„Zieh dich an, im Rathaus wird geimpft“

Hunderte nutzen unkomplizierte Aktion von Dr. Schukfeh und Verwaltung für Corona-Schutz

Ruckzuck setzt Dr. Fadi Schukfeh die Spritze an, im Nu ist Gabriele Wengler geboostert.
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Ruckzuck setzt Dr. Fadi Schukfeh die Spritze an, im Nu ist Gabriele Wengler geboostert.

Achim – „Die Nächsten bitte, vier dürfen rein! Halten Sie bitte Ihren Impfausweis, Personalausweis und Ihre Versichertenkarte bereit“, sagt der vor die Rathaustür tretende junge Mitarbeiter der Stadtverwaltung den in der Warteschlange vorne Stehenden Bescheid. Kurz darauf legen die Ersten an der Anmeldung im Foyer ihre Dokumente vor, zwei Frauen aus dem Ordnungsamt nehmen die Daten auf.

Wer sich das erste Mal gegen Covid-19 impfen lässt, muss zusätzlich eine Einwilligungserklärung unterschreiben. Und dann geht es rauf auf die Rathaustreppe, dem ersehnten Piks entgegen. Im ersten Stock sind drei Räume der Verwaltung für einen Tag in Impflokale umgewandelt worden. Dr. Fadi Schukfeh, seine Ehefrau Afaf und Dr. Walid Abougazaleh warten dort, jeweils unterstützt von einer medizinischen Fachangestellten, auf die Patientinnen und Patienten, die sich gegen das Corona-Virus schützen wollen.

„Meine Freundin hat mich heute morgen angerufen. Sie hat gesagt: ,Zieh dich an, im Rathaus wird heute ohne Termin geimpft’, erzählt Ingrid Rotermundt als sie am Montag bei Dr. Schukfeh an der Reihe ist. Der Urologe bittet sie, einen Oberarm freizumachen. Sogleich hat er die von seiner Helferin Kerstin Hoppe vorbereitete Spritze aufgezogen und verabreicht der älteren Dame ihre dritte Corona-Impfung mit dem Vakzin von Moderna. „Diesen Stoff erhalten heute alle hier, die über 30 Jahre alt sind“, erläutert der Achimer Arzt, der die Impfaktion initiiert und in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung auf die Beine gestellt hat. „Wer unter 30 ist, bekommt Biontech.“

Bei Catharina Görn ist das zum Beispiel der Fall. „Ich werde heute hier geboostert. Denn die ersten beiden Termine liegen schon lange zurück, da ich als Krankenschwester arbeite“, verrät die junge Frau. „Viel trinken, bitte!“, gibt Schukfeh ihr wie allen frisch Geimpften mit auf den Weg. „Und jetzt aber erstmal 15 Minuten im Ratssaal ausruhen!“

Dr. Fadi Schukfeh, der sich zwischendurch kurz Zeit für ein Gespräch mit dieser Zeitung nimmt, zeigt sich mit der Resonanz der Bevölkerung auf die Aktion im Rathaus „zufrieden“. Am frühen Mittag ist rund die Hälfte der von ihm für diesen Tag georderten 500 Impfdosen aufgebraucht. „Bei Bedarf könnte ich heute kurzfristig aber noch weiteren Stoff geliefert bekommen.“

Schukfeh freut sich, dass seine Frau, die früher als Anästhesistin und Notärztin tätig war, und ein sich ebenfalls schon im Ruhestand befindender Bremer Standeskollege bei dem niedrigschwelligen Angebot für alle Impfwilligen mithelfen und lobt außerdem die Stadtverwaltung. „Die Aktion ist gut organisiert, ich könnte mir das gar nicht besser vorstellen.“ Der aus Syrien stammende Arzt findet es auch „toll, dass der Bürgermeister dafür Räumlichkeiten an einem Werktag im Rathaus zur Verfügung gestellt hat“.

Im Foyer erfolgt die Anmeldung. Zwei Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung registrieren die Daten der Impfwilligen.

Und insgesamt sechs Kräfte aus der Verwaltung tragen mit zum reibungslosen Ablauf der Veranstaltung bei. Bedarf für das Impfen gegen die Pandemie sei in Achim zweifellos vorhanden, stellt Ordnungsamtsleiterin Claudia von Kiedrowski mit Blick auf die Warteschlangen im und vor dem Rathaus fest. „Es ist ja schwierig, im Impfzentrum in Verden oder bei den Hausärzten einen Termin zu bekommen.“

Bereits um viertel vor sieben hätten die ersten Leute vor dem Rathaus gestanden, berichtet von Kiedrowski. „Um 9 Uhr riss dann der Strom etwas ab.“ Daraufhin habe Bürgermeister Rainer Ditzfeld über Facebook die Werbetrommel für die Aktion gerührt. „Und ein Kollege ist rüber in die Marktpassage und hat auf die Impfchance hingewiesen.“ Offenbar mit Erfolg. „Prompt gab es hier gleich wieder Andrang.“

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