schulferien, wenn mehr Spenden gebraucht werden. „Dann sind viele Menschen auf den Straßen und Autobahnen unterwegs“, weiß die zweite Vorsitzende der DRK-Ortsgruppe Achim. Mehr Unfälle passierten dann,, und der Bedarf an Blutkonserven steige signifikant.

In Deutschland organisieren sechs Blutspendedienste eine verlässliche Versorgung. Die lebensrettenden Konserven kommen hauptsächlich in der Chirurgie, Intensivmedizin, Krebsbehandlung und Kinderheilkunde zum Einsatz. Die Konserven sind nur begrenzt haltbar. Bestände müssen deshalb kontinuierlich ergänzt werden. „Die DRK-Ortsgruppen in Baden, Uphusen und Achim versuchen, jeweils monatlich einen Blutspende-Termin anzubieten“, benennt Susanne Stadtlander das erklärte Ziel.

Spenden dürfen alle Menschen im Alter zwischen 18 und 72 Jahren. Idealerweise haben diese über den Tag hinweg vor der Spende viel Flüssigkeit zu sich genommen, sind beschwerdefrei und fühlen sich gut. Wer zum ersten Mal kommt, sollte etwas Zeit mitbringen: Erstspender müssen einen Anamnese-Bogen ausfüllen und sich untersuchen lassen.

Vor Ort arbeiten zwei hauptamtliche Ärzte und weiteres medizinisches Fachpersonal. Gibt der Arzt grünes Licht, kann das Blutzapfen beginnen – ein halber Liter wandert dann in den typischen Plastikbeutel.

„Etwa anderthalb Stunden dauert ein solcher Erstspendertermin“, weiß DRK-Helfer Tom Stadtlander, der das Team bei der Spenderaufnahme unterstützt.

Bevor das Blut verwendet werden kann, wird eine Probe in einem Labor untersucht. Werden dabei auffällige Werte festgestellt, erfolgt eine Rückmeldung durch den Arzt.

Ein reichhaltiges Büfett lockt bereitwillige Blutgeber. „Wenn ich mal den Wackelpudding nicht anbieten kann, kommen schnell Klagen“, berichtet Stadtlander. Selbstgebratene Fleischbällchen und belegte Brötchen ergänzen das Angebot.

Ursachen für den Rückgang der „Blutspenderkarrieren“ vermutet Susanne Stadtlander im Generationenwechsel und einer grundlegenden, geringeren Bereitschaft zur Teilhabe.

„Wir wünschen uns vor allem mehr Erstspender“, fordert sie „Einsteiger“ auf. Für Blutspenden sprechen neben der Bedeutung für manchmal lebensrettende Maßnahme und einem kostenlosen Büfett, dass beinahe jeder Mensch mindestens einmal im Leben selbst auf ein Blutprodukt angewiesen ist. Außerdem können Spender sicher sein, dass ihr Blut und daraus gewonnene Präparate in der Region verbleiben.

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