Bürgermeister Rainer Ditzfeld blickt zurück und voraus

„Ich brenne für unsere schöne Stadt“

Daumen hoch für Achim: Bürgermeister Rainer Ditzfeld will in der Stadt auch nach der nächsten Wahl die Fäden in der Hand halten.
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Daumen hoch für Achim: Bürgermeister Rainer Ditzfeld will in der Stadt auch nach der nächsten Wahl die Fäden in der Hand halten.

Achim – Noch ein knappes Jahr hat Rainer Ditzfeld vor sich, dann endet seine Amtszeit. Im Interview mit Sandra Bischoff zieht der parteilose Bürgermeister eine Bilanz der vergangenen sechs Jahre und erklärt, warum er auch künftig der richtige Mann für den Posten ist.

Herr Ditzfeld, das letzte Jahr Ihrer Amtszeit hat begonnen. Wie lautet Ihr Fazit, wenn Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken?

Es waren von Anfang an sechs spannende und durch die Vielzahl der unterschiedlichen Projekte sehr abwechslungsreiche Jahre. Die Amtszeit war gleich am Anfang von der Flüchtlingswelle geprägt. Wir als Kommune mussten schnell Unterkunftsmöglichkeiten schaffen, damit die Menschen ein Dach über dem Kopf hatten. Das begleitet uns nach wie vor, weil wir immer noch Zuzüge – zum Beispiel durch die Zusammenführung von Familien – haben. In dieser Situation wurde uns deutlich vor Augen geführt, dass wir weder für Menschen mit Fluchterfahrung noch für andere Achimer Einwohner ausreichend bezahlbaren Wohnraum haben. Daraus ist dann entstanden, dass wir zum Beispiel in der nördlichen Innenstadt einen Anteil für sozialen Wohnungsbau vorgegeben haben.

Welche Themen gab es noch?

Wir haben uns dann relativ schnell, ich meine Ende 2015, intensiv mit dem Thema Achim-West beschäftigt und wurden vom Rat beauftragt, eine Arbeitsgruppe in der Verwaltung einzusetzen, die das Projekt bis zur Genehmigungsreife eines Planfeststellungsbeschlusses vorbereiten sollte. Mir war es wichtig, eine breite Mehrheit im Rat dafür zu finden, das ist gelungen. Eine damalige Spitz-auf-Knopf-Entscheidung hätte das Projekt – Stand heute – wohl schon zum Scheitern gebracht. Nächstes Jahr im Sommer muss die Finanzierung für das Gewerbegebiet Achim-West stehen, und dann muss die Politik entscheiden, ob sie das Projekt weiter befürwortet. Ich würde mir wünschen, dass wir diese wichtige Entscheidung noch mit dem jetzigen Rat treffen, der Achim-West die vergangenen Jahre intensiv begleitet hat. Nach wie vor haben wir auch großen Druck, eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung in Achim anbieten zu können. Die Baugebiete, die in der Vergangenheit auf den Weg gebracht wurden, sind in den letzten Jahren förmlich explodiert, ohne dass wir mit der Kinderbetreuung hinterhergekommen sind. Und das ist für mich das größte Manko: Wir können die Wünsche der Eltern in dieser Hinsicht nicht erfüllen, obwohl Achim eine familienfreundliche Stadt ist und bleiben soll.

Und dann kam im vergangenen Frühjahr Corona.

Genau. Ich glaube, keiner hat im vergangenen Jahr um diese Zeit damit gerechnet, dass solche Auswirkungen wie wir sie heute haben, möglich sind und diese Pandemie unser Leben komplett auf den Kopf stellt. Eine große Herausforderung im Rathaus war der Einsatz der Kolleginnen und Kollegen. Schließlich haben wir systemrelevante Bereiche wie zum Beispiel die Kläranlage, das Bürgerbüro oder das Standesamt, diese Mitarbeiter können ihren Job nicht von zu Hause aus machen. Auch größere Kontaktbeschränkungen waren nicht überall möglich, denn der Betrieb musste ja aufrechterhalten werden, wenn in Teilen auch eingeschränkt. Aber das ist uns zu zusammen mit allen Beteiligten sehr gut gelungen.

Sie haben schon früh, nämlich im Frühjahr 2019 bekundet, dass Sie bei der Bürgermeisterwahl im September 2021 wieder antreten werden. Wann war Ihnen klar, dass Sie weitermachen wollen und was sind Ihre Ambitionen?

Wenn die erste Amtszeit beendet ist, bin ich 60 Jahre. Das ist für mich kein Alter, um aufzuhören, denn ich „brenne“ für unsere schöne Stadt. Zudem haben wir in den letzten Jahren unwahrscheinlich viel auf den Weg gebracht, neue Kitas, neues Freibad, die Amazon-Ansiedlung, Achim-West, die Entwicklung der Innenstadt, um nur einige Bereiche zu nennen. Das alles möchte ich weiter begleiten. Ich habe unter anderem das Ziel vor Augen, dass wir das alte Gebäude der Sparkasse für den Einzelhandel nutzen können, um damit noch mehr Leben in unsere Innenstadt zu bringen. Nur geht das leider nicht von heute auf morgen. Wenn ich an das Magdeburger Viertel denke, das hat mehrere Jahrzehnte gedauert, bis sich dort maßgeblich etwas verändert hat. Die Prozesse dauern zu lange, das ist in einer Amtszeit nicht zu schaffen. Ich möchte als Bürgermeister – zusammen mit der Politik – Achim weiter nach vorne bringen und fit für die Zukunft machen.

Warum sind Sie Ihrer Ansicht nach der richtige Bürgermeister für Achim?

Ich denke, es ist ganz wichtig, dass man eine große Verbundenheit mit seiner Kommune hat, und die habe ich. Man braucht genug Lebenserfahrung und sollte die Fähigkeit haben, auf Menschen zuzugehen, man muss entscheidungsbereit sein und das richtige Gespür für Prozesse haben. Man muss merken, wie die Stadt tickt. Außerdem glaube ich, dass es von Vorteil ist, als neutraler Bürgermeister nicht abhängig von einer Partei zu sein.

Ein Bürgermeister braucht auch so etwas wie Moderatorqualitäten, um die unterschiedlichen Auffassungen der Fraktionen zusammenzuführen, damit am Ende das Beste für die Bürger entschieden wird.

Das ist mir und meinen Mitarbeitern, denke ich, ganz gut gelungen. Wir leben in einer Demokratie, da muss man nicht immer einer Meinung sein. Ich meine, etwa 80 bis 90 Prozent der Verwaltungsvorlagen hat der Rat mit großer Mehrheit auf den Weg gebracht. Wir sind also meistens einer Meinung. Mehrmals im Jahr spricht die Verwaltungsspitze mit den Fraktionsvorsitzenden. In der Vergangenheit hat es unwahrscheinlich viel gebracht, sich in diesem kleinen Kreis absolut vertraulich auszutauschen. Ich glaube, es läuft ganz gut in Achim. Denn wir wären mit vielen Projekten nicht so weit gekommen, wenn die Politik nicht hinter der Verwaltung stehen würde. Beide Seiten wollen letztendlich das Beste für unsere Stadt.

Mal angenommen, Sie hätten einen Geldspeicher gefunden und Achim hätte plötzlich Milliarden zur Verfügung. Wofür würden Sie das Geld ausgeben?

Zuerst würde ich neue Räume für die Ehrenamtlichen schaffen und sie mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausstatten. Die Mitarbeiterzahl im Rathaus steigt, und die Räume, die wir zurzeit noch den unterschiedlichsten Gruppen zur Verfügung stellen, werden wir in absehbarer Zeit selbst benötigen. Ideal wären dafür, wenn das Amtsgericht komplett an seinem Hauptstandort wäre, die beiden Gebäude im Rathauspark. Mit viel Geld könnten wir auch die Wohnungsmarktsituation in Achim entschärfen und neue Projekte auf den Weg bringen. Es könnten kleine Apartments und kleine Wohnungen für Auszubildende geschaffen werden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Außerdem würde ich den Sanierungsstau in den städtischen Gebäuden sowie auf unseren Straßen, den Geh- und Radwegen beheben und alles nach neuesten energetischen Standards herstellen. Je länger ich nachdenke, desto mehr Wünsche fallen mir ein.

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