Wechsel an der Spitze der SPD-Fraktion

Herfried Meyer tritt ab – Petra Geisler Chefin

Gibt den Fraktionsvorsitz ab: Herfried Meyer.
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Gibt den Fraktionsvorsitz ab: Herfried Meyer.

Achim – Eine Ära im Achimer Stadtrat geht zu Ende. Herfried Meyer, Vorsitzender der SPD-Fraktion, gibt diesen Posten nach 27 Jahren mit dem Ende der laufenden Ratsperiode am 31. Oktober ab. Von November an, wenn der neugewählte Stadtrat seine Arbeit beginnt, übernimmt seine bisherige Stellvertreterin Petra Geisler diese Aufgabe.

„Ich finde, es ist mal Zeit, dass das jemand anderes macht“, sagt Meyer auf Nachfrage. Die Wahl, der Start des neuen Rates, sei ein passender Zeitpunkt für den Wechsel. „Ich glaube, dass Petra das gut hinbekommt“, fügt der 64-Jährige hinzu. „Sie kann ja gut mit Menschen umgehen. Und ich werde sie unterstützen.“

„Die Schuhe, die er hinterlässt, sind wahnsinnig groß“, stellt Geisler im Gespräch mit dieser Zeitung fest. Und damit übertreibt sie nicht. Die Stadt Achim und der Niedersächsische Städtetag hatten Meyer anlässlich seines 25. Jubiläums als Fraktionsvorsitzender am 12. Dezember 2019 „hervorragendes ehrenamtliches Engagement über einen sehr langen Zeitraum“ bescheinigt, aber auch Geisler selbst und politische Gegner im Rat würdigten die Verdienste des Sozialdemokraten. Sie hoben vor allem seine detaillierte Sachkenntnis auf nahezu allen kommunalpolitischen Feldern hervor. Gepaart mit seiner Durchsetzungskraft, avancierte Meyer damit zur entscheidenden Größe in der über die ganzen 27 Jahre größten Fraktion – und gab in vielen Fragen den Kurs des gesamten Rates vor. Nicht wenige inner- und außerhalb der SPD sagen sogar: „Nicht der Bürgermeister, sondern Herfried Meyer bestimmt, was im Rathaus gemacht wird.“

Seit 1991 gehört der langjährige Teamleiter bei der Telekom, der 2013 vorzeitig in den Ruhestand ging, dem Stadtrat an, schon drei Jahre später, mit 37, stieg Meyer zum Vorsitzenden der SPD-Fraktion auf. „Es hatte sich kein anderer danach gedrängt.“

Aber was ist das Geheimnis, eine große Fraktion so lange erfolgreich zu führen? „Ich versuche, Themen gut vorzubereiten, damit möglichst alle ein breites Fachwissen haben“, erklärt Meyer. „Ich hatte aber auch immer das Glück, mit guten Leuten zusammenzuarbeiten.“

Petra Geisler (61) hofft, den neuen „Job“ neben ihrer beruflichen Tätigkeit bei der Bundesagentur für Arbeit hinzubekommen. 32 Stunden sei sie dort pro Woche beschäftigt, „aber als Alleinstehende kann ich meine Zeit ansonsten frei einteilen“. Und die vier neuen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden – doppelt so viele wie bisher – Werner Meinken, Cornelia Schneider-Pungs, Werner Wippler und nicht zuletzt Herfried Meyer hätten ihr ja „Unterstützung zugesagt, sonst hätte ich es nicht gemacht“.

Übernimmt den Führungsposten: Petra Geisler.

Den zeitlichen Aufwand, der mit dem Amt verbunden sei, könne sie allein nicht leisten. „Ich schätze, dass Herfried mindestens 30 Stunden pro Woche damit zugebracht hat. Das werde ich so nicht machen können.“ Geisler kündigte an, dass die Mitglieder der SPD-Fraktion sich mehr als bisher in die Sitzungsunterlagen einlesen müssten.

Ein Verjüngungsprozess werde mit dem bevorstehenden Wechsel an der Fraktionsspitze nicht gerade eingeleitet, räumt die seit 2013 im Rat mitmischende Witwe ein. Aber Ex-Bürgermeisterkandidatin Schneider-Pungs (40), der der Führungsposten angeboten worden sei, habe dankend abgelehnt. „Sie hat als IT-Managerin ja noch mehr als ich zu tun“, zeigt Geisler für deren Haltung Verständnis und betont: „Hätte es eine Alternative gegeben, hätte ich mich nicht nach vorne gedrängelt.“

Als Vorsitzende der Fraktion will die Sozialdemokratin vor allem in der Sozialpolitik Schwerpunkte setzen. Die Stadt müsse es in den nächsten Jahren schaffen, für alle Kinder Kita-Plätze und Ganztagsbeschulung anzubieten, Unterrichtsstätten zeitgemäß digital auszustatten „und diese als Aufenthaltsorte gestalten, nicht als Lernsilos“. Darüber hinaus hält es Geisler für dringend notwendig, den Mangel an kleinen, bezahlbaren Wohnungen insbesondere für ältere Menschen in Achim zu beheben.

Fest steht, dass mit Isabel Gottschewsky (CDU) und Petra Geisler (SPD) künftig zwei Frauen die beiden größten Fraktionen im Stadtrat führen werden. Ob die Christdemokraten mit ihren bei der Wahl errungenen zwölf Mandaten tatsächlich anstelle der SPD (elf Sitze) die Poleposition einnehmen, ist noch offen. Vize-Fraktionschef Wippler bestätigte: „Wir führen Gespräche mit Herrn Bandowski von den Freien Wählern und Herrn Kornau von den Linken zwecks Bildung einer Gruppe im Rat.“

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