Raz Safi, Elftklässlerin am Marktgymnasium, ergattert Stipendium der Start-Stiftung

„Ich möchte eine Amnesty-Gruppe eröffnen“

Feierstunde in Göttingen: Raz Safi (links) freut sich wie sieben weitere Jugendliche aus Niedersachsen über ein Stipendium für ein dreijähriges Bildungsprogramm.
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Feierstunde in Göttingen: Raz Safi (links) freut sich wie sieben weitere Jugendliche aus Niedersachsen über ein Stipendium für ein dreijähriges Bildungsprogramm.

Achim – Raz Safi, Schülerin des Gymnasiums am Markt (Gamma), hat Großes vor. „Ich finde die Arbeit von Amnesty International wichtig. Denn Menschenrechte sind mir wichtig“, sagt die 16-Jährige. „Ich will versuchen, eine Amnesty-Gruppe an der Schule zu eröffnen.“

Safi, die die elfte Klasse am Gamma besucht, sagt das nicht einfach so dahin. Die in Achim geborene junge Frau, deren Eltern aus Afghanistan stammen, setzt sich intensiv mit diesem Thema und überhaupt mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinander. Was nun sogar von höherer Stelle anerkannt wurde und gefördert wird. Die Start-Stiftung hat an Raz Safi ein Stipendium vergeben. Das dreijährige „Bildungs- und Engagementprogramm“, das vom niedersächsischen Kultusministerium unterstützt wird, „fördert herausragende Schülerinnen und Schüler mit Migrationserfahrung“. Nur sieben weiteren Jugendlichen aus dem heimischen Bundesland ist jetzt diese Ehre zuteil geworden.

Die feierliche Übergabe der Stipendien fand vergangene Woche in Göttingen statt. „Ich war mit meinen Eltern dort“, berichtet die Elftklässlerin auf Nachfrage. Aber wie kam es überhaupt dazu, dass die Stiftung auf die junge Achimerin, die eher zurückhaltend wirkt und nicht gerne im Mittelpunkt steht, sie in das Programm aufgenommen hat?

Ihr ältester Bruder, der noch in Afghanistan geboren wurde, in Achim sein Abitur machte und jetzt Medizin studiert, habe sie auf das Angebot aufmerksam gemacht, erzählt Raz Safi, die noch drei weitere Geschwister hat. Gamma-Leiter Dirk Stelling stellte ihr gerne ein „gutes Zeugnis“ aus. „Sie ist eine engagierte junge Frau, die große Pläne hat“, sagt der Direktor auf Nachfrage. „Das Stipendium öffnet ganz viele Türen, deshalb habe ich mich dafür beworben“, antwortet die Schülerin im Gespräch mit dieser Zeitung und nennt Geschichte, Englisch und Politik als ihre Lieblingsfächer.

Bei der Start-Stiftung fielen die Schreiben aus Achim auf fruchtbaren Boden. Mit dem Stipendium fördert die Tochter der gemeinnützigen Hertie-Stiftung den weiteren Bildungsweg der Jugendlichen finanziell und unterstützt sie mit Workshops und weiteren Angeboten. Seit Beginn des Start-Stipendiums 2002 haben bundesweit mehr als 3 000 Jugendliche mit Migrationserfahrung am Programm teilgenommen.

„Sprache und Bildung sind die wesentlichen Bausteine für eine gelingende Integration sowie für gesellschaftlichen Erfolg. Mit der Verknüpfung von schulischen Leistungen und gesellschaftlichem Engagement öffnet das Start-Stipendium den Teilnehmern viele Türen und bietet ihnen eine große Chance auf Teilhabe sowie für ihre berufliche Zukunft”, sagte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne bei der Feierstunde in Göttingen und fügte an: „Ich gratuliere den neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten herzlich zur Aufnahme in das Start-Programm.”

Damit sollen Schülerinnen und Schüler mit Migrationserfahrung auf ihrem Weg gestärkt und ermutigt werden, sich für die Gesellschaft und Demokratie zu engagieren. Am Ende steht ein eigenes gemeinnütziges Projekt, das die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung selbst geplant, entwickelt und umgesetzt haben. Bis es so weit ist, erwartet die bundesweit 183 Stipendiatinnen und Stipendiaten des neuen Jahrgangs ein intensives Bildungs- und Engagementprogramm. Workshops, Akademien, Ausflüge, erlebnispädagogische Angebote und ein digitaler Campus begleiten die Jugendlichen auf dem Weg zu ihrem Schulabschluss. Zusätzlich erhalten sie jährlich 1 000 Euro Bildungsgeld.

„Ich möchte meine Talente und Kompetenzen fördern und mich in Workshops weiterbilden. Aber ich freue mich auch auf die gemeinschaftlichen Erlebnisse mit den anderen Teilnehmern“, sagt Raz Safi, die in ihrer Freizeit gerne Geige spielt, liest und zeichnet.

Später, im Berufsleben, will sie Menschen, denen es nicht so gut geht, professionell unter die Arme greifen. „Ich möchte Jura studieren“, verrät die Achimerin. „Das passt zu mir. Ich möchte andere unterstützen.“

Aber schon jetzt will Safi Wege in diese Richtung beschreiten. Ihr schwebt vor, am Gamma eine AG zum Thema „Menschenrechte“ zu schaffen. Um die sei es ja nicht überall gut bestellt. „Besonders Kinder sollten gefördert werden und ein Recht auf Bildung haben“, betont die 16-Jährige.

Sie hat auch schon Ideen, wie finanzielle Mittel für diesen Zweck zu gewinnen sind. „Die Schülerband könnte ein Benefizkonzert geben“, überlegt Raz Safi. „Oder es wird eine Spendenaktion, etwa in Form eines Wohltätigkeitslaufs, veranstaltet.“

Von Michael Mix

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