Im Sog der Computerspiele

Fachstelle Sucht in Achim verzeichnet gestiegenen Beratungsbedarf von Eltern

Die coronabedingten Kontaktbeschränkungen in den vergangenen anderthalb Jahren haben vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu einer stärkeren Mediennutzung geführt.
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Die coronabedingten Kontaktbeschränkungen in den vergangenen anderthalb Jahren haben vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu einer stärkeren Mediennutzung geführt.

Achim – „Der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie um bis zu 75 Prozent erhöht“, sagt Regina Haack von der Fachstelle Sucht und Suchtprävention im Kirchenkreis Verden und stützt sich damit auf eine Studie der Krankenkasse DAK. Aber auch Erwachsene hätten ihren Konsum gesteigert: Nicht nur was die sozialen Medien angehe, sondern auch bei PC-Spielen.

Haack, die in der Fachstelle in Achim das Projekt „Total verspielt! – Groß werden mit digitalen Medien“ leitet, und ihre Kollegen verzeichnen seit Beginn des ersten Lockdowns vor mehr als einem Jahr einen Anstieg des Beratungsbedarfs. „Viele Eltern, die sich bei uns melden, sind in großer Not.“

Es sei in der Zeit der Kontaktbeschränkungen nicht nur darum gegangen, über soziale Medien Verbindungen zu Freunden aufrecht zu erhalten, sondern vor allem auch darum, die Langeweile zu vertreiben. „Das macht was mit den Kindern und Jugendlichen, wenn plötzlich alles wegbricht. Nicht alle, aber sehr viele Kinder haben exzessiv gespielt, deutlich mehr als vor Corona“, sagt Haack.

Allerdings kämen die Mädchen und Jungen auch in der Schule nicht mehr an Computern vorbei. „Die Kinder werden in die Digitalisierung gedrängt, und das ist eine große Herausforderung für die Eltern, denn das Rad zurückzudrehen ist ganz schwer.“

„Der Mensch hat ein Suchtgedächtnis. Das Gehirn merkt sich, was Spaß macht“, sagt Regina Haack von der Fachstelle Sucht

Durch die regelmäßige Nutzung von Smartphone oder Computer bilden sich Regina Haack zufolge neurologische Bahnen aus – die Nutzung der Geräte wird zur Gewohnheit. „Der Mensch hat ein Suchtgedächtnis. Das Gehirn merkt sich, was Spaß macht.“ Zudem werde bei Computerspielen das Hormon Dopamin ausgeschüttet, das wie ein Lernturbo wirke. Alles werde stärker abgespeichert, so etwa das Gewinnen oder das Erleben von Abenteuern. Nach dieser intensiven Zeit in der digitalen Welt könne es für einige Kinder schwer werden, sich wieder im normalen Schulalltag zurechtzufinden. Die Gefahr bestehe, dass sich diese Mädchen und Jungen im Unterricht schneller langweilten. „Sie sind mittlerweile einen ganz anderen Dopaminausstoß gewohnt.“ Eltern, die bei Regina Haack und ihren Kollegen von der Fachstelle Hilfe suchen, berichten von einem „heftigen Sog“, den die Spiele auf den Nachwuchs ausübten.

„Es ist eine schwierige Zeit für die Kinder. Die starke Reduzierung der Sozialkontakte ist in dieser wichtigen Entwicklungsphase nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen. Dazu kam, dass die digitalen Medien während der Kontaktbeschränkungen 24 Stunden und sieben Tage die Woche verfügbar waren und es noch immer sind“, bilanziert Haack. Sie geht davon aus, dass die Gesellschaft noch lange mit den Folgen der Pandemie zu tun haben wird – sei es in Form von Verhaltensstörungen bei Kindern oder Depressionen.

Damit das Spielen mit der Konsole und das Zappen auf dem Handy nicht in Stress ausartet oder zum Streit und zur Belastung in der Familie führt, bietet die Fachstelle eine kostenlose Beratung an. Darin erhalten Eltern Antworten auf die Fragen, welche Regeln in diesen besonderen Zeiten sinnvoll sind, woran sich problematisches Mediennutzungsverhalten erkennen lässt und welche Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Wer Unterstützung benötigt, wendet sich an die Fachstelle an der Feldstraße in Achim unter der Telefonnummer 04202 / 87 98 oder per E-Mail an regina.haack@evlka.de.

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