Ivorer blickt nach Kirchenasyl nun geordnetem Asylverfahren entgegen

„Ich habe lange niemanden so glücklich erlebt wie ihn“

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Grund zur Freude: Bamba Ibrahim kann sich endlich wieder frei bewegen und blickt einem ordentlichen Asylverfahren in Deutschland entgegen. Mit Hilfe von Maren Weber hat er einen Praktikumsplatz bekommen und wünscht sich hier eine Perspektive in Frieden und Sicherheit.

Achim - Im November 2015 erhielten zwei junge Flüchtlinge aus der Elfenbeinküste in den Räumen der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde (EFG) in der Bergstraße Kirchenasyl (wir berichteten). Dort erhielten sie vorübergehend Asyl zum Schutz vor Abschiebung in ihr Ankunftsland. Für Bamba Ibrahim, einen der beiden Ivorer, hat nun die zuständige Außenstelle des Bundesamtes für Migration in Oldenburg bestätigt, dass er nicht zurück nach Spanien abgeschoben wird und ein Asylverfahren in Deutschland eingeleitet werden kann. In diesem Verfahren werden dann erstmals seine Fluchtgründe untersucht.

„Ich habe lange niemanden so glücklich erlebt, wie in dem Moment, als der Bescheid eingegangen ist“, erklärt Unterstützerin Maren Weber. „Wir haben alles richtig gemacht.“

Bamba Ibrahim wohnt nun wieder in seiner vorherigen Unterbringung und hat ein Praktikum bei einer Uphuser Lackiererei angetreten. „Sein Chef möchte ihn unbedingt weiter beschäftigen, und wir hoffen, dass das möglich wird“, erklärt Maren Weber. Die Anstellung kam auf Eigeninitiative zustande, und beide Seiten profitieren davon.

Ein wenig beherrscht der junge Mann auch schon die deutsche Sprache, jedoch sprechen die Kollegen hauptsächlich türkisch, und an einen Deutschsprachkurs sei schwer heranzukommen.

Das Kirchenasyl steht in einer jahrhundertealten Schutztradition und ist die zeitlich befristete Aufnahme von Flüchtlingen ohne legalen Aufenthaltsstatus, denen bei Abschiebung in ihr Herkunftsland Folter und Tod drohen. In allen Fällen sind die zuständigen Behörden und Gerichte über den Aufenthalt unterrichtet.

Für Bamba Ibrahim war Angst vor politischer Verfolgung der Grund für die Flucht aus der Heimat. Sein Vater wurde als Regionalpolitiker zusammen mit dem Bruder von Rebellen 2010 im Heimatland Elfenbeinküste verschleppt. Der 17-jährige Bamba konnte sich auf einjähriger Reise nach Spanien flüchten, wo er schließlich nach fünf Jahren Aufenthalt wieder abgeschoben werden sollte und sich nach Deutschland rettete.

Das weitere Verfahren ist kompliziert, und mit dem Änderungsantrag zur Überführung in ein deutsches Asylverfahren wurde eine Rechtsanwältin beauftragt. Zur Übernahme der Kosten hat sich die Unterstützerin selbst bereit erklärt. „Die Gemeinde hat für Bamba schon viel Geld in die Hand genommen und so viel erreicht, dass mir diese Entscheidung nicht schwer gefallen ist.“

Im zweiten Fall stehen die Beteiligten vor einem formalen Problem, und das Verfahren kann sich verzögern. „Wir gehen von einem Abstimmungsproblem der Behörden aus und hoffen, dass sich dieser Fall ebenso zum Guten wendet“, erklärt Martin Schulz von der EFG. Den frei gewordenen Wohnraum hat bereits ein dritter Abschiebekandidat in Anspruch genommen.

sch

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