„Stipendium fürs ganze Leben“ erhalten

Hütten aus Stahl: Achimer entwickelt „Lebensgrundlage“ für Obdachlose

Mit eigenem Schaukasten im „Cato“: Diler Salim.
+
Mit eigenem Schaukasten im „Cato“: Diler Salim.

„Home“ ist ein Projekt, über das Obdachlose wieder in die Gesellschaft zurückfinden sollen. Entwickelt hat es ein 17-Jähriger aus Achim. Nun erhielt er dafür ein „Stipendium fürs ganze Leben“.

Achim – Diler Salim macht weiter Furore. Der aus dem Irak stammende Schüler des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums, der mit seiner sozialen Ader bereits 2019 ein Stipendium der Start-Stiftung erhalten hatte, zählt nun zu den hundert ersten weltweiten Gewinnerinnen und Gewinnern von Rise. Die globale Initiative fördert junge Engagierte ein Leben lang.

Mit seiner Projektidee „Home“ zur Reintegration von Obdachlosen habe Salim bewiesen, wie kreativ gesellschaftlichen Herausforderungen begegnet werden könne, heißt es in einer Pressemitteilung der Start-Stiftung.

„Ich bin aus über 50.000 Bewerbungen ausgewählt worden“, staunt der 17-jährige Achimer. Neben Salim gehört aus Deutschland lediglich noch eine junge Frau aus Baden-Württemberg zum Hunderter-Club, der mit hohem finanziellen Aufwand breit gefördert wird. Die übrigen 15- bis 17-Jährigen „des ersten Rise-Jahrgangs, der den Grundstein einer globalen Gemeinschaft von aufstrebenden Führungskräften legen soll“, kommen aus 41 weiteren Ländern.

„Home“-Idee als „existenzielle Lebensgrundlage“ für Obdachlose

Hinter der „Home“-Idee von Diler Salim verbirgt sich „eine Hütte aus Stahl, fünf bis sieben Quadratmeter groß, ausgestattet mit Bett, Regal und Wasserkanister als existenzielle Lebensgrundlage“ für Obdachlose. Sanitäre Anlagen stünden in einer Gemeinschaftseinrichtung zur Verfügung. „Individuelle Betreuer“ kümmerten sich um die Hüttendorfbewohner. „Das alles könnte über soziale Start-ups und Spenden finanziert werden“, sagt der Gymnasiast, der am „Cato“ die elfte Klasse besucht.

Fast im selben Atemzug nimmt Salim aber von seiner Idee auch schon wieder Abstand. Unter dem Titel „Little Home“ habe ein Aktivist aus Köln schon Ähnliches probiert. Die dort und anderswo selbstgebauten Holzhütten seien allerdings beschädigt, angesprayt und zum Teil sogar abgefackelt worden. Der Initiator habe unter diesem Vandalismus, aber auch unter persönlichen Anfeindungen zu leiden gehabt.

Darüber hinaus führt Salim eigene negative Erfahrungen in Sachen „Home“ ins Feld. Einen geeigneten Platz auf öffentlichem oder privaten Grund für die Hütten zu finden, nennt er als „Hauptproblem“. Ein entsprechender Vorstoß bei der Stadt Achim sei dort „wenig begeistert aufgenommen“ worden.

Viel Aufwand für Projektidee: „Habe nächtelang daran gearbeitet“

Dabei hatte sich Diler Salim für seine Projektidee mächtig ins Zeug gelegt und „sehr viel Energie und Zeit“ reingesteckt. „Ich habe nächtelang daran gearbeitet.“ Er sei froh darüber und dankbar dafür, dass ihm mehrere Personen bei dem Vorhaben unter die Arme gegriffen hätten. „Mein Freund Takudzwa Samuriwo hat mich am meisten unterstützt.“ Aber auch Mehmet Ates, Sozialarbeiter im Bürgerzentrum an der Magdeburger Straße, sei „sehr hilfreich“ gewesen. Das Gleiche gelte für „Cato“-Leiter Dr. Stefan Krolle, der ein Referenzschreiben für ihn an Rise geschickt habe „und mir Tipps für die Rhetorik gegeben hat“. Denn Salim musste sich natürlich für das Förderprogramm bewerben. „Mein leidenschaftlicher Vortrag ist dabei wohl auch honoriert worden.“

Doch sein Ansinnen, mit Hilfe von Stahlhütten in Achim und andernorts Wohnungslosen ein Dach über dem Kopf zu geben, wird er wohl nicht in die Tat umsetzen. Diler Salim, der mit seinen Eltern und sechs Geschwistern seit 2012 in Achim lebt, schwebt nun vor, Glaubensbrüdern in seiner alten Heimat Gutes zu tun. „Ich will jetzt eher verfolgte jesidische Gemeinschaften im Nordirak unterstützen“, erzählt er. In welcher Form, sei noch offen. „Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Förderpaket umfasst Mentoring, Karriereförderung und globales Netzwerk

Trotz dieses „Umswitchens“ hofft Salim, dass er das „Rise-Stipendium fürs ganze Leben“ behalten darf. Eine halbe Million Euro stelle die Initiative für jeden Ausgewählten bereit, „und für vier Jahre werden auch die Studiengebühren an jeder Uni der Welt erlassen“. Zum Förderpaket zählten unter anderem Mentoring, Karriereförderung und ein globales Netzwerk, weiß der Oberstufenschüler, der gerade ein zweiwöchiges Praktikum bei einem Rechtsanwalt absolviert und nach dem Abitur Jura mit dem Schwerpunkt Pharmazie studieren möchte.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Verden: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Seine Möglichkeiten schon jetzt gewinnbringend für die Allgemeinheit einzusetzen, sei ihm wichtig. „Die Förderung durch Rise ist eine große Verantwortung für mich, die ich sehr zu schätzen weiß, und mit der ich gerne einiges in Gang setzen möchte“, betont Diler Salim, der natürlich auch stolz darauf ist, zu einem weltweit kleinen Kreis zu zählen, der es in die Top 100 geschafft hat. „Es ist unglaublich zu wissen, dass ich dazu gehöre.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Wieder Mangel an Impfstoff

Wieder Mangel an Impfstoff

Wieder Mangel an Impfstoff
Landkreis Verden: Drei Menschen bei <br/>Unfall schwerst  verletzt

Landkreis Verden: Drei Menschen bei
Unfall schwerst verletzt

Landkreis Verden: Drei Menschen bei
Unfall schwerst verletzt
Advent in Westen: Gespräche am<br/> knisternden Lagerfeuer

Advent in Westen: Gespräche am
knisternden Lagerfeuer

Advent in Westen: Gespräche am
knisternden Lagerfeuer
Strenge Kontrollen beim Weihnachtsmarkt in Etelsen

Strenge Kontrollen beim Weihnachtsmarkt in Etelsen

Strenge Kontrollen beim Weihnachtsmarkt in Etelsen

Kommentare