Kirchlicher Arbeitskreis sieht Bedarf

Idee für Sozialkaufhaus

Das Tafelhaus an der Unterstraße ist Anlaufstelle für Leute mit wenig Geld. Rund 300 Kunden werden günstig versorgt. - Foto: Mix
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Das Tafelhaus an der Unterstraße ist Anlaufstelle für Leute mit wenig Geld. Rund 300 Kunden werden günstig versorgt.

Achim - Von Michael Mix. „Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander“, sagt Christoph Maaß. Der Pastor in der evangelischen Kirchengemeinde St. Laurentius in Achim beklagt eine „soziale Schieflage“ in der Gesellschaft.

Zu den Arbeitslosengeld- und Hartz-IV-Empfängern kämen immer mehr Leute, die im Niedriglohnsektor arbeiteten und ebenfalls Probleme hätten, finanziell über die Runden zu kommen. Deshalb gebe es die Überlegung, in Achim ein Sozialkaufhaus einzurichten.

Ein überkonfessioneller kirchlicher Arbeitskreis gehe diesem Thema nach. Der „Treffpunkt der Religionen“, in dem Vertreter der evangelischen, katholischen, orthodoxen und muslimischen Gemeinde in Achim miteinander im Gespräch seien, befasse sich mit solch einem Angebot für Menschen mit schmalem Geldbeutel. „Aber das ist noch im Anfangsstadium“, schiebt Maaß hinterher.

Außer der Kirche könnten allerdings auch noch andere wohltätige Organisationen auf diesem Feld tätig werden. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Landkreis Verden betreibt bereits Sozialkaufhäuser in Bassen und Verden. „Für Achim gibt es diese Idee bisher konkret noch nicht“, sagte Awo-Kreisgeschäftsführer Dagmar Guse gestern auf Nachfrage. Aber klar, Bedarf dafür sei in der größten Stadt im Landkreis sicherlich vorhanden, fügte sie an.

Jedoch müssten die Rahmenbedingungen stimmen. „Wenn die Stadt Achim uns günstige Räume zur Verfügung stellen würde, wären wir dabei“, erläutert Guse. An den Standorten in Bassen und Verden seien die Mieten für die jeweils etwa 200 Quadratmeter großen Kaufhaus-Räume erschwinglich. Die jeden Monat fälligen rund je 1000 Euro „sind mit den erzielten Einnahmen gerade so zu bezahlen“, sagt die Awo-Kreisgeschäftsführerin.

In den beiden Sozialkaufhäusern wird ausschließlich gebrauchte, gespendete Ware angeboten. „Überwiegend Bekleidung für Frauen, Männer und Kinder, aber auch Tischwäsche, gut erhaltene Schuhe, Haushalts- und Dekosachen“, informiert Guse. Für die Kunden, „finanziell bedürftige Menschen“, gebe es günstige Preise. So kosteten zum Beispiel Hosen sieben Euro und ein Wintermantel zwischen 15 und 20 Euro. Wer in einem der speziellen Läden einkaufen wolle, müsse gegenüber dem Personal aber auch nachweisen, dass er tatsächlich über wenig Geld verfüge.

Jeweils zwei Teilzeitkräfte beschäftigt die Awo nach Angaben von Guse in den Sozialkaufhäusern in Bassen und Verden. Dazu kämen noch je rund 20 ehrenamtlich tätige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Wir könnten aber noch mehr gebrauchen.“

Ein Sozialkaufhaus in Achim müsste nach Meinung von Guse nicht unbedingt in der Innenstadt angesiedelt sein. „Wichtig wäre, dass Parkplätze vor der Tür sind.“

Ein derartiges Geschäft in der Weserstadt würde allerdings der Kleiderbörse der örtlichen Arbeitsgruppe von Terre des Hommes an der Achimer Brückenstraße Konkurrenz machen. „Das wollen wir eigentlich nicht“, sagt Dagmar Guse. „Mit der AG arbeiten wir gut zusammen.“

Kein Problem mit einem Sozialkaufhaus vor Ort hätte die Achimer Tafel. „Bei uns“, sagt Vorsitzender Rainer Kunze, „gibt es nur Lebensmittel, und das soll auch so bleiben.“

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