Gemeindehaus wird renoviert

Ideen von Studenten als Rettungsanker

Das katholische Gemeindehaus an der Meislahnstraße ist „in die Jahre gekommen“.
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Das katholische Gemeindehaus an der Meislahnstraße ist „in die Jahre gekommen“.

Achim – Das katholische Gemeindehaus St. Matthias ist schon lange vor der Corona-Pandemie zu einem tristen, eher leblosen Ort geworden. Die Zahl der Gruppen, die sich dort trafen, wurde wegen abnehmender kirchlicher Bindungen immer weniger. Zum anderen ist das Gebäude aber auch „in die Jahre gekommen“. Mal abgesehen von der 2016 erneuerten Küche, liegt die letzte große Renovierung mehr als 20 Jahre zurück.

„Wackeliges Mobiliar, vergraute Wände, fehlender Stauraum, veraltete Beleuchtung – der Eindruck ist wenig einladend“, beklagt Birgit Asmuß. Rauschende Feste würden dort schon lange nicht mehr gefeiert. „Das Haus wirkt ungemütlich, wenig funktional, es verwaist“, stellt das engagierte Mitglied der Gemeinde fest.

Dabei habe der Flachbau hinter der Kirche und dem Kindergarten an der Meislahnstraße „großes Potenzial. Ein großer, teilbarer Saal, eine neue Küche, ein großzügiges Foyer, zahlreiche Kellerräume“, zählt Asmuß auf. Der Beschluss des Pastoralrates, das Haus zu renovieren, diene deshalb nicht nur dem Werterhalt. „Eine Neugestaltung kann die Chance sein, den Räumen mehr Ausstrahlung, Identität, Funktionalität und Lebendigkeit zu geben, die nicht nur in die bestehende Kerngemeinde, sondern in den Sozialraum Achim hineinwirken kann“, erläutert Birgit Asmuß.

Eine zehnköpfige Projektgruppe fand sich zusammen und sammelte Ideen für das „neue“ Gemeindehaus. Asmuß listet stichwortartig auf: Yogagruppe, Tanzkurs, Hausaufgabenhilfe, Mutter-Kind-Gruppe, „Sozialer Mittagstisch“, neue Möbel, bessere Beleuchtung, eine Garderobe, helle Wände, Abschied von Stuhl-Stapeln, Projektionsfläche, technische Ausstattung. „Die ersten Aufgaben waren schnell verteilt, erste Angebote wurden eingeholt, Stühle zum Probesitzen bestellt“, berichtet die Projektleiterin. Die Kernfrage sei aber weitestgehend unbeantwortet geblieben: „Wer wird die neuen Räume nutzen und womit?“

Doch dann entstand plötzlich eine ganz neue Perspektive. Die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim nahm das Projekt in das Kursverzeichnis des Wintersemesters 2020/21 auf. Rund 20 Studenten aus den Fachbereichen Gestaltung und Innenarchitektur meldeten sich an und fuhren schon bald nach Achim, um das Gemeindehaus von St. Matthias eingehend zu betrachten.

Fabian Holst, Dozent an der Hildesheimer Hochschule, habe sich nach dem Ortstermin „begeistert“ gezeigt, ließ Asmuß jüngst die Leserinnen und Leser des Pfarrbriefs wissen. Für den Lehrenden im Fachbereich Gestaltung sei es eine Premiere gewesen, dass seine Studenten mit einer Kirchengemeinde zusammenarbeiteten. Für die im Bistum Hildesheim liegende Pfarrei St. Matthias war es nach dem Dafürhalten von Asmuß hingegen naheliegend, die Kooperation mit dieser Hochschule zu suchen. Die jungen Leute bearbeiteten das Projekt im Zuge ihrer Bachelor- oder Masterstudien wegen der Pandemie überwiegend im digitalen Format.

Gut besuchte Versammlungen gab es dort auch vor Corona zuletzt nur selten.

„Für beide Seiten erwies sich die Zusammenarbeit als echte Win-Win-Situation“, betont Asmuß. Die Studenten hätten die seltene Gelegenheit erhalten, mit realen Bedingungen, Maßen, Lichtverhältnissen und anderem mehr sowie einem tatsächlichen „Auftraggeber“ mit zeitlicher Frist zu arbeiten. „St. Matthias bekam hochwertige, professionelle und kreative Entwürfe mit einem wichtigen Blick von außen. Es gelang den Studierenden, das Potenzial des Hauses, aber auch des regionalen Sozialraums zu erkennen und auszugestalten.“

Dass sich die kirchliche Projektgruppe gespannt auf die fachliche Herangehensweise der Hildesheimer eingelassen habe, hat sich nach Meinung von Birgit Asmuß gelohnt. 16 Entwürfe hätten die Studentinnen und Studenten „im sicheren Zoom-Format“ präsentiert. Damit seien die Erwartungen der Achimer Projektgruppe „bei weitem übertroffen“ worden.

Ein Gestaltungsentwurf der Studenten: Lobby mit Sitzgelegenheiten und transparenten Wänden. skizze: fachhochschule

Deren Leiterin gerät regelrecht ins Schwärmen: „Dank der Gestaltungsfreiheit der jungen Menschen wehte plötzlich ein ganz neuer Wind in dem tristen Gemeindehaus: Da erstaunten wirkungsvolle Farbwelten im gesamten Haus. Da betrat man eine Lobby mit Sitzgelegenheiten, Garderobe und transparenten Wänden. Da lud der Saal mit flexibler Möblierung und gemütlichen Akzenten zu Begegnung und Gespräch ein. Da überzeugten moderne Sanitärräume und barrierefreie Zugänge. Wünsche an eine Nutzung für Spiritualität oder Musik fanden gleichermaßen Raum wie Jugend- oder Gremienarbeit.“ An einigen Ideen, wie etwa dem „Achimer Hocker“, einem Leitsystem oder einem neuen Logo sei die hohe Motivation für das Projekt deutlich zu spüren. Die Projektgruppe belohnte die drei für sie überzeugendsten Entwürfe mit einem Buchpreis.

Nun gehe es um die Umsetzung, aber in welcher Art? Einige in der Gruppe meinten, die Renovierung wie geplant auf das notwendige Minimum – Anstrich, Boden, Möblierung, Beleuchtung – zu beschränken, informiert Asmuß. Andere hielten es für sinnvoll, über ein Konzept für das gesamte Haus nachzudenken – „moderne Sanitärräume, Barrierefreiheit zu den Kellerräumen und multifunktionale Nutzungsmöglichkeiten“.

Birgit Asmuß hat dazu eine klare Haltung: „Wenn wir jetzt nicht Nägel mit Köpfen machen, stirbt das Haus und die Gemeinde endgültig aus.“ Eine Belebung sei dringend notwendig. Asmuß kommentiert: „Es ist der Gemeinde zu wünschen, dass sie sich von der Begeisterung der Studierenden anstecken lässt!“  

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