Ausbau der Allhornstraße: Anwohner bemängeln dies und das / Stadt wehrt sich gegen Kritik

Hohe Kosten, lange Bauzeit – aber Gewinn?

Die wöchentlichen Baubesichtigungen nahmen die Vertreter der Baufirma und der Stadt häufig unter den Augen von Anwohnern vor.
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Die wöchentlichen Baubesichtigungen nahmen die Vertreter der Baufirma und der Stadt häufig unter den Augen von Anwohnern vor.

Achim – Mehr als 40 Jahre lang klebte Sigrid Schröder nach dem Einkaufen oder Gassi gehen mit dem Hund oft Dreck unter den Schuhen. Als Anwohnerin der unbefestigten Allhornstraße war sie es aber auch gewohnt, mit matschigem oder staubigem Untergrund, je nach Wetterlage, klar zu kommen. Nun ist die kurze Strecke zwischen der Mühlen- und der Langenstraße auf Betreiben der Stadt mit Verbundpflaster und Regenwasserrine angelegt worden. Aber Schröder und andere Anwohner freuen sich nicht unbedingt über die runderneuerte Straße.

„Die Anlieger müssen 90 Prozent der Ausbaukosten, die sich auf rund 200 000 Euro belaufen, tragen“, beklagt Peter Feldmann. Je nach Größe des Grundstücks und des Hauses richte sich die Summe, die an die Stadt zu entrichten sei. Seine Frau und er müssten immerhin rund 25 000 Euro locker machen. „Auf einen Schlag so viel zu bezahlen, ist sehr ärgerlich“, sagt Feldmann und blickt etwas neidisch Richtung Oyten. Die Nachbargemeinde greife den Anliegern bei derlei Maßnahmen nicht ins Portemonnaie. Dort werden die Kosten allerdings über höhere Grundsteuern auf alle Grundstückseigentümer in der Gemeinde umgelegt. Insbesondere wegen des finanziellen Aspekts sei der Ausbau der Allhornstraße gegen den Willen fast aller Anwohner erfolgt, betont Feldmann.

Und was sagt die Stadt dazu? Das Projekt sei nach einer vom Rat festgelegten Prioritätenliste für das Beseitigen von Schotterpisten in Achim in Angriff genommen worden, informiert Verkehrsplaner Stefan Schuster auf Nachfrage. Klar gebe es eine Kostenbelastung für die Anwohner, „aber dafür haben sie auch eine Wertsteigerung ihrer Grundstücke durch den Ausbau erhalten“.

Und sie seien an dem Vorhaben beteiligt worden. Die Stadt habe sieben oder acht Versammlungen mit den Anliegern veranstaltet, bei denen die Besucher über die Art des Ausbaus gesprochen und befunden hätten, sagt Schuster. In dem Punkt hat Peter Feldmann auch nichts auszusetzen. Auf Wunsch der Anwohner habe die von der Stadt beauftragte Firma Brema-Bau die kaum 200 Meter lange Straße mit Verbundpflaster vom Typ „Montana“, ebenso wie im benachbarten Paradiesviertel, ausgestattet. „Und wir waren dafür, die Regenrinne in der Mitte der Fahrbahn anzulegen.“

Was inzwischen alles in die Tat umgesetzt wurde. Nach einem halben Jahr Untergrundsanierung und Bauzeit kann die jetzt kaum wiederzuerkennende Allhornstraße wohl heute für den Verkehr freigegeben werden.

Feldmann bemängelt jedoch, dass sich die Arbeiten deutlich länger als geplant hingezogen hätten. „Schon bald nach dem Start Anfang Juni wurden beim Ausschachten Kabel und Leitungen im Erdreich entdeckt, die nicht tief genug verlegt waren oder da auch gar nicht hingehörten“, berichtet der 65-Jährige. „Das hat Zeit gekostet.“

Ja, es habe Verzögerungen gegeben, räumt Schuster ein. „Ursprünglich sollte Ende September alles fertig sein.“ Eine alte Trinkwasserleitung habe jedoch „rausgebaut“ werden müssen. Darüber hinaus seien „in einem Rutsch“ auch gleich leistungsfähige Glasfaserkabel verlegt worden, wovon ja die dort wohnenden Nutzer von digitalen Geräten profitierten.

Aber warum habe denn die Straße 60 Zentimeter tief ausgekoffert werden müssen?, fragt Diplom-Ingenieur Feldmann. „Außer dem Müllwagen fährt hier doch kein schweres Fahrzeug durch.“ Es gebe nun mal Vorschriften für den Ausbau von Straßen, antwortet Verkehrsplaner Schuster. Auch solch ein kurzes Verbindungsstück, das fast nur von Anwohnern befahren werde, müsse einen 40-Tonner aushalten.

Mit dem neuen Erscheinungsbild der Allhornstraße zeigen sich die Anwohner insgesamt zufrieden. „Die Bauarbeiter haben einen guten Job gemacht“, lobt Feldmann. Von den drei ersetzten Straßenlaternen brenne bisher allerdings nur eine. Da müssten dann die Stadtwerke nochmal nachbessern, sagt Schuster und fügt hinzu: „Ich bin mir sicher, wenn die Straße nächste oder übernächste Woche abgenommen wird, funktioniert alles.“

Sigrid Schröder stört derweil, „dass die Abfuhr kontaminierten Bodens auch noch von den Anwohnern bezahlt werden soll“. Dabei habe die Stadt in den 41 Jahren, die sei dort wohne, immer die Straße geschottert.

In diesem Punkt könnten Schröder und die übrigen Anlieger ganz unbesorgt sein, versichert Schuster. Die rund 10 000 Euro Entsorgungskosten übernehme die Stadt. „Schadstoffe wie Asbest, PAK oder auch nur Fliesenreste finden wir in nahezu jeder Straße“, erklärt der Fachmann. Aufgrund schärferer Umweltauflagen dürften diese aber nicht mehr wieder verbaut werden.

Von Michael Mix

Kurz vor der Vollendung: Die Bauarbeiter setzten in dieser Woche zum Endspurt an.

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