Insekten auf Wohnungssuche

Imker Olaf Mindermann holt Bienenschwarm von Baum in Achimer Fußgängerzone

Mit vereinten Kräften bugsieren Olaf Mindermann und Jutta Pleiner den abgetrennten Ast in die Kiste.
+
Mit vereinten Kräften bugsieren Olaf Mindermann und Jutta Pleiner den abgetrennten Ast in die Kiste.

Achim – Ein auffälliges Summen und Brummen drang am Montagnachmittag aus einem Baum beim Springbrunnen in der Fußgängerzone. Passanten hatten daraufhin der Achimer Stadtverwaltung ein vermeintliches Wespennest gemeldet. Bei Eintreffen von Hobby-Imker Olaf Mindermann an der Langenstraße/Ecke Obernstraße war klar: Es handelt sich um einen Bienenschwarm, der sich einen Ast zur „Zwischenmiete“ ausgesucht hatte.

„Wahrscheinlich ein Bienenvolk, das jemandem gehört hatte und abgehauen ist“, sagt der Badener Hobby-Imker. Dies komme im Frühjahr häufiger vor – meist im Mai, in diesem Jahr wegen der kalten Witterung etwas später. Dass Bienen vom angestammten Stock Reißaus nehmen, gehöre zur „normalen Vermehrung“ dazu. „Die Bienen vermehren sich erst innerhalb des Volkes. Irgendwann wird es dort aber zu eng, und sie haben keinen Platz mehr.“ 30 000 bis 50 000 Untertanen hat ein Bienenvolk durchschnittlich. Durch den Schwarmtrieb bringen die Tiere irgendwann eine neue Königin hervor. Ein Teil des Schwarms verlässt das Domizil, um mit der alten Königin anderswo neu anzufangen. „Sie haben drei Tage Zeit, um etwas Neues zu finden“, erklärt Mindermann. So lange kann die alte Königin mit ihren Untertanen von ihrem Mageninhalt zehren, denn sie hat sich in weiser Voraussicht vorher ordentlich satt gefressen. Oft dienen Bäume einem wohnungssuchenden Bienenschwarm als Übergangsdomizil.

Am Springbrunnen in der Fußgängerzone haben Mitarbeiter des Bauhofs den Bereich abgesperrt.

Gegen 14.30 Uhr erreicht Olaf Mindermann der Notruf von Eckhard Jäger, Faltenwespenbeauftragter des Landkreises Verden für den Bereich Achim und Vorsitzender des Achimer Imkervereins. „Der hat die Kisten gerade voll“, erklärt Vereinskollege Mindermann. Heißt: Die Kapazitäten, um ein Bienenvolk zwischenzulagern, sind erschöpft. Etwa eine Stunde später kommen Olaf Mindermann und seine Lebensgefährtin Jutta Pleiner – zusammen betreiben sie die Hobby-Imkerei Bienomi – zu dem von Bienen besiedelten Baum. Dort treffen sie auch auf Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, die den Bereich aus Sicherheitsgründen abgesperrt haben. Mit einer Leiter, einer Kiste und in fachgerechter Imkerkluft steigt Mindermann in Richtung des summenden Astes. „Im Idealfall lassen sich die Bienen einfach in die Kiste hineinfallen.“ Dafür greift Olaf Mindermann oftmals zu einem Trick: Er besprüht die Hautflügler mit Wasser – „dann können sie nicht fliegen und fallen in der Regel runter. Wenn man Glück hat, ist die Königin dabei“. Da der Ast außer Reichweite ist, schneidet Mindermann ihn kurzerhand ab, sodass er mit in der Kiste landet. „Die Königin ist vermutlich dabei, weil alle in die Kiste geflogen und auch dort geblieben sind.“

Es summt im Ast, der für Imker Olaf Mindermann ein klein wenig zu hoch hängt.

Eine Nacht lang hatte Mindermann die Kiste mit den Honigbienen in der Garage „geparkt“, gestern hat er sie dann zu seinem Bienenstand in Bassen gebracht, wo er bereits andere Völker beherbergt. Vor Ort erwartet den Schwarm eine Unterkunft mit sehr viel mehr Komfort, die allerdings noch möbliert werden muss: Eine sogenannte Beute (Bienenbehausung) mit Wachsmittelwänden, an denen die Bienen ihre Waben bauen können.

Mindermann hat zehn Bienenvölker, die an insgesamt drei Standorten in Baden, Embsen und Bassen verteilt sind. Seit 2010 betreibt er die Imkerei als Hobby und verkauft Bienenprodukte im kleinen Stil, etwa bei „Mühle Meyer“ in Embsen, auf Kunsthandwerkermärkten und in der Nachbarschaft.

Nur 15 Minuten nach Eckhard Jägers Anruf erhielt Mindermann übrigens einen Auftrag aus Baden. „Aber da kamen wir zu spät: Ein Bienenschwarm war bereits in eine Hauswand eingezogen.“ Von außen war er durch ein Loch in die Dämmung des Hauses gelangt. „Sind sie erstmal drin, kriegt man sie nicht mehr raus, außer, man schlägt die Wand kaputt“, schildert der Imker. Eine Gefahr für die Hauseigentümer stellen die Untermieter indes nicht dar. Denn der Zugang befinde sich außen am Haus in drei bis vier Metern Höhe. So bleiben die Tiere vor der Außenwelt verborgen. Das gilt wohlgemerkt auch für den Honig, den sie herstellen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Meistgelesene Artikel

Parkhaus Brückstraße: Feuchtigkeit sorgt für Desaster

Parkhaus Brückstraße: Feuchtigkeit sorgt für Desaster

Parkhaus Brückstraße: Feuchtigkeit sorgt für Desaster
Kino steht in den Startlöchern: Verdener Cine City öffnet am 1. Juli

Kino steht in den Startlöchern: Verdener Cine City öffnet am 1. Juli

Kino steht in den Startlöchern: Verdener Cine City öffnet am 1. Juli

Kommentare