„Lebendiger Adventskalender“ wenig gefragt

Hektischer Konsum statt froher Botschaft

Rita Viohl-Selmikat las zum Auftakt der Aktion „Lebendiger Adventskalender“ eine Weihnachtsgeschichte vor. Später labte sich die kleine versammelte Gruppe an Punsch und Keksen. - Fotos: Mix

Achim - Weihnachtsmärkte besuchen, Glühwein trinken, 24 Türchen öffnen, Süßes naschen – Rituale, die für viele zur Adventszeit dazu gehören. Und natürlich die Hatz durch die Läden, damit das Fest perfekt wird. Oder gibt es in diesen Wochen noch etwas anderes als geschäftiges Treiben? Ja, zum Beispiel die Aktion „Lebendiger Adventskalender“. Aber die ist in Achim kaum noch gefragt.

Zum Auftakt am Donnerstagabend versammelte sich gerade mal ein gutes Dutzend Personen auf dem Grundstück der Familie Selmikat an der Waldenburger Straße 13. Bei nieseligem Wetter enthüllte zunächst Ian (9) ein Hausfenster; hinter dem provisorischen Vorhang kamen ein geschmücktes Weihnachtsbäumchen und zwei gebastelte, mit Lichterketten umlegte Tannen zum Vorschein. Unter einem geschützten Vordach las dann Rita Viohl-Selmikat eine von Elke Heidenreich geschriebene Geschichte mit dem Titel „Weihnacht“ vor. Anschließend stimmte die Hausherrin Adventslieder an, wobei der gemeinsame Gesang eher kläglich ausfiel. Erst bei „Macht hoch die Tür“ erwiesen sich die in der Einfahrt stehenden Frauen und Männer als textsicherer und sangesfreudiger. Als Viohl-Selmikat wenig später allen ein Gläschen Punsch und Kekse reichte, griffen Groß und Klein beherzt zu und ließen es sich schmecken. Dass an diesem Abend ein „kleiner Kreis von Nachbarn, Freunden, Landfrauen“ zusammengekommen war, darüber freute sich die Achimerin.

„Aber es ist schade, dass bei der Aktion so wenige mitmachen“, bedauerte Rita Viohl-Selmikat. „Sie findet ja noch nicht mal jeden Tag statt.“ Gerade mal an zehn wechselnden Orten im ganzen Stadtgebiet gibt es im Dezember den „Lebendigen Adventskalender“.

„Es haben sich offenbar nicht mehr Mitmacher finden lassen“, sagte Christoph Maaß, Pastor der evangelischen Kirchengemeinde St. Laurentius, die diese Aktion veranstaltet, auf Nachfrage. Vor wenigen Jahren noch wurden an jedem Wochentag bis Heiligabend bei Privatleuten, an Schulen, Kindergärten und kirchlichen Gebäuden Fenster enthüllt, Erbauliches vorgetragen, Lieder gesungen, Heißes und Stärkendes genossen.

Woran liegt dieser Rückgang? Die Kirchen und ihre Bindungskräfte in Deutschland, aber nicht nur dort, schrumpften, das sei ein „europäisches Phänomen“, erklärt Maaß. In anderen Gegenden der Welt, etwa in USA und Korea, verzeichneten sie dagegen „großen Zulauf“.

Allerdings hätten auch andere Institutionen hierzulande mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. So verzeichneten zum Beispiel Fußball- und Schützenvereine oder Musikschulen seit Jahren weniger Anmeldungen, weiß der Familienvater. Zur Zeit seiner Kindheit sei die Zahl der Freizeitangebote sehr überschaubar gewesen. „Heutzutage gibt es Computerspiele und andere Ablenkungen mehr.“

Eine wesentliche Rolle spiele zudem, dass ein Großteil der Menschen in Mitteleuropa im materiellen Wohlstand lebe. Bei vielen stehe der Konsum gerade vor dem „Fest der Geschenke“ im Vordergrund. „Auch wenn die Kirchen an Heiligabend aus Tradition voll sein werden“, sagt Maaß, gerate die christliche Botschaft unter diesen Umständen meist ins Hintertreffen.

Eine Aktion wie der „Lebendige Adventskalender“, die auch dazu gedacht sei, mal innezuhalten und die hektische Betriebsamkeit zu durchbrechen, habe es schwer. Die Erfahrung zeige: „Not lehrt beten“. - mm

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