Gesucht: Ein echter Treffpunkt

Idee eines Jugendplatzes in Achim findet Anklang

Der Dirtpark ist ein von Jugendlichen selbst aufgebauter Treffpunkt, für die 2012 die Baugenehmigung erteilt wurde, und die immer noch als Sport- und Freizeitplatz genutzt wird. Unser Archivbild stammt von 2014.
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Der Dirtpark ist ein von Jugendlichen selbst aufgebauter Treffpunkt, für die 2012 die Baugenehmigung erteilt wurde, und die immer noch als Sport- und Freizeitplatz genutzt wird. Unser Archivbild stammt von 2014.

Achim – Achim sollte mehr Treffpunkte für Jugendliche schaffen. Es brauche Anreize, damit sie ihre digitale Blase verlassen. Dieser Meinung ist jedenfalls Till Bräkling, Leiter des Bereichs Kinder und Jugend in der Achimer Stadtverwaltung. Denn: „Die Mediennutzung bei Jugendlichen geht nicht nur gefühlt, sondern messbar hoch.“

Bräkling kennt sich aus: 2019 hat er sich zum Eltern-Medien-Trainer ausbilden lassen und gibt regelmäßig Seminare zu diesem Thema. Am Montagabend warb er im Sozialausschuss des Stadtrats für einen Jugendplatz an zentraler Stelle. Als Standort ist der ehemalige Umkleidebereich des Achimer Freibads angedacht.

Kurzweilig und schlüssig begründet Till Bräkling im Sozialausschuss, warum Achim einen Jugendplatz braucht.

Laut einer Studie zur Mediennutzung unter Kindern und Jugendlichen gebrauchen 97 Prozent der Befragten das Smartphone vor allem für Snapchat, Tiktok, Instagram, Whatsapp und Spiele, schilderte Bräkling in seinem bebilderten Vortrag. Dies reiche vom banalen Zeitvertreib, etwa einer App, mit der man seinen digitalen Gefährten die Haare färben kann bis hin zu Ballerspielen. Die Hersteller von Apps und Spielen würden ihre Klientel genau kennen, und wüssten, wie sie diese Altersgruppe als zahlende Kunden gewinnen und bei der Stange halten. „Durch Corona hat sich der Umgang mit digitalen Medien bei Kindern und Jugendlichen noch verschärft“, fügte Bräkling eine inzwischen breit anerkannte Erkenntnis hinzu.

Analoge Treffpunkte für Jugendliche gibt es in Achim schon, darunter den „Dirtpark“ beim ehemaligen Öllager im Stadtwald, wo BMX- und Dirt-Rad-Fahrer regelmäßig aktiv sind. Eine Skateranlage gibt es zudem am Lahof auf dem Vorplatz des Vereinsheims vom TV Baden. Beide Projekte haben Jugendliche in Kooperation mit der Stadt und der Lokalen Arbeitsgruppe des Landkreises Verden auf die Beine gestellt. Diese Plätze würden von den Nutzern mitgestaltet, weiterentwickelt und aufgeräumt – „schwarze Schafe“ mal ausgenommen.

Dass dies nicht ausreiche, zeige der Umstand, dass sich gleichzeitig informelle Treffpunkte in der Innenstadt etablieren, etwa beim Fahrradhändler Benny Leussinck am Schmiedeberg oder im Rathauspark. Die Zusammenkünfte führten immer wieder zu Beschwerden bei Anwohnern.

Zuletzt wollte eine Gruppe von Jugendlichen in Kooperation mit der Stadt eine Skateranlage als Ersatz für den alten Platz beim TSV Achim (jetzt Allwetterplatz) schaffen. „Wenn Sie sich fragen, wo diese Jugendlichen sind – die kommen heute nicht“, so Bräkling. „Als ich sie zur Sitzung einladen wollte, haben sie gesagt: Nö, wir wollen jetzt was anderes, das hat uns zu lange gedauert.“ Gemeint seien die langen Diskussionen im Stadtrat, die zu wenig bewegt hätten.

Beispielhaft zeigte Bräkling auf dem Projektor eine Kletterwand, eine Skateranlage und andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Inhaltlich sei aber noch nicht klar, wie der Jugendplatz ausgestaltet werden solle. Dies brauche Zeit: Um den Jugendlichen nicht etwas vor die Nase zu setzen, was sie dann nicht nutzen, sei es notwendig, sie an den Planungen zu beteiligen, „auch wenn es länger dauert“.

Bräkling und seine Mitarbeiter hätten sich mehrere mögliche Standorte für den Jugendplatz angeschaut. Am meisten geeignet schien der ehemalige Umkleidebereich des Freibads, der an den Allwetterplatz beim TSV Achim angrenzt. „Die Größe ist derzeit noch unklar, nachdem Herr Zorn den Kunstrasenplatz als Option der Möglichkeiten ins Spiel gebracht hat“, sagte Bräkling, und spielte auf das Vorhaben an, einen Zaun um den Allwetterplatz zu ziehen. Zuvor sei in dem Bereich ein Wohnmobilstellplatz im Gespräch gewesen.

Zum Thema Finanzierung wies Bräkling darauf hin, dass es mit einer Investition von 10 000 bis 20 000 Euro nicht getan sei. Das Land Niedersachsen habe eine Corona-Förderung für solche Projekte in Aussicht gestellt – allerdings mit der Einschränkung, dass das Geld 2022 ausgegeben werden solle. „Ich bin aber zuversichtlich, dass ich Fördermittel akquirieren kann“, betonte Bräkling, und appellierte an die Anwesenden: „Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr, um die richtigen Weichen für die Jugend zu stellen.“

„Alle, die noch nicht überzeugt waren von der Idee eines Jugendplatzes“, hob Michael Pahl (SPD) an, „müssten nun überzeugt sein. Auch die Beteiligung von Jugendlichen finde ich gut.“

Silke Thomas (Grüne) brachte das Thema Wohnmobilstellplatz und dessen genauen Standort noch einmal auf. „Jetzt mal Butter bei die Fische“, ergänzte Bernd Junker (SPD). Laut dem Ersten Stadtrat Bernd Kettenburg gibt es zwei Möglichkeiten: „Um das Freibad herum, dazu gehört auch der Jugendplatz. Oder, wie schon vom Bürgermeister erwähnt, der Schützenplatz beim Restaurant Meteora.“ Aufgrund konkurrierender Nutzungen durch Zirkus oder Schützenverein stehe nur ein Streifen des Geländes zur Verfügung.

Am Ende sprach sich das Gremium einstimmig für einen Jugendplatz aus. „Wir sollten das nächstes Jahr im Zuge der Gesamtplanung für den Bereich beginnen“, so Kettenburg. Die Kosten würden sich voraussichtlich im fünf- bis sechsstelligen Bereich bewegen. Das Thema muss aber zunächst am 7. Oktober den Verwaltungsausschuss passieren.

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