Grüne EU-Abgeordnete Dr. Helga Trüpel diskutiert mit Marktgymnasiasten

„Hippie Happy Internet gibt es nicht mehr“

Beim Europatag am Gamma beteiligte sich die gesamte Schule an einem bunten Pausenhofbild. Fotos: duncan

Achim - Von Lisa Duncan. Klimaschutz, die Debatte um das Urheberrecht und Uploadfilter im Internet sowie das Verhältnis der Europäischen Union zu China waren Schwerpunktthemen, die die EU-Abgeordnete Dr. Helga Trüpel gestern mit Achimer Gymnasiasten besprach. Die Grünenpolitikerin, die vor dem Europaparlament lange in der Bremer Bürgerschaft gewirkt hatte, ging sachlich und mit klarer Meinungsäußerung auf Fragen der Schüler des Gymnasiums am Markt ein. Trüpel sprach auf Einladung von Stefanie von Richthofen-Klopp. Die Pädagogin organisiert an der Schule unter anderem den Erasmus-Austausch und die Europawoche, die am Gamma meist in einer besonderen Aktion am 9. Mai, dem Europatag, gipfelt.

In Zusammenarbeit mit Politiklehrerin Edelgard Abeln sang die Schülervertretung (SV) diesmal mit allen Schülern in der Pausenhalle die Europahymne. Nach dieser konzertierten akustischen Aktion folgte eine optische Hommage an den Staatenbund: In großen Lettern schrieben die Schüler „Europa 2019“ auf den Pausenhof und fügten mit bunter Kreide die Namen aller Gamma-Schüler in die zunächst leeren Buchstaben ein. „Wir wollten uns als Europaschule nach außen repräsentieren, gerade in Zeiten, in denen die EU hinterfragt wird“, erklärt SV-Mitglied Jan Luca Duhn. Der 17-Jährige betont zudem, man habe eine Aktionsform für alle finden wollen. „Mit den bunten Buchstaben wollten wir die Vielfalt Europas zeigen, und dass jeder darin einen Platz finden kann“, ergänzt Schülervertreterin Ronja Kuhnlein (17). „Denn erst durch die Menschen bekommt Europa Bedeutung“, sagt Jan Luca Duhn.

Trüpel erklärte unter anderem, warum sie im EU-Parlament für die Urheberrechtsrichtline gestimmt hat und Uploadfilter nicht als Zensurinstrument betrachtet: „Das Hippie Happy Internet gibt es nicht mehr“, sagt die 60-Jährige. Stattdessen bestimmten Konzerne wie Google, Facebook und Co., denen es um knallharte Profite gehe, die Realität im Netz. Trüpel befürwortet daher auch eine digitale Steuer. Treibt das Plattformen wir Youtube nicht in den Ruin? Nein, sagt Trüpel: „Wenn wir gute Gesetze machen, werden die USA auch danach spielen.“ Denn selbst die Supermacht sei auf die EU als Absatzmarkt angewiesen.

Nahm sich viel Zeit, die Fragen der Gamma-Schüler zu beantworten: die Grünen-Europaabgeordnete Dr. Helga Trüpel.

Ein Schüler hakte nach, wie man Klimaschutz und den Erhalt von Arbeitsplätzen unter einen Hut bringen kann. „Als Grüne setze ich meinen Schwerpunkt auf ökologische Themen“, sagte die Parlamentarierin. Dabei sei sie nicht ignorant gegenüber Menschen, die im Kohlebergbau ihre Jobs verlieren. Im Sinne der Klimaschutzziele sei eine Umstellung der Technologien erforderlich, aber auch die Art des Konsumierens und Produzierens müsse sich ändern. Sie schlug vor, „durch den Staat orchestriert, frühzeitig in grüne Jobs zu investieren“ und den Wandel mithilfe von Marktanreizen voranzutreiben. „Ich halte nichts von einer Ökodiktatur.“

Ein klares Ja gab sie zur Absenkung des Wahlalters und führte die 16-jährige, prominente Vertreterin der Klimaschutzbewegung Greta Thunberg als Beispiel für aufgeklärte politische Mitbestimmung einer Jugendlichen an.

Durch den digitalen Wandel gingen viele Arbeitsplätze verloren, sagte ein Schüler und fragte, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen ein Lösungsansatz sein könne. Sie befürchte eine soziale Spaltung der Gesellschaft, wenn ein Teil in digitalen Jobs gut verdiene und der Rest mit 1500 Euro monatlich abgespeist werde: „Die können dann RTL 2 gucken.“ Stattdessen sollte man Bildung und andere soziale Sicherungssysteme fördern, um den Menschen Chancen zu eröffnen. Die Schulform sei nicht entscheidend, aber es sei notwendig, bereits in der Kita sprachliches Basiswissen zu vermitteln.

Zuletzt schilderte sie Eindrücke ihrer China-Reise, wo sie als Abgeordnete vom Wirtschaftsvertreter bis zum Menschenrechtler mit diversen Gesprächspartnern konfrontiert wurde. Ihr Fazit: China sei kein ebenbürtiger Handelspartner für die EU. Das Land agiere nach dem Prinzip „teile und herrsche“ und wolle seine Weltmachtstellung ausbauen, während es seine eigene Bevölkerung überwachen lasse.

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