Heute feiern Siegfried und Lisa Nadler Eiserne Hochzeit / Morgen hat er seinen 90. Geburtstag

„Oma, Du musst positiv denken“

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Siegfried und Lisa Nadler in ihrem Garten an der Georgstraße. Zu ihrem heutigen Jubiläum hat auch der Bundespräsident gratuliert.

Achim - Von Manfred Brodt. Im Hause Nadler in der Georgstraße stehen in dieser Woche gleich zwei hohe Feiertage an: Heute feiert das Ehepaar Siegfried und Lisa Nadler Eiserne Hochzeit, sprich sie sind seit 65 Jahren verheiratet. Morgen wird Siegfried Nadler 90 Jahre alt und ist dabei seiner Ehefrau etwas voraus, die das neunte Jahrzehnt im November vollendet.

Vorgefeiert haben sie die Ehrentage dieser Woche allerdings schon letztes Wochenende in der Hünenburg, damit ihre in den USA wohnende Tochter dabei sein konnte.

Letztlich hatte der Zweite Weltkrieg die beiden zusammengebracht. Der in einem Vorort Stettins geborene Siegfried Nadler hatte dort die Mittelschule besucht und wurde nur drei Monate nach seinem Schulabschluss nach seiner freiwilligen Meldung zum Kriegsdienst einberufen. In der Ukraine, Italien und in den Ardennen kämpfte der junge Soldat.

Seine Künftige lernte er dann im Februar 1945 in Fallingbostel am Rande des dortigen Truppenübungsplatzes kennen.

Die in Achim als Lisa Elmers Geborene hatte in Achim die Mittelschule, in Bremen das Gymnasium besucht und in Leipzig ein Sportstudium absolviert. Als Sportlehrerin hatte es sie nach Walsrode verschlagen, wo sie dann auch die dortigen deutschen Soldaten gesellschaftlich zu betreuen hatte.

Da begegneten sich Siegfried und Lisa, und schon bei einem Spaziergang zum Hermann-Löns-Grab war für sie klar: Wir wollen den Bund fürs Leben schließen. Doch die Kriegs- und Nachkriegswirren sollten es nicht so schnell dazu kommen. lassen.

Nach dem Kriegsende kam Siegfried Nadler noch in die Internierungs- beziehungsweise Kriegsgefangenenlager in Barbenhausen, Salzgitter, in Belgien und schließlich in Paderborn. Erst im Juli 1947 lebte er in Freiheit.

Im Sommer 1947 erreichte ihn dann ein „rührender Brief“ seines zukünftigen Schwiegervaters, Siegfried und Lisa könnten doch bei ihm im Haus in der Achimer Georgstraße wohnen.

Das machten sie, zogen später in eine eigene Wohnung in der Feldstraße und heirateten heute just vor 65 Jahren. Es war die letzte Trauung des damaligen Achimer Pastors, der gehen musste, weil er seine Frau geschlagen haben soll.

Sohn Ulf und die Töchter Astrid und Ilka, heute alle im Ü-50-Bereich, vergrößerten die neue Familie, die heute auch um fünf Enkel bereichert wird.

Wegen der Berufstätigkeit des Mannes kümmerte sich vor allem Lisa Nadler um die Kinder im neu erbauten Haus in der Georgstraße. Siegfried Nadler galt nach einer Lehre als Industriekaufmann zunächst als „überqualifiziert“ und fand beim Schwiegervater als Vertreter in der Werbe- und Handwerksbranche Beschäftigung.

Mitte der 50er Jahre führte sein Weg dann als Verkäufer zur Achimer Schuhmaschinenfabrik Desma, die er später viele Jahre als Geschäftsführer prägen sollte. Nadler baute den Export der Desma, insbesondere in den Ostblock enorm aus, der dann allerdings mit dem Zerfall der Sowjetunion 1990 stark einbrach und zu radikalen Strukturbereinigungen bei der damaligen Klöckner Ferromatik Desma führte.

Siegfried Nadler hatte sich darüber hinaus als Gründer eines hiesigen Unternehmerverbandes, des Vereins Haus Hünenburg und dessen Vorsitzender sowie als parteiloses Ratsmitglied der CDU einen Namen gemacht. Als Vorsitzender des Wirtschafts- und Finanzausschusses konnte er seinen Sachverstand einbringen, musste wegen seiner vielen Dienstreisen in insgesamt 72 Länder aber das kommunalpolitische Mandat bald aufgeben.

Wie schafft man es, 65 Jahre glücklich und relativ gesund miteinander zu leben?

Zunächst hat bei beiden sicher der Sport dazu beigetragen. Die Sportlehrerin Lisa Nadler war eine Sports-kanone besonders in der Leichtathletik, aber auch in Schwimmen und Tennis. Siegfried Nadler war Handballer sowie Spieler und Vorsitzender beim Tennisverein Grün-Weiß Achim.

Seit einem halben Jahr allerdings ist die Jubilarin erblindet, und der morgen 90-jährige Ehemann kümmert sich liebevoll um sie.

Zum langen Eheglück hat wohl auch die Mentalität der beiden beigetragen. „Das wird schon“, ist einer ihrer Lieblingssprüche. Und diese Mentalität haben die Familienmenschen wohl auch an ihre Nachkommen weitergegeben. So legte jüngst der Enkel der Großmutter den Arm auf die Schulter und sagte: „Oma, Du musst positiv denken!“

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