„Ideale der Aufklärung als Leitstern“

Im Interview: Deutscher Druiden-Orden will in Achim eine Loge gründen

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Claus Adams, Professor für elektrische Kommunikationstechnik an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven, ist Pressesprecher des Deutschen Druiden-Ordens. Der 74-Jährige blättert in einem Standardwerk der Vereinigung mit dem Druidenstern als Erkennungssymbol drauf. 

Achim - Der Deutsche Druiden-Orden hat vor, in Achim eine Loge zu gründen. Entsteht bald ein Kloster in der Weserstadt? Nein, mit Kirche hat diese Vereinigung nichts zu tun. „Wir sind den Idealen der Aufklärung verpflichtet, zum Beispiel der Humanität, das ist unser Leitstern. Somit gibt es Parallelen zu den Freimaurern“, sagt Professor Dr. Claus Adams, Pressesprecher des Deutschen Druiden-Ordens.

Im Gespräch mit Redakteur Michael Mix erläutert der 74-Jährige, welche Absichten und Ziele die weithin unbekannte Gemeinschaft verfolgt und warum in Achim eine neue Gruppe gegründet werden soll.

Druiden? Sind das nicht Wesen aus „grauer Vorzeit“? Und wie kam es zu dem Druiden-Orden?

Druiden waren eine Lehrer- und Priesterklasse der Kelten, die vor den Griechen und Römern eine große Rolle in der alten Welt spielten. 1781 gründeten Briten in London den Druiden-Orden, eine humanistische Vereinigung, die auch die Unabhängigkeit der USA vom britischen Mutterland unterstützte.

Was sind die Anliegen der Gemeinschaft, die Kerngedanken?

Brüderlichkeit aller Menschen, tätige Nächstenliebe, Eintreten für Menschenrechte, Toleranz gegenüber anderen Meinungen. Dabei folgen wir dem Gründungsgedanken, dem Leitsatz des Philosophen Immanuel Kant: „Wage es, deinen Verstand zu gebrauchen.“ Obrigkeitsdenken ist uns fremd. Wir sehen auch die Pflicht, uns gegen Extremismus einzusetzen. Fundamentalisten jeder Art stehen wir kritisch gegenüber. Der Deutsche Druiden-Orden nimmt aber in der Regel zu aktuellen politisch-gesellschaftlichen Fragen nicht öffentlich Stellung.

Wie viele Mitglieder hat die Vereinigung auf den verschiedenen Ebenen?

Weltweit zählt der Druiden-Orden 15.000 Menschen, in den englischsprachigen Ländern, in Skandinavien, der Schweiz und in Deutschland, wo wir 1.500 Mitglieder haben. Diese sind regional organisiert, etwa in der Großloge Niedersachsen-Bremen, und in örtlichen Gruppen.

Warum gehen die Druiden jetzt nach Achim?

In Bremen hat sich vor kurzem eine Loge aufgelöst. Wir wollen nun in Achim neu starten. In kleineren Städten, wo es nicht so viel Ablenkung gibt, funktionieren solche Angebote meistens besser. Am Mittwoch, 22. Mai, um 20 Uhr soll im Gasthaus Gerken an der Uphuser Heerstraße ein Druiden-Tisch gegründet werden. Bei genügend Interesse kann daraus später eine Loge erwachsen.

Wer ist zu dem Gründungstreffen am Mittwochabend willkommen?

Dazu ist jeder eingeladen, unabhängig von Alter, Religion, Bildungsstand oder Einkommen. 90 Prozent unserer Mitglieder sind allerdings Männer und im Schnitt etwa 60 Jahre alt. Sollten zu den Treffen, die alle 14 Tage oder einmal im Monat stattfinden könnten, ausreichend Frauen kommen, ist auch die Gründung einer Frauen-Loge möglich. Aus Tradition haben wir nach Geschlechtern getrennte Gruppen.

Wie laufen die Veranstaltungen ab? Gibt es feste Rituale?

Bei einer Loge des Druiden-Ordens gibt es eine innere und eine äußere Veranstaltung. Letztere entspricht dem üblichen Clubleben. Die Innenloge ist eingerahmt von Ritualen, die in einer 250-jährigen Tradition gewachsen sind, dabei stehen jeweils Vorträge im Mittelpunkt.

Um welche Themen drehen die sich?

Da geht es zum Beispiel um Menschenrechte oder speziell auch Frauenrechte in den Ländern der sogenannten Dritten Welt. Denn wenn in Afrika Verhältnisse herrschen sollen, die Menschen dazu ermuntern, dort zu bleiben, müssen die einheimischen Frauen mitreden dürfen. Ein anderes Thema ist „Toleranz“. Nach unserem Empfinden muss es rote Linien für religiöse Fundamentalisten, rechtspopulistisches Gedankengut oder kapitalistische Auswüchse etwa auf dem Wohnungsmarkt geben. Soziale Fragen in der Gesellschaft, auch und gerade im Arbeits- und Wirtschaftsleben, müssen geklärt werden.

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