Große Festversammlung in der Feuerwehrhalle

„Ihr geht dorthin, wo andere weglaufen“

Bürgermeister Rainer Ditzfeld dankte für den täglichen selbstlosen Einsatz der Feuerwehr und überreichte Ortsbrandmeister Thomas Köster Nummernschildverstärker für die neuen Fahrzeuge.

Achim - Von Ingo Schmidt. Mehr als 180 Personen waren dem „Ruf der Sirene“ gefolgt und versammelten sich in der festlich hergerichteten Gerätehalle. Dieser Empfang stand im Zentrum des Festakts zum 125-jährigen Bestehen der Achimer Freiwilligen Feuerwehr, dem 50-jährigen Bestehen der Jugendfeuerwehr in Achim sowie 30 Jahre am Standort Embser Landstraße 39. Einhellig lobten die Gastredner die Pionierleistung der Freiwilligeninstitution sowie die besondere Bedeutung des selbstlosen Einsatzes für die Gesellschaft.

Die Liste der promineneten Gäste war lang und dem Anlass gebührend: Erschienen waren Landrat Peter Bohlmann, Olaf Dykau als Stadtbrandmeister und stellvertretender Kreisbrandmeister, Bürgermeister Rainer Ditzfeld, Vertreter aus dem Stadtrat und aus dem Stadtkommando, Abgesandte der umliegenden Feuerwehren wie Thedinghausen oder Langwedel, der Leiter des Achimer Polizeikommissariats, Thorsten Strier, Gesandte von DLRG, DRK, THW, Schützenverein, die Altersabteilung der Feuerwehr, Jugendfeuerwehr und Gründungsmitglieder der Jugendfeuerwehr sowie Fördermitglieder.

Durch den Abend moderierte der stellvertretende Ortsbrandmeister Ralf Mühlenstedt. Die Feuerwehrjugend unterbrach die Festreden mit eigens einstudierten Sketchen. Nach anderthalb Stunden Redezeit folgte geselliges Beisammensein bei Schnittchen und Durstlöschern.

Ortsbrandmeister Thomas Köster begrüßte die Gäste und wandte den Blick ins 19. Jahrhundert. Anlass zur Gründung gab ein Großbrand im Wohnhaus des Malermeisters Johann Oldenburger am 3. Juni 1891 an der Obernstraße (heute Hausnummer 70). Es wurde gerade Schützenfest gefeiert. Passanten bemerkten den Brand früh, aber das Feuer zerstörte das Gebäude.

In der Folge rief Heinrich Meislahn verantwortungsbewusste Achimer zusammen, und gemeinsam gründeten sie eine Freiwilligenfeuerwehr. Durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Anleihen finanzierten sie die erste Ausstattung: eine Handdruckspritze mit Saug- und Druckvorrichtung, die heute noch funktioniert.

Thomas Köster erinnerte an die 14 Ortsbrandmeister, die seit der Gründung die freiwilligen Einsatzkräfte leiteten. Er selbst stehe seit 1995 an der Spitze. Und er wies auf den Gerätepark hin, der den sich verändernden Aufgaben über die Jahre angepasst werden musste

So stünde heute weniger die Brandbekämpfung im Mittelpunkt als die technische Hilfeleistung bei Sturm- und Wasserschäden, Wasserrettung oder Drehleitereinsätze.

Der erste Achimer Feuerwehrstandort lag am am Schmiedeberg. 1936 folgte der Umzug in die damaligen Wirtschaftsgebäude des Landratsamtes Achim am Marktplatz (Alte Feuerwache). Und am 7. Juli 1986 schließlich wechselten die Brandbekämpfer in den Neubau an der Embser Landstraße.

„Das Gebäude erfüllt bis jetzt alle Ansprüche“, versicherte Thomas Köster. „Noch heute kommen Planer und Feuerwehrbeauftragte zur Besichtigung, um sich Anregungen für eigene Bauprojekte zu holen.“ Dabei habe es damals sogar eine Unterschriftensammlung gegen den Standort gegeben, weil er vielen als zu abgelegen erschien.

Über 150 Einsätze jährlich verlangen ein hohes Maß an Engagement der freiwilligen Männer und Frauen, gute Kameradschaft und natürlich großes Verständnis der Familienmitglieder. Köster dankte allen Unterstützern aus Politik, Verwaltung und Familie und warb um Verständnis bei Arbeitgebern.

„Alles läuft hier gerade. Eine hervorragende Ausbildung und moderne Ausrüstung bieten Schutz und Sicherheit“, betonte der Ortsbrandmeister.

In der Folge erinnerte Jugendwart Ingo Knuppe an die Entstehung der Jugendfeuerwehr zur Nachwuchsgewinnung, die immer gut funktioniert habe. Oberbrandmeister Wolfram Esser überreichte der aktiven Gruppe eine Dankestorte.

Olaf Dykau als Stadtbrandmeister und stellvertretender Kreisbrandmeister übermittelte seine Glückwünsche und überreichte Thomas Köster ein Erinnerungsgeschenk. Die Achimer Feuerwehr habe sich Veränderungen immer gut angepasst und erfülle die Erfordernisse vergleichbar mit der Qualität einer Berufsfeuerwehr, lobte Dykau und fügte stolz hinzu: „Ihr geht dorthin, wo andere weglaufen.“

Bürgermeister Rainer Ditzfeld wies auf das gute Verhältnis zwischen Stadt Achim und der Feuerwehr hin. Er würdigte das Engagement für die Mitmenschen. Diese Haltung sei grundlegend für ein funktionierendes Gemeinwesen.

Die Stadt werde ihren Möglichkeiten entsprechend diesen Einsatz unterstützen. Ditzfeld hob außerdem die wichtige Präventionsarbeit und die Brandschutzerziehung in Kindergärten hervor. Feierlich überreichte der Bürgermeister Nummernschildverstärker für die neuen Fahrzeuge mit besonderem Aufdruck und wünschte allzeit gesunde Rückkehr.

Landrat Peter Bohlmann betonte die Pionierarbeit der Achimer mit Gründung der Feuerwehr und deren große Bedeutung für die Region sowie die erfolgreiche Nachwuchsarbeit, die sich wie ein roter Faden durch die Entwicklung ziehe.

Die Anforderungen würden stetig steigen: Während bis vor 40 Jahren hauptsächlich Landwirtschaftsbetriebe gelöscht werden mussten, sähen sich die Brandbekämpfer heutzutage mit Unfällen in Industriebetrieben und komplexen Stoffen konfrontiert. Wer aber 125 Jahre bestanden habe, werde weiterhin alle Probleme lösen, Zukunft gestalten und bestehen.

Der Vorsitzende des Feuerwehrausschusses, Johann Ditzfeld, zitierte aus Schillers „Glocke“ und lobte den freiwilligen Einsatz., der immer weniger selbstverständlich sei, aber dringend gebraucht werde.

Olaf Dykau sprach im Anschluss Johann Ditzfeld für 48 Jahre Mitgliedschaft im Feuerwehrausschuss, davon 20 Jahre als Vorsitzender, Anerkennung aus. Ditzfeld habe in Auseinandersetzungen mit dem Stadtrat sehr dazu beigetragen, dass letzlich immer alles Notwendige zur Verfügung stand.

Der Stadtbrandmeister überreichte ihm als Ruhestandsgeschenk einen Tagesausflug mit Gattin und der Kreisseniorenkameradschaft in die Niederlande.

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